Private Equity: Neue Chancen im Nahen Osten
Ausgenommen ist unter anderem das Dubai International Financial Centre.
Foto: ReutersFrankfurt. Das Berliner Fintech-Unternehmen Moonfare expandiert in den Nahen Osten. Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs und der geopolitischen Konflikte des Westens mit China könnte die Expansion zum Vorbild für andere Start-ups werden. Das Marktpotenzial der Region gilt als sehr groß. Moonfare zufolge können private Anleger jetzt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) die virtuelle Plattform zum Erwerb von Private-Equity-Anteilen nutzen.
Private Equity ist ein Oberbegriff für außerbörsliches Beteiligungskapital. Private-Equity-Fonds, auch als Finanzinvestoren bezeichnet, erwerben Mittelständler und Konzernteile, restrukturieren sie über mehrere Jahre, verkaufen sie zu einem höheren Preis weiter oder bringen sie an die Börse. Moonfare hat seine verwalteten Vermögen in knapp einem Jahr auf zwei Milliarden Euro verdoppelt. Das Management des Fintechs will die Eintrittshürden im Internet für die Anlageklasse Private Equity senken.
Die Bürger der VAE können sich ab 60.000 Dollar an Private-Equity-Fonds von beispielsweise KKR, Carlyle Group, Permira, EQT oder Insight Partners beteiligen. Moonfare-Gründer und CEO Steffen Pauls sieht ein „enormes Wachstumspotenzial“ in der Region, weil die Zahl der Millionäre und Milliardäre stetig größer werde.
Die Emirate und Dubai locken reiche Investoren mit niedrigen Steuern und einem modernen Gesundheitssystem. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der High-Net-Worth Individuals (HNWI) im Nahen Osten um 5,5 Prozent gewachsen, vor allem in Israel und den Emiraten. Als HNWI gelten Privatpersonen, die mindestens eine Million Dollar investierbares Vermögen besitzen, heißt es im jüngsten „World Wealth Report“ der Beratungsgesellschaft Capgemini.
Nicht alle Pläne gehen auf
Fintechs wie Moonfare vereinfachen bestehende Angebote im Finanzmarkt und ermöglichen den Zugang zu neuen Finanzprodukten. Das Umfeld für Fintechs ist durch den Ukrainekrieg, steigende Zinsen und sinkende Bewertungen schwieriger geworden, einige junge Firmen wie der Zahlungsdienstleister Klarna bauten Personal ab.
Und auch einige Expansionspläne scheiterten, die Smartphonebank N26 etwa zog sich aus den USA wieder zurück. Die Geldgeber für die Fintechs achten verstärkt darauf, dass die Unternehmen nach der jeweiligen Finanzierungsrunde zunächst keinen weiteren Kapitalbedarf haben, um in einen profitablen Wachstumsmodus zu kommen.
Allerdings bleibt in Deutschland auch Nachholbedarf: Trotz Verzehnfachung der Fintech-Investitionen von 2016 bis 2021 auf 39 Euro pro Einwohner liegt Deutschlands Fintech-Branche laut der Beratungsgesellschaft McKinsey noch weit hinter führenden Märkten wie Schweden (170 Euro), Großbritannien (153 Euro) oder den USA (127 Euro).
Die Anlageklasse Private Equity wird Experten der Schweizer Privatbank Pictet zufolge auch bei steigenden Zinsen attraktiv bleiben. Entscheidend dafür sei die Überrendite gegenüber Aktien. Auch in Krisenzeiten habe diese historisch gesehen bei rund drei Prozentpunkten gelegen.
Das könnten Investoren auch zukünftig erwarten: „Selbst in schweren Krisen erzielten die Private-Equity-Fonds noch positive Renditen. Beispielsweise waren es im Jahr 2000 beim Platzen der ‚Dotcom-Blase‘ noch 2,5 Prozent im Mittel. Allerdings kam es zu einer längeren Haltedauer der Investments“, sagt Achim Siller, Leiter Portfoliomanagement Deutschland bei Pictet Wealth Management.
Gut die Hälfte der Überrenditen erzielten die Fonds aus operativen Verbesserungen in den Portfoliounternehmen. Der Rest entfalle auf Markteffekte und den Fremdkapitaleinsatz in den Transaktionen. Angesichts der geopolitischen Krisen und der Rezessionsgefahr würden einige Transaktionen aufgeschoben, bis sich Käufer und Verkäufer auf die neuen Preise für Transaktionen verständigt hätten. Die Mindestanlage beträgt bei Pictet 200.000 Euro, das ist die Vorgabe der Aufsichtsbehörden.
Bei einem dynamischen Anlagedepot kann die Allokation in Private Equity laut Pictet bei rund 25 Prozent liegen. Das verfügbare, liquide Vermögen wäre dann bei rund einer Million Euro. Wer etwas defensiver eingestellt ist, würde in einem ausgewogenen Depot bei 15 Prozent liegen, risikoaverse Anleger kämen auf etwa zehn Prozent.