Gen Z und Millennials: 50 Wochenstunden, kaum Urlaub – Wie Arbeitnehmer China erfolgreich machen
Shanghai. Eine Szene kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich an Chinas Gesellschaft denke. Es ist Samstagmorgen. Ich arbeite auch viel, aber ich nehme mir die Zeit, mit einer Tasse Kaffee auf den Stufen vor meinem Haus in Shanghai zu sitzen und die Sonnenstrahlen zu genießen.
Eine chinesische Nachbarin, sie ist wohl Ende 30, kommt gerade von ihrer ersten Erledigung zurück – sie hat ihren Sohn weggebracht, vielleicht zur Nachhilfe, zum Schwimmkurs oder zur Mathestunde. Sie grüßt, verschwindet im Haus und kommt wenig später zurück, mit Tüten in der Hand und ihrer Mutter im Schlepptau, die sie woanders hinfährt. So geht das Tag für Tag, von morgens bis abends, auch samstags und sonntags. Dieses China kommt kaum zur Ruhe.
Die Szene erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Wie sollte sie auch bei 1,4 Milliarden Chinesinnen und Chinesen? Aber sie ist auch keine Ausnahme. Viele Chinesinnen und Chinesen, die ich in Shanghai und anderen chinesischen Städten getroffen habe, sind ständig unterwegs, verplant, arbeiten hart und investieren ihre knappe Freizeit in Aktivitäten, die sie und ihre Kinder weiterbringen sollen: Nachhilfe, Mathe-Camps in den Ferien, Sport- und Musikunterricht, manchmal abends nach der Arbeit, am Wochenende.