Kommentar: Die 32-Stunden-Woche ist eine egoistische Gewerkschafts-Utopie

Die IG Metall fordert Lohnerhöhungen und deutlich kürzere Arbeitszeiten.
Foto: dpaDie IG Metall bastelt derzeit an einer großen Utopie. Die Gewerkschafter wollen, dass die Beschäftigten in der Stahlbranche weniger arbeiten, dafür aber mehr verdienen. Konkret fordern sie die 32-Stunden-Woche für 8,5 Prozent mehr Geld.
Das Ganze könnte man vor einer anstehenden Tarifrunde als die übliche Folklore eines der Sozialpartner abtun. Doch die IG Metall meint es ernst, wenn sie mitten im wirtschaftlichen Abschwung den Einstieg in eine ganz neue Form der Work-Life-Balance ausruft.
Die Forderung wirkt wie aus der Zeit gefallen
Dass Vati und Mutti jetzt schon am Freitag zu Hause bleiben können, wirkt gleich aus mehreren Gründen wie aus der Zeit gefallen. Der Gewerkschaft dürfte es nicht entgangen sein, dass der Staat der Stahlindustrie mit Milliardenhilfen aus Steuermitteln unter die Arme greifen soll.
Da sind die Hilfen für den Transformationsprozess in eine klimaneutrale Zukunft. Dazu soll der Steuerzahler auch noch den Industriestrompreis für die energieintensive Branche finanzieren. Man fragt sich schon: Wie kommt dieser Egoismus in der Öffentlichkeit an?
Der Kanzler hat in dieser Woche erst zu einer „nationalen Kraftanstrengung“ aufgerufen, die IG Metall schert sich um das flehentliche Bitten ihres Spitzengenossen wenig. Erst recht nicht dürfte sie dann auf Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hören, der Deutschland aus der Komfortzone holen will.
Man kann über die Viertagewoche denken, wie man will. Für den einen oder anderen Betrieb mag es im Einzelfall auch praktikabel sein. Für die Stahlhersteller ist es das sicherlich nicht, wenn mitten in der gewaltigen Umstellung auf Zukunftstechnologien das Personal fehlt.
Die Gewerkschaft sollte ihre Kraft lieber dafür einsetzen, dass die Energiepreise für die Stahlindustrie sinken. Nicht dass am Ende wegen einer Gewerkschaftsutopie Vati und Mutti ab Montag gar nicht mehr zur Arbeit müssen.