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Corporate Collection Deutsche Bank lässt Kunst mit Erfolg versteigern

Das Auktionshaus Ketterer versteigert rund 20 Kunstwerke aus dem Besitz der Deutschen Bank. Und etabliert dabei sogar einen Weltrekordpreis.
11.12.2020 - 20:54 Uhr Kommentieren
Das Werk aus dem Besitz der Deutschen Bank etablierte mit 370.000 Euro netto einen neuen Weltrekord. Quelle: Ketterer Kunst; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Renée Sintenis „Daphne“

Das Werk aus dem Besitz der Deutschen Bank etablierte mit 370.000 Euro netto einen neuen Weltrekord.

(Foto: Ketterer Kunst; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Düsseldorf Die Deutsche Bank macht Kasse mit Kunst. So könnte man die erfolgreiche Versteigerung im Auktionshaus Ketterer in München etwas überspitzt zusammenfassen. Im Sanierungskurs von Vorstandschef Christian Sewing muss auch die so riesige wie berühmte Corporate Collection einen Beitrag leisten.

Dafür hat Friedhelm Hütte, seit mehr als dreißig Jahren versierter Chef der bankeigenen Kunstsammlung, jene Werke ausgesucht, die nicht mehr ins Profil passen. Jung, zeitgenössisch und wahrlich international muss Kunst heute sein, die die Bank ankauft. Und sie sollte aus Papier sein. Das erleichtert den Transport in die vielen Büros, in denen sie gezeigt wird.

Rund zwei Dutzend Kunstwerke der Klassischen Moderne und der Nachkriegs-Abstraktion wurden deshalb Ketterer zur Vermarktung übergeben. Mit Geduld beim Einholen der Gebote konnte Auktionator Robert Ketterer am Freitagabend die Schätzpreise der drei Hauptwerke glatt verdoppeln und verdreifachen.

Für die hoch aufgereckte Skulptur „Daphne“ von Renée Sintenis etablierte Ketterer gleich zu Beginn der Abendauktion einen neuen Weltrekord für ein Werk der Künstlerin, als der Hammer erst bei 370.000 Euro fiel (im Folgenden nennen wir stets die Hammerpreise). Die Käufer haben zu diesem noch zusätzlich eine Kommission zu entrichten.

Das Heiterkeit verbreitende Scheibenbild „Blau bewegt“ von Ernst Wilhelm Nay steigerte Ketterer in zügigen Schritten von 180.000 Euro auf 600.000 Euro netto hoch. Das außergewöhnlichste Bild der gesamten Einlieferung aus der Kunstsammlung der Deutschen Bank war das Großformat „Arbeitslose“ von Karl Hofer aus dem Jahr 1932. Wie aber gelangt ein sozialkritisches Werk in die Vorstandsetage einer Bank, die sich im Kreis der Führungsriege gern mit „neutraler“ Abstraktion umgab, wenn diese sich fortschrittlich zeigen will?

Für 600.000 Euro netto, ohne Kommission, bei Ketterer versteigert. Quelle: Ketterer Kunst; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Ernst Wilhelm Nay „Blau bewegt“

Für 600.000 Euro netto, ohne Kommission, bei Ketterer versteigert.

(Foto: Ketterer Kunst; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Das Gemälde „Arbeitslose“ schildert fünf deprimierte Männer im Wartestand in trüben Farben – kauernd unter kahlen Bäumen. Es wurde laut Ketterers Katalogeintrag 1986 in der Berliner Galerie Michael Haas angekauft. Auf Betreiben eines Beraters. Diesen Posten bekleidete damals nebenbei Klaus Gallwitz, von 1974 bis 1994 Direktor des angesehenen Städel Museums in Frankfurt.

Städel Museum hatte auf eine Schenkung gehofft

Klaus Gallwitz erkannte den kunsthistorischen Rang des Gemäldes und setzte alles daran, dass Hofers museales Vorkriegsbild von der Deutschen Bank angekauft wurde. Denn im Zweiten Weltkrieg hatte der Maler und Professor Karl Hofer sein Atelier verloren. Ein Feuer zerstörte sein dort eingelagertes Gesamtwerk. Darum schätzen Kenner die wenigen vor dem Krieg gemalten Bilder hoch ein.

Zwei Telefonbieter jagten den Hammerpreis auf 660.000 Euro hoch. Quelle: Ketterer VG BILD-KUNST
Karl Hofer „Arbeitslose“

Zwei Telefonbieter jagten den Hammerpreis auf 660.000 Euro hoch.

(Foto: Ketterer VG BILD-KUNST)

Direktor Gallwitz hatte aber auch gehofft, dieses Großformat werde dem Städel Museum eines Tages geschenkt werden. Doch es kam anders. Die Arbeitslosen, am Boden zerstörten Männer, zierten einen Speisesaal des Bankhauses. Und dort hat das sozialkritische Bild so manchen Mitarbeiter irritiert. Jetzt war einem Bieter am Telefon das museale Bild 660.000 Euro netto wert.

Die Deutsche Bank wollte in Europa einen niedrigen Millionenbetrag mit Kunstverkäufen erlösen. Und lieferte in diesem Sommer Aussortiertes bei Christie’s ein und bei Ketterer. In den USA war bereits vor einiger Zeit das große dreiteilige abstrakte Gemälde „Faust“ von Gerhard Richter für einen ungenannten, wohl achtstelligen Betrag in einem Privatverkauf abgegeben worden.

Ein großer Teil dieser Kunsteinnahmen soll dem aktuellen Kunst-Programm dienen. Das ist weltweit ausgerichtet und auf junge, noch preiswerte Kunst auf Papier konzentriert. Trotz der Abstoßung von einigen Kunstwerken aus den Anfangsjahren der 1979 gegründeten Corporate Collection bleibt die Firmensammlung der Deutschen Bank mit fast 60.000 Arbeiten in 900 Büros ein Schwergewicht.

Mehr: Deutsche Bank verkauft Teile ihrer Kunstsammlung – still und leise

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