Solarzellen: US-Subventionen locken Meyer Burger – Neues Werk in Colorado geplant
Der Produktionsbeginn des neuen Werks in Colorado ist für das vierte Quartal 2024 geplant.
Foto: IMAGO/Sylvio DittrichZürich. Der Schweizer Solarmodulhersteller Meyer Burger will in Colorado Springs im US-Bundesstaat Colorado ein weiteres Werk für Hochleistungssolarzellen bauen. Das Werk mit einer Anfangskapazität von zwei Gigawatt pro Jahr solle den nordamerikanischen Markt beliefern, teilte das Unternehmen am Montag mit.
Für die US-Pläne sollen sogar Maschinen, die eigentlich für die ebenfalls in Deutschland im Bau befindliche Zellfabrik gedacht waren, umgeleitet werden. „Wir machen dann in Thalheim weiter, wenn die Rahmenbedingungen in Europa passen“, kündigte Meyer-Burger-Chef Gunter Erfurt am Montag an.
Der Solarmanager hatte die Produktionsbedingungen in Europa schon mehrfach kritisiert. Man stehe weiterhin hinter dem Standort Deutschland und Europa, stellte Erfurt klar, aber wenn sich an den Zuständen nichts ändere, „werden die EU-Ziele für den Ausbau der Solarenergie ein Wunschtraum bleiben und niemand wird hier investieren“, warnte Erfurt.
Die Wiederansiedlung der Solarindustrie gehört eigentlich zu den Prioritäten der Europäischen Union. Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat das Ziel ausgegeben, dass bis 2030 mindestens 40 Prozent der in Europa neu verbauten Photovoltaikanlagen aus europäischen Werken kommen sollen.
Tatsächlich ist auch einiges in Bewegung. Nicht nur Meyer Burger, auch Holosolis und andere bauen aktuell wieder Fertigungen hierzulande auf. Das Bundeswirtschaftsministerium will Investitionen im eigenen Land fördern. Konkret geht es um eine Gesamtproduktionskapazität von rund zehn Gigawatt entlang der gesamten Wertschöpfungskette, also von der Siliziumproduktion bis zu Zelle und Solarmodul. Dafür müssen Interessenten nachweisen, dass sie die staatlichen Fördergelder auch wirklich brauchen, also die Investition ohne Subventionen nicht tätigen würden.
Das Interesse dürfte groß sein. Trotzdem: Weltweit wurden im vergangenen Jahr Solarmodule mit einer Gesamtleistung von fast 270 Gigawatt produziert, auf Europa entfielen davon allerdings nur acht Gigawatt.
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„Die Regierung in den USA hat die Bedeutung von Cleantech erkannt und die richtigen Aktionen eingeleitet“, stellt Meyer-Burger-Chef Erfurt klar. „Davon sind wir in Europa weit entfernt.“ So bekomme man auch für die Energiekosten eine finanzielle Unterstützung der Stadt Colorado Springs und des Bundesstaats Colorado in Höhe von 90 Millionen Dollar. Währenddessen diskutiere Europa immer noch über einen Industriestrompreis, kritisiert Erfurt.
Förderzusagen auch in Europa
Der Produktionsbeginn in den USA ist für das vierte Quartal 2024 geplant. Insgesamt soll Meyer Burger eine förderfähige Summe von bis zu 1,4 Milliarden Dollar erhalten, die ab dem Produktionsbeginn im Jahr 2024 bis Ende 2032 monetarisiert werden könne. Weiter seien Vorauszahlungen von Modulabnehmern und Darlehen des Department of Energy in Höhe von mehr als 300 Millionen Dollar zugesagt. Weitere Investitionen in den USA, auch noch in diesem Jahr, schloss Erfurt nicht aus.
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Erst vor wenigen Tagen hatte das Unternehmen aus Brüssel eine Förderzusage von mehr als 200 Millionen Euro bekommen. Damit soll eine zusätzliche Produktion von Solarzellen und Solarmodulen mit einer Gesamtkapazität von bis zu 3,5 Gigawatt geschaffen werden. „Das Geld ist projektbezogen und wird auch in den Bau einer Fabrik in Europa gehen. Das hat mit der Entscheidung, die Erweiterung der bestehenden Produktion erst einmal zu stoppen, nichts zu tun“, stellte Erfurt klar.
Der Bau einer Fabrik in dieser Größenordnung koste aber insgesamt bis zu 800 Millionen Euro. Deswegen werde man auch dieses Projekt erst in Angriff nehmen können, wenn sich die Rahmenbedingungen in Europa verbessern.