Künstliche Intelligenz: OpenAI arbeitet an einem „iPhone für Künstliche Intelligenz“
OpenAI will ein iPhone für KI entwickeln.
Foto: mauritius images, Getty Images, Unsplash [M]Düsseldorf. Kaum jemand arbeitete so eng mit Apple-Mitgründer Steve Jobs zusammen wie Jonathan „Jony“ Ive. Der Chefdesigner prägte vom iMac bis zum iPhone alle wichtigen Produkte der Kalifornier. „Er hat mehr operative Macht bei Apple als jeder andere außer mir“, sagte der 2011 verstorbene Jobs einst.
Vor vier Jahren dann verließ der gebürtige Brite Apple, gründete die Designfirma Loveform – und kooperiert nun offenbar eng mit dem für den Chatbot ChatGPT bekannten Unternehmen OpenAI. Laut dem Branchendienst „Information“ will OpenAI-Chef Sam Altman mit Jony Ive Hardware für Künstliche Intelligenz (KI) entwickeln.
Eine treibende Kraft dahinter soll Softbank-CEO Masayoshi Son sein, der laut der „Financial Times“ eine Milliarde Dollar in OpenAI investieren will. Das passt zu anderen Berichten über eine Neubewertung von OpenAI mit bis zu 90 Milliarden Dollar.
Die Gespräche zwischen OpenAI und Ive befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium. Das Gerät könnte von OpenAI selbst oder einer neu gegründeten Firma verkauft werden. Die Investment-Holding Softbank wollte die Berichte nicht kommentieren, OpenAI und Loveform reagierten nicht auf Anfragen.
Mit dem geplanten Gerät wollen Ive und Altman den Berichten zufolge eine „natürlichere und intuitive Nutzererfahrung“ ermöglichen. Als historisches Vorbild diene der Tastbildschirm des iPhones, der das mobile Internetzeitalter mitdefiniert habe. Die neue Hardware solle den Zugang zur Künstlichen Intelligenz auf ähnliche Weise prägen. Laut der Financial Times soll das Gerät keinen Bildschirm haben. Konkretere Details wurden nicht bekannt.
OpenAI-Chef Sam Altman arbeitet mit vielen ehemaligen Apple-Designern zusammen.
Foto: BloombergTechnisch gesehen ergibt ein eigenes KI-Gerät Sinn. Denn die aktuellen KI-Modelle basieren auf künstlichen neuronalen Netzen, die nicht ohne Weiteres auf herkömmlichen Smartphones oder Computern laufen. Sie benötigen dafür zu viele parallel laufende Rechenoperationen, um Informationen zu verarbeiten, neu zu gewichten und auf den Nutzer abzustimmen.
KI-Modelle brauchen spezielle Hardware
Dafür ist andere Hardware deutlich besser geeignet, häufig werden dafür sogenannte Grafikprozessoren (GPUs) verwendet. Die GPUs brauchen allerdings mehr Platz als herkömmliche Chips, sind deutlich teurer und werden im Betrieb heißer, müssen also gekühlt werden. Wenn das neue KI-Gerät wie ein iPhone überall verfügbar sein soll, darf es trotzdem nicht zu groß werden.
Wegen der Platzprobleme und des hohen Energieverbrauchs der Hardware laufen Sprachmodelle bisher vor allem auf Computern in der Cloud, die die gewaltigen Rechenleistungen bewerkstelligen können. Auch ein KI-Assistent könnte in der Cloud laufen, der Nutzer bräuchte dann nur noch ein Empfangsgerät. Dafür könnte auch ein Smartphone ausreichen.
Die Cloud ist keine Lösung für das „zweite Gehirn“
Allerdings wollen viele Kunden ihre Daten nur ungern mit Cloud-Anbietern wie Amazon, Microsoft oder Google teilen. Der KI-Assistent sei schließlich wie „ein zweites Gehirn“, der intimste Details aus Gesprächen oder Notizen sammelt, organisiert und verarbeitet, sagt Katharina Zweig, Informatikprofessorin an der Universität Kaiserslautern. An sich sei ein mobiles KI-Gerät allerdings „eine geniale Idee“. Das Gerät könne eine Art „digitaler Assistent“ werden, mit dem man seine Produktivität enorm steigern könne. Beispielsweise könnte man damit in Echtzeit Fremdsprachen sprechen oder sich „an Gedanken erinnern, die man vor zwei Jahren hatte“.
Sitzt der Assistent in der Cloud, müssten dafür allerdings enorme Datenmengen übertragen werden – schneller, als aktuelle Technologie es ermöglicht. Zwar forschen Wissenschaftler daran, nur Updates wie neue Gewichtungen von neuronalen Netzen zu transferieren. Aber die Technologie ist laut Zweig noch lange nicht ausgereift.
Altmans Verbindungen zu Apple-Designern
Ein mobiler KI-Assistent braucht also aktuell wohl auch ein mobiles Gerät, auf dem er läuft. Jony Ive soll dafür mit seinem Design- und Technikverständnis nun bei OpenAI ähnlich wie bei Apple Form und Funktion zusammenbringen – also das berühmte „Design-Thinking“ von Apple-Gründer Jobs anwenden.
Altman und Ive sind laut dem Branchendienst Information Freunde. Der OpenAI-Chef arbeitet öfter mit früheren Apple-Designern zusammen. So entwarf Thomas Meyerhoffer, der erste Angestellte von Ive bei Apple, das Scanning-Werkzeug Orb. Damit will Altman in seinem Krypto-Worldcoin-Projekt die Augen der Nutzer einscannen, um deren Identität sicherzustellen.
Altman ist auch der größte Investor von Humane. Das Start-up wurde von zwei ehemaligen Apple-Mitarbeitern 2018 gegründet, darunter Imran Chaudri, der mit Ive die Benutzeroberfläche des iPhones entwarf. Humane entwickelt ein tragbares KI-Gerät, das aussieht wie ein Eishockey-Puck, auf dem eine Kamera, ein Projektor und Lautsprecher befestigt sind. Vor wenigen Monaten präsentierte Chaudri auf einer Ted-Konferenz in Vancouver das Gerät, das er in seine Brusttasche im Hemd steckte und dann Nachrichten auf seine Handinnenfläche projizierte oder sich mit ihm unterhielt.
OpenAI scheiterte bislang an der Hardware-Entwicklung
Treffen die Berichte über die Gespräche zwischen Altman und Ive zu, ist der OpenAI-Chef wohl nicht ganz zufrieden mit dem Entwurf eines KI-Geräts von Humane und lässt eine Alternative entwickeln. Ive könnte allerdings auch mit Chaudri zusammen an einem Design arbeiten.
OpenAI selbst hat schlechte Erfahrungen mit Hardware-Entwicklung gemacht. Es betrieb bis vor gut zwei Jahren eine eigene Robotik-Abteilung, deren Entwicklungen komplexe Probleme lösen lernen sollten. Allerdings konnten deren beste KI-Modelle den vielfarbigen Zauberwürfel „Rubik’s Cube“ nur in 20 bis 60 Prozent der Fälle lösen, wie es 2019 in einer Demonstration hieß. Im Juli 2021 wurde die Division aufgelöst.