Märkte Insight: Die Lehren aus dem rasanten Anstieg der Renditen am US-Anleihemarkt

Die Verzinsung für zehnjährige US-Bonds liegt deutlich über vier Prozent.
Foto: HandelsblattMan muss mittlerweile weit in der Historie zurückgehen, um einen Vergleich für die Lage am weltweit wichtigsten Kapitalmarkt zu finden. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe hat ein 15-Jahres-Hoch erreicht. Sie liegt inzwischen bei rund 4,3 Prozent und damit etwas höher als die vier Prozent, die vor der Niedrigzinsphase seit der Finanzkrise 2008 für die USA als normal galten.
Die Daumenregel, die vielleicht wieder an Bedeutung gewinnt, lautete früher: Zwei Prozent Wachstum plus zwei Prozent Inflation entsprechen einer ausgewogenen Rendite von vier Prozent für den Kapitalmarkt. Ex-US-Finanzminister Larry Summers, der früher einmal ein Prophet niedriger Zinsen war, hält für die kommende Dekade mittlerweile sogar einen Wert von 4,75 Prozent für realistisch.
Wie bemerkenswert die Entwicklung am Anleihemarkt ist, zeigt auch die reale Verzinsung der zehnjährigen US-Bonds. Nach Abzug der erwarteten Inflation gerechnet, nähert sich die Rendite mittlerweile zwei Prozent an, der höchste Wert seit 2009.
Weil sich Renditen und Kurse am Anleihemarkt gegenläufig entwickeln, steht der höheren Verzinsung seit Jahresbeginn ein Kursverfall von rund einem Prozent gegenüber. Wenn sich die zehnjährige US-Anleihe bis Ende Dezember nicht erholt, wäre es das dritte Verlustjahr in Folge, was es seit Beginn der Datenerhebung 1928 noch nie gegeben hat, stellt der US-Marktstratege Charlie Bilello fest.