1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Drosten hält Pandemie für überwunden – „erste endemische Welle“

Corona-PandemieVirologe Drosten hält Pandemie für überwunden – Justizminister fordert Ende der Corona-Maßnahmen

Christian Drosten sieht die Coronapandemie in Deutschland als beendet an. Die Forderungen, alle Schutzmaßnahmen aufzuheben, werden lauter. 26.12.2022 - 15:00 Uhr Artikel anhören

Nach fast drei Jahren Pandemie steuern mehrere Bundesländer in Richtung einer neuen Normalität im Umgang mit dem Virus.

Foto: IMAGO/Sabine Gudath

Berlin. Die Coronapandemie ist aufgrund der breiten Immunität in der Bevölkerung nach Ansicht des Virologen Christian Drosten in Deutschland ausgestanden. „Wir erleben in diesem Winter die erste endemische Welle mit Sars-CoV-2, nach meiner Einschätzung ist damit die Pandemie vorbei“, sagte der Leiter der Virologie an der Berliner Universitätsklinik Charité dem „Tagesspiegel“.

Bundesjustizminister Marco Buschmann plädierte angesichts der Äußerungen für ein Auslaufen aller Schutzmaßnahmen. Drosten gehöre in der Pandemie „zu den vorsichtigsten Wissenschaftlern“, schrieb der FDP-Politiker am Montag auf Twitter. „Nun lautet sein Befund: Die Pandemie ist vorbei. Wir sind im endemischen Zustand. Als politische Konsequenz sollten wir die letzten Corona-Schutzmaßnahmen beenden“, forderte Buschmann.

Der häufig etwas unscharf verwendete Begriff Endemie beschreibt einen Zustand, in dem die Infektionswellen abflachen und damit für einen Großteil der Bevölkerung die Auswirkungen des Infektionsgeschehens weniger gravierend sind.

Die Basis bildet eine breit vorhandene Immunität durch Impfungen oder überstandene Infektionen, die für weniger Ansteckungen und mildere Verläufe sorgt. Das Immunsystem ist nicht mehr mit einem neuartigen Erreger konfrontiert, es reagiert schneller und besser auf eine Infektion.

Die Immunität gegen Sars-CoV-2 werde nach dem Winter so breit und belastbar sein, dass das Virus im Sommer kaum noch durchkommen könne, sagte Drosten. Anders könnte es seiner Einschätzung nach zwar bei einem weiteren Mutationssprung des Erregers kommen. „Aber auch das erwarte ich im Moment nicht mehr.“

Mutation könnte „Verlängerung der Pandemie“ bedeuten

Ähnlich äußerte sich der Berliner Epidemiologe Timo Ulrichs, der die Gefahr einer Mutation insbesondere durch das dramatische Infektionsgeschehen in China jedoch als gestiegen ansieht. „Eine solche große Menge zirkulierender Viren kann vermehrt Mutationen hervorbringen, deren Zusammenwirken dann neue Varianten erzeugen kann“, sagte er dem Handelsblatt.

Dieses Risiko steige in China, sei aber auch in anderen Weltregionen vorhanden. „Eine neue Variante könnte uns noch einmal in die Verlängerung der Pandemie zwingen, auch in Europa“, sagte er.

Die Einschätzung, dass der pandemische Zustand überwunden ist, teilen inzwischen viele Experten. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hatte bereits Ende Oktober gesagt, er halte Sars-CoV-2 inzwischen für ein endemisches Virus. Er verwies dabei darauf, dass die Frage Pandemie versus Endemie wohl mehr von psychologischer als von wissenschaftlicher Bedeutung sei.

Denn klar muss sein: Endemie bedeutet nicht, dass das Virus verschwindet. Es wird dauerhaft mit relativ konstanter Erkrankungszahl auftreten.

Bundesländer reagieren unterschiedlich

Die Bundesländer ziehen unterschiedliche Schlüsse aus der neuen Lage, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt. Sie handhaben die Corona-Maßnahmen, die in ihrer Hoheit liegen, völlig unterschiedlich.

So ist die Maskenpflicht im Nahverkehr in Bayern und Sachsen-Anhalt bereits weggefallen, in Schleswig-Holstein läuft sie zum Jahresende aus. Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz haben sich von der Isolationspflicht bei positivem Test verabschiedet und setzen stattdessen auf eine verschärfte Maskenpflicht für Infizierte.

Verwandte Themen
Marco Buschmann
Bayern
Deutschland
China
Schleswig-Holstein
Coronavirus

Andere lassen mehr Vorsicht walten. Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gilt: erst mal gut durch den Winter kommen. Die Landesregierung in Schwerin möchte die Isolationspflicht und die Maskenpflicht im Nahverkehr frühestens nach dem Winter kippen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will im Januar neu entscheiden, wie es weitergeht, betont aber schon jetzt, dass ihm Eigenverantwortung beim Masketragen im Nahverkehr wichtig sei.

jkl, dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt