Kolumne „Inside America“: Die amerikanische Sehnsucht nach „Made in Germany“
New York. Zum wichtigsten Fest des Jahres, Thanksgiving, hat Martin B. den Amerikanern sprichwörtlich in die Suppe gespuckt. Der Digitalexperte war Vizechef für IT-Sicherheit beim renommierten Konservenhersteller Campbell’s. Doch von den eigenen Produkten hielt er offenbar wenig. Auf einer von mehreren US-Medien zitierten Tonaufnahme soll der inzwischen gefeuerte Manager gesagt haben: Das Dosenessen des Konzerns sei für „arme Leute“, das Hähnchenfleisch stamme angeblich „aus dem 3D-Drucker“.
Der Schaden ist angerichtet, auch wenn Campbell’s die Vorwürfe entschieden zurückweist. Der Konzern betont, dass er seine Ware von vertrauenswürdigen US-Lieferanten beziehe. Beim Thanksgiving am vergangenen Donnerstag diskutierten viele amerikanische Familien beim traditionellen Truthahnessen, was bei ihnen eigentlich auf dem Tisch landet. Zu Recht, wie Beispiele zeigen.
In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich Videos von Verbrauchern, die vermeintliche Mogelpackungen oder irreführende Zutatenlisten anprangerten. So fiel einem Ehepaar auf, dass die bevorzugte Eissorte von „Ice Cream“ in „Frozen Dairy Dessert“ umbenannt wurde. Die Bezeichnung steht für Produkte mit weniger Milchfett und mehr Luft. Der Clip erreichte innerhalb kurzer Zeit mehr als 1,4 Millionen Aufrufe.
Gesundheitsminister Kennedy legt sich mit Industrie an
Zwar wirkte die Empörung spontan, allerdings war sie keineswegs zufällig. Drei von vier Amerikanern achten inzwischen auf Nährwertangaben. Und eine Gallup-Umfrage zeigt: Das Vertrauen, dass die Regierung sich um Lebensmittelsicherheit kümmert, ist auf einem Tiefpunkt.
Dem aktuellen US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. muss man zwar zugutehalten, dass er sich um die Ernährung seiner Landsleute zu sorgen scheint. Er will die Amerikaner wieder gesünder und vor allem schlanker machen – und legt sich dafür regelmäßig mit der Industrie über deren Zutatenlisten an.
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Doch sein Chef, US-Präsident Donald Trump, konterkariert dieses Vorhaben regelmäßig. Auf einer Veranstaltung der Fast-Food-Kette McDonald’s bezeichnete sich Trump vor wenigen Wochen selbst als einen der „loyalsten Kunden aller Zeiten“. Das Weiße Haus veröffentlichte sogar ein KI-generiertes Foto, auf dem das Konzernemblem mit dem goldenen M das Dach des Präsidentensitzes ziert.
Kein Wunder also, dass manche US-Konzerne ihre amerikanische Herkunft im Ausland lieber verbergen wollen. So tourte Coca-Cola im Herbst mit einer großen „Made in Germany“-Kampagne durch Deutschland – ein Etikett, das immer noch Verlässlichkeit und Seriosität verspricht. Und Procter & Gamble hat zuletzt die Rolle eines deutschen „Qualitätsbotschafters“ geschaffen. Für die Stelle wurde sogar jemand engagiert, der ein gesundes und natürliches Nahrungsmittel im Namen trägt: Der Konsumgütergigant aus Cincinnati gewann den Moderator Kai Pflaume.