Mittelständler in China: „Wenn in Taiwan ein Schuss fällt, bin ich pleite“
„Klein Schwaben“, wie Taicang deshalb auch genannt wird, gilt als die Heimat des deutschen Mittelstands in der Volksrepublik.
Foto: Getty Images, PR [M]Taicang. Kurz bevor der Liuhe-Fluss in den mächtigen Yangtze mündet, reihen sich am Südufer frisch geweißelte Fachwerkhäuser aneinander. Die Bäckerei „Brotecke“ verkauft Brezeln und Apfelstreuselkuchen. In der FC-Bayern-Erlebniswelt posiert eine junge Chinesin mit einer Pappfigur von Thomas Müller. Nebenan, im „deutschen Autorestaurant“, hat eine Gruppe junger Chinesen eine Drei-Liter-Säule Schwarzbier bestellt, dazu eine Bratwurstplatte, gespickt mit Fähnchen in Schwarz-Rot-Gold.
Die Stadt Taicang, 50 Kilometer nordwestlich von Shanghai gelegen, zelebriert mit der Eröffnung des „Rothenburg Uferviertels“ nicht nur eine Reminiszenz an das mittelalterliche Rothenburg ob der Tauber, die bei Chinesen so beliebte Romantikstadt im fernen Deutschland, sondern auch drei Jahrzehnte chinesisch-deutsche Kooperationen. Denn in dem einstigen Fischerdorf haben sich mittlerweile fast 500 kleine und mittelständische Firmen (KMU) aus der Bundesrepublik angesiedelt.
Die meisten von ihnen sind schwäbische Autozulieferer und Maschinenbauer. „Klein Schwaben“, wie Taicang deshalb auch genannt wird, gilt als die Heimat des deutschen Mittelstands in der Volksrepublik. Kein Ort ist besser geeignet, um die Lage der deutschen KMU in China zu ergründen – und nirgendwo sonst ist das Chinadilemma der deutschen Wirtschaft so deutlich wie hier.