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EnergieMexikos Ölreserven schwinden

Mexiko ist die siebtgrößte Öl-Nation. Doch das Land muss den Rohstoff 2020 wohl importieren. Dem Öl-Monopolisten Pemex fehlt das Geld, um neue Quellen zu erschließen. Ausländische Konzerne dürfen nicht fördern.Klaus Ehringfeld 17.09.2012 - 07:23 Uhr Quelle: Handelsblatt ePaperArtikel anhören

Die Bohrplattform „Lolair“ des mexikanischen Ölkonzerns Pemex.

Foto: Reuters

Mexiko City. Mexiko ist auf dem Weg vom Ölriesen zum Ölzwerg. Nach einem Bericht der US-Energiebehörde EIA gehen die Energiereserven des siebtgrößten Erdölförderers der Welt dramatisch zur Neige. Bereits 2020 könnte sich Mexiko nach Berechnungen der Energieexperten von einem Öl-Exporteur zu einem Netto-Importeur verwandeln.

Hauptgrund sind fehlende Investitionen in den Sektor und weitgehend ausgebeutete Ölfelder. Von dem Niedergang der mexikanischen Ölproduktion wären auch die Vereinigten Staaten massiv betroffen, da Mexiko nach Kanada und Saudi-Arabien der drittwichtigste Lieferant der USA ist.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt
Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind. Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012
ENI (Italien)Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.
Sinopec (China)Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.
Total (Frankreich)Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.
Gazprom (Russland) Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.
Petrobras (Brasilien) Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.
BP (Großbritannien)Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.
Chevron (USA)Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.
Royal Dutch Shell (Großbritannien)Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.
PetroChina (China)Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.
Exxon Mobil (USA)Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Mexiko kämpft schon lange mit sinkender Produktion und abnehmenden Reserven. 2008 förderte das Land täglich rund 3,2 Millionen Fass Öl. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 2,55 Millionen Fass, Tendenz weiter fallend. Die Vorkommen wie das große Erdölfeld Cantarell im Golf von Mexiko geben immer weniger Petroleum her, und neue nachgewiesene Reserven sind kaum in Sicht. Vor zwölf Jahren betrugen die bestätigten Reserven Mexikos noch 25 Milliarden Fass. Mittlerweile sind diese auf rund 13 Milliarden gesunken.

Bei gleichbleibender Fördermenge ist Mexikos Ölreserve selbst nach optimistischen Schätzungen spätestens 2021 aufgebraucht. Als Reaktion auf den Bericht der EIA kündigte der scheidende Präsident Felipe Calderón vergangene Woche mit Pauken und Trompeten einen riesigen Ölfund im Golf von Mexiko an. 2000 Meter unter dem Meeresboden lägen vermutlich Reserven von bis zu 400 Millionen Fass.

Experten wie der britische Ölanalyst David Shields sind jedoch skeptisch. "Das sind weder vermutete noch nachgewiesene Reserven", sagte er dem Handelsblatt. Es seien geologische Schätzungen, aufgrund derer man über mehrere Jahre viele Probebohrungen vornehmen müsse, um Existenz und Ausbeutbarkeit der Felder zu prüfen. "Man muss dafür sehr viel Geld in die Hand nehmen", betont Shields.

Dem staatlichen Ölmonopolisten Petroleos Mexicanos (Pemex) aber fehlen sowohl das Know-how als auch die Mittel für teure Probebohrungen. Und ausländische Unternehmen können faktisch nicht engagiert werden. Haupthindernis ist die komplizierte Rechtslage. Multinationalen Konzernen ist laut Verfassung faktisch jede Investition und Beteiligung am mexikanischen Öl verboten.

Rohstoffe

Letzter Ausweg Öl-Rausch

Ausländische Unternehmen können nur als Subunternehmer für Pemex engagiert werden. Daran hat kaum ein Konzern Interesse. Pemex wiederum muss einen Großteil seines Gewinns an den Fiskus abführen. Der Staatskonzern ist der größte Steuerzahler des Landes und hat im vergangenen Jahr umgerechnet 53 Milliarden Euro an Abgaben gezahlt. Das entspricht laut Finanzministerium rund einem Drittel des Staatshaushalts.

Ölexperten kritisieren, dass Pemex so die Luft zum Atmen genommen werde und die Möglichkeit, die Gewinne aus dem Ölverkauf zu reinvestieren. Um die schwindenden Vorräte in Cantarell adäquat ersetzen zu können, müsste Pemex jährlich 16 Milliarden Dollar in die Erschließung neuer Vorkommen stecken. Geld, das der Staatsgigant nicht hat.

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Pemex ist mit knapp 160.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen Lateinamerikas, aber auch eines der am höchsten verschuldeten. Also hoffen sowohl Pemex als auch internationale Konzerne, dass der künftige Präsident Enrique Peña Nieto die notwendige Reform des Energiesektors durchsetzt. Der Präsident tritt Anfang Dezember sein Amt an und wird dabei auf eine Mehrheit auch im Parlament setzen können.

Die Aussicht auf neue Ölquellen ist zumindest da: Die US-Energiebehörde EIA geht davon aus, dass auf der mexikanischen Seite des Golfs ebenso große Reserven schlummern müssen wie in den USA. Insbesondere die Schieferöl-Vorkommen im texanischen Eagle Ford würden vermutlich nicht auf der mexikanischen Seite plötzlich aufhören.

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