Saudi-Arabien: Mohammed bin Salman baut das Königreich um – bei der Gen Z kommt das gut an
Riad. Die Überraschung gibt es gleich bei der Einreise am Flughafen von Riad. An den beiden Gepäckbändern stehen ungefähr ein Dutzend Frauen und warten auf ihr Gepäck. Keine Ausländerinnen, sondern Saudis. Manche haben Kinder im Schlepptau, andere sind solo unterwegs. Allein reisende Frauen? Vor Jahren noch undenkbar.
Anfang des Jahrtausends hatte das Königshaus damit begonnen, die rigorosen Vorschriften, die Frauen bei allem und jedem den Entscheidungen ihres Vormunds unterwarfen, zu lockern. Doch so richtig Schub bekamen die Lockerungen erst, als Kronprinz Mohammed bin Salman vor acht Jahren die Macht übernahm.
Der Kronprinz verordnete dem Land mit seiner „Vision 2030“ ein Reformprogramm: weg vom Öl, hin zu einer diversifizierten Wirtschaft, weg mit den alten Zöpfen der sozialen und kulturellen Konventionen, hin zu mehr Liberalität. Durchdekliniert von oben nach unten, eine Rosskur für das erzkonservative Königreich.
Den Vormund – den Vater, Bruder, Ehemann oder gar Sohn – gibt es für Frauen auch heute noch. Aber vieles können sie ohne seine Zustimmung tun: einen Pass beantragen, ab 21 Jahren allein reisen, Auto fahren, ein Taxi bestellen, ein Bankkonto und ein Geschäft eröffnen, an der Seite von Männern in einer Firma arbeiten, ins Kino gehen, Konzerte und Sportveranstaltungen besuchen. All das war ihnen einst aus angeblich religiösen Gründen verboten. Für die Frauen galt: Kinder, Küche, Moschee.