Interview: Klinikbetreiber Horneber: „Herr Lauterbach zerstört die Kliniklandschaft“
Für den Vorstandsvorsitzenden des Gesundheitsanbieters Agaplesion ist die geplante Reform ein Schritt in die falsche Richtung.
Foto: AGAPLESION gAGDie von Bundesgesundheitsminister Lauterbach geplante Strukturreform der Krankenbranche stößt bei Klinikbetreibern auf Kritik. Der Chef des viertgrößten deutschen Gesundheitsunternehmen Agaplesion, Markus Horneber, befürchtet sogar, dass sich die Klinikversorgung in Deutschland durch die Reform nicht verbessern, sondern weiter verschlechtern wird, wie er im Interview mit dem Handelsblatt erläutert.
„Die Reform schwächt erheblich die tragende Säule der Branche, die mittelgroßen Häuser. In der Folge gibt es wenige Monopolisten, weniger Auswahl für Patienten und Mitarbeiter und die Qualität sinkt“, sagt der erfahrene Krankenhausmanager, der den evangelischen Gesundheitskonzern Agaplesion seit mehr als einem Jahrzehnt führt.
Grund sei die realitätsferne Definition der drei neuen Versorgungsstufen, die die Reform vorsieht. Von den Leistungsanforderungen, die Häuser in der Stufe eins der Grundversorgung erfüllen müssen, bis zur denen in der Stufe zwei sei der Sprung riesig, findet Horneber. Wer die Anforderungen der Stufe zwei wie etwa das Vorhalten der Stroke-Unit für Schlaganfallpatienten sowie eine Geburtsstation nicht erreicht, würde in die Grundversorgungsstufe zurückfallen.