
Wochenend-Newsletter: Taktieren mit dem Thermomix – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin,
lieber Leser,
mein siebenjähriger Sohn hat seit Kurzem einen großen Wunsch. Nein, er wünscht sich leider keinen Weltfrieden oder eine Teilnahme bei „Jugend forscht“, so eine Familie sind wir nicht. Er wünscht sich einen Thermomix, die berühmte Küchenmaschine des Herstellers Vorwerk. Genau genommen dessen neuestes, im April erscheinendes Modell, den sogenannten TM7.
Tatsächlich besitzen wir bereits einen Thermomix, allerdings ein älteres Exemplar, das ich nur sehr selten benutze. Mein Sohn eigentlich auch kaum – streng genommen kocht er nicht, sondern ernährt sich von Parmesan und Joghurt mit der Ecke.
Hätte er nicht auf einem Bild den TM7 gesehen. Dieser hat nämlich ein riesengroßes Display. Er sieht quasi aus wie ein iPad, das man vor einen Kochtopf getackert hat. Und da jedes Display meinen Sohn magisch anzieht, möchte er den TM7 anschaffen. Für 1549 Euro. Er könne den halben Kaufpreis auch nach und nach von seinem Taschengeld bezahlen, so sein Angebot.
Ich habe daraufhin die Bündnisgrüne herausgekehrt und ihm zu verstehen gegeben: Deine Investitionspläne in unsere Kücheninfrastruktur halte ich für leicht übertrieben, und dein Finanzierungsansatz macht mir Bauchschmerzen. Ich rechnete ihm vor, dass er bei seiner derzeitigen Einnahmesituation (ein Euro Taschengeld pro Woche) seine Thermomix-Schulden in etwa 15 Jahren abbezahlt hätte. Also zu einem Zeitpunkt, in dem er hoffentlich längst in seiner eigenen Küche koche.
Ich hatte damit gerechnet, dass mein Sohn daraufhin unsere Familienkoalition platzen lässt, sich also mit seinem Ecken-Joghurt in die Opposition verzieht. Stattdessen hat er mich mit etwas sehr Schlauem überrascht: Er hat mit seinem anderen Koalitionspartner, also meinem Mann, einen Plan entwickelt, wie sie mich überzeugen.
Der sieht so aus: Die beiden nutzen jetzt wieder besonders aktiv den alten Thermomix. Dabei lassen sie aber immer wieder fallen, welche meiner Lieblingsgerichte erst mit dem Neuen möglich wären. In den buntesten Farben malen sie mir eine Welt, in der nicht nur Milchreis und Pesto, sondern auch ein knuspriges Schnitzel aus dem Thermomix möglich wären. Intrinsische Motivation fördern, nennt man das wohl.
Überzeugt hat mich das noch nicht so richtig, sie könnten mir das Schnitzel ja auch einfach in einer Pfanne braten. Ich beobachte aber eine ähnliche Taktik derzeit bei Friedrich Merz. Der hat den bisher ja nicht gerade entflammten Grünen beim Stichwort Milliarden-Finanzpaket auch ausgemalt, was man bei diesem Investment mit mehreren Milliarden auch noch Tolles fürs Klima tun könnte.
So richtig überzeugt wirkten auch die Grünen lange nicht. Kurz vor Redaktionsschluss kam dann doch noch die Meldung, dass es eine Einigung gab. Vielleicht hat auch Friedrich Merz ihnen in buntesten Farben die zukünftige Alternative aufzeigt? Kein Schnitzel, nicht mal Milchreis oder Pesto, eher streiten um die letzten Joghurts mit der Ecke in der Opposition. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was mein Mann und Sohn mir heute Abend kochen.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende – hoffentlich auch dank unserer Leseempfehlungen,
Ihre
Charlotte Haunhorst
Head of Digital
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