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KommentarDenn sie wissen nicht, was sie essen

Der Skandal um das vertauschte Pferdefleisch in Großbritannien zeigt einmal mehr, wie sehr wir uns vom Produkt Fleisch entfernt haben – wir merken nicht einmal mehr, welches Tier da für uns getötet wurde.Dana Heide 12.02.2013 - 16:33 Uhr Artikel anhören

Fleisch in einer Pferdemetzgerei: Viele Menschen wissen nicht mehr, was sie da eigentlich essen.

Foto: dpa

Manch einer mag sich ekeln bei dem Gedanken, dass er in der Vergangenheit statt Schwein, Huhn oder Rind möglicherweise das Fleisch von Hund, Pferd oder Katze gekaut hat. Möglich ist das, wie Experten sagen. Die Lieferkette von Lebensmitteln ist lang und für den Verbraucher undurchsichtig.

Dana Heide ist Redakteurin im Ressort Unternehmen von Handelsblatt Online.

Foto: Frank Beer

Wer fertige Bolognese-Sauce aus dem Supermarkt kauft, kann nicht wissen, woher das Fleisch darin stammt, wo und wie die Tiere aufgewachsen sind, wie sie aussahen, wie alt sie wurden. Der Verbraucher greift mit dem Gedanken an den Geschmack und vielleicht noch an den Nährwert des Fleisches im Supermarkt zu. Die Lasagne des britischen Supermarktes hat offensichtlich so geschmeckt, wie es der Verbraucher wollte. Und auch mit deren Nährwert muss er einverstanden gewesen sein, die waren schließlich auf der Packung angegeben. Trotzdem beunruhigt der Gedanke, dass man Pferd gegessen hat.

Pferdefleisch
Pferdefleisch gilt in vielen Ländern Europas als Delikatesse. Besonders in Frankreich, Italien und Island ist der Verzehr nicht außergewöhnlich. Zum Teil werden besondere Schlachtfohlen gezüchtet.
In Deutschland kommt Pferdefleisch eher selten auf den Teller. Im Jahr 2011 wurden in der Bundesrepublik nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 11 200 Pferde geschlachtet. Gegenüber dem Vorjahr war das zwar ein Anstieg von 16 Prozent, doch bleibt damit der Anteil von Pferden bei der Fleischerzeugung mit deutlich unter 0,3 Prozent verschwindend gering.
In Deutschland bieten meist spezialisierte Rossschlachter Produkte aus dem Fleisch von Schlachtpferden an, seit einer Gesetzesänderung in den 90er Jahren sind aber auch andere Fleischereien dazu berechtigt.
Hierzulande wird Pferdefleisch vor allem als Grillwurst, Gulasch oder Roulade konsumiert. Auch für den traditionellen Rheinischen Sauerbraten wird in der authentischen Zubereitung nicht Rindfleisch, sondern das deutlich zartere und fettärmere Pferdefleisch verwendet.
Ernährungsexperten geben den Fettgehalt von magerem Pferdefleisch mit 3 Prozent gegenüber 6 Prozent beim Rind an. Bei fettem Fleisch sind es 16 zu 31 Prozent. 100 Gramm Pferdefleisch enthalten etwa 3,5 Milligramm Eisen, bei der gleichen Menge Rindfleisch sind es nur 1,9 Milligramm.

Aber warum eigentlich? Weil wir besser verdrängen können, was weiter weg von uns ist.

Jeder hat wohl schon einmal einem Hund den Kopf getätschelt, über die Youtube-Videos von niedlichen Katzen geschmunzelt oder über die Leistungen eines Sportpferdes im Fernsehen gestaunt. Mit Schweinen, Hühnern oder Rindern beschäftigen wir uns aber eher selten, so mancher Städter hat noch nie ein lebendes Schwein gesehen. Ab und zu kommen Horrormeldungen von zusammengepferchten und mit Antibiotika gefütterten Tieren in den Nachrichten, man empört sich, denkt kurz nach und isst am nächsten Morgen wieder sein Brötchen mit der Leberwurst, die so wenig an das Schwein aus den Nachrichten erinnert.

Ein Hund oder ein Pferd jedoch ist dem Menschen näher. Niemand käme in Deutschland auf die Idee, einen Hund zu schlachten und gut gewürzt beim Abendessen zu servieren. Auch die Zahl der Pferdefleisch-Liebhaber ist hierzulande sehr gering. Das Fleisch ist tabu, das hat die Gesellschaft so festgelegt. In anderen Ländern sind die Meinungen anders, Pferdefleisch gilt etwa in Frankreich als Delikatesse, und in China essen sie bekanntermaßen auch Hunde.

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Das Prinzip bleibt aber immer das Gleiche. Tiere sind uns ausgeliefert, wir entscheiden, was mit ihnen passiert, ob sie leben dürfen oder sterben müssen. Auch an Schweinen, Hühnern und Rindern würden viele sicher etwas Niedliches, Anrührendes und Liebenswertes finden. Aber verdrängen ist einfacher.

Pferdefleisch-Skandal

„So etwas ist auch bei uns möglich“

Wir sollten es uns nicht so einfach machen, sondern mehr Mitgefühl zeigen - auch mit den Tieren, die uns nicht so nahe stehen. Das ist recht einfach, Bio-Anbieter gibt es reichlich, selbst beim Discounter kann man Mortadella kaufen, die von Schweinen stammt, die auch mal das Tageslicht gesehen haben.

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