Nato: Bundeswehr-Team startet Erkundungsmission auf Grönland
Nuuk. Angesichts des Konflikts um US-Besitzansprüche auf Grönland beginnt für das Bundeswehr-Team auf der Arktisinsel eine europäische Erkundungsmission. Militärangehörige aus Deutschland sind am Donnerstag nach Grönland aufgebrochen. Dort sollen sie den Einsatz von Nato-Truppen erkunden.
„Wir haben uns nach weiteren Absprachen mit Dänemark entschieden, heute zunächst nach Dänemark zu fliegen“, teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag in Berlin mit. Die 15 deutschen Soldaten und weitere Militärangehörige aus anderen europäischen Staaten trafen am Freitagabend auf der weltgrößten Insel ein.
Am Mittwochabend hatte das Verteidigungsministerium noch einen Flug mit der A400M angekündigt. Verteidigungsminister Boris Pistorius verwies darauf, dass Russland und China die Arktis zunehmend militärisch nutzten und „damit die Freiheit der Verkehrs-, Kommunikations- und Handelswege infrage“ stellten. Die Nato werde dies nicht zulassen. „Entscheidend ist für mich, dass wir uns bei der gemeinsamen Erkundung in Grönland unter dänischer Führung innerhalb der Nato, insbesondere mit unseren US-Partnern, sehr gut abstimmen“, teilte Pistorius mit.
Ex-Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte indes davor, die USA zu unterschätzen, und forderte eine klare Reaktion der Nato und der EU auf die US-Ansprüche. US-Präsident Donald Trump drohte Ländern, die gegen sein Vorhaben eintreten, mit Zöllen. Am Nachmittag werden auf Grönland in mehreren Städten Demonstrationen gegen die US-Ansprüche erwartet.
Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Hoheitsgebiet Dänemarks. Trump hat wiederholt deutlich gemacht, dass sich die USA die größtenteils von Eis bedeckte Insel einverleiben wollen – was die meisten europäischen Nato-Partner vehement ablehnen.
Krisengespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland hatten kürzlich keine Annäherung gebracht. Trump argumentiert, Grönland müsse den USA gehören, damit nicht die Russen und Chinesen zusätzlich Einfluss in der Region gewinnen.
Deutschland und weitere europäische Nato-Mitglieder wollen nun für mehr Sicherheit auf der riesigen Arktisinsel sorgen. Unter anderem Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande schicken Teams.
Die Soldaten sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin Bedingungen für gemeinsame Militärübungen prüfen. Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit seinen Nato-Partnern dazu beitragen könne, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Das deutsche Team – 15 Männer und Frauen – besteht demnach aus Logistikern und Experten unterschiedlicher Bereiche.
Ex-Nato-Generalsekretär Stoltenberg sagte in einem Interview des „Spiegels“: „Dass die Vereinigten Staaten erklären, sie wollten die Kontrolle über Grönland übernehmen, müssen wir ernst nehmen.“ Spekulationen über die möglichen Beweggründe Trumps, die Insel annektieren zu wollen, lehnte er ab.
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„Ich nehme zur Kenntnis, was Trump und andere US-Vertreter sagen: Sie führen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten an, und manchmal reden sie von Bodenschätzen“, sagte der norwegische Finanzminister. „Ich kann bloß darauf verweisen und will nicht spekulieren, was potenzielle andere Gründe sein könnten.“
Klarheit von Nato und EU gefordert
Die Verteidigungsallianz Nato und die EU müssten nun mit Klarheit auf die Drohungen des US-Präsidenten reagieren. „Ich begrüße es, dass es klare gemeinsame Stellungnahmen gab – von den nordischen Staaten, von Deutschland, von anderen europäischen Staaten – dazu, dass Grönland zu Dänemark gehört und sie hinter Dänemark stehen“, sagte Stoltenberg. Man solle nicht über mögliche Konsequenzen spekulieren. „Das Wichtigste ist jetzt, weitere Maßnahmen zu verhindern.“
Das Nato-Gründungsmitglied Italien will keine Soldaten für die Erkundungsmission mit anderen europäischen Partnerstaaten abstellen. Verteidigungsminister Guido Crosetto sprach im Zusammenhang damit von einem „Witz“.
Zugleich stellte die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine eigene Arktis-Strategie vor. Meloni hatte in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass sie eine militärische Aktion der USA nicht unterstütze und eine solche in niemandes Interesse sei. Meloni gilt als Sympathisantin von US–Präsident Donald Trump und als eine seiner wichtigsten Verbündeten in Europa.