Morning Briefing: Zeitpunkt des Grönland-Einsatzes laut Pistorius nur „Zufall“
Grönland-Krise: Pistorius glaubt nicht an US-Annexion / Passives Einkommen: So wird der Traum wahr
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Passives Einkommen: Fallen diese beiden Wörter, geht für die meisten Menschen das Kopfkino los. Keine Termine mehr, nur noch das tun, worauf man gerade Lust hat, und das alles ohne die bange Frage: „Wer zahlt’s?“ Der Führungskräfte-Coach Valentin Haas kennt dieses Phänomen aus unzähligen Sitzungen:
Die gute Nachricht: Ein regelmäßiges, aus Kapitaleinkünften gespeistes Zusatzeinkommen muss keine Illusion bleiben, sondern ist vor allem eine Frage von Mathematik und Disziplin.
Die schlechte Nachricht: naja, das mit der Disziplin halt.
Denn jedes passive Einkommen setzt zunächst einmal Vermögen voraus, das durch Konsumverzicht und die richtige Investment-Strategie angespart werden muss. Anschließend kann dann die Auszahlungsphase beginnen, in der es vor allem auf zwei Dinge ankommt:
- Das Kapital soll einen möglichst hohen und gleichmäßigen Einnahmestrom generieren.
- Der Kapitalstock selbst soll dabei gar nicht oder möglichst langsam aufgebraucht werden.
Unsere Grafik zeigt, was möglich ist: Wer eine Million Euro angespart hat, kann sich inflationsbereinigt jeden Monat 2000 Euro auszahlen und wird nach 30 Jahren immer noch über eine Million Euro übrig haben – wenn das Kapital eine Durchschnittsrendite nach Steuern und Kosten von 3,5 Prozent erzielt. Unseren Freitagstitel zum Thema lesen Sie hier.
Anhand von vier konkreten Strategien, die sich untereinander auch kombinieren lassen, zeigt das Handelsblatt-Geldanlageteam zudem auf, wie sich gleichmäßige Ausschüttungen mit hohen Renditen kombinieren lassen, nämlich durch:
- Anleihen,
- Dividendenaktien,
- ausschüttende ETFs oder aktiv gemanagte Fonds
- und, das war neu für mich: mit Call-Optionen auf den eigenen Aktienbestand.
Pistorius: Grönland-Einsatz „zeitlicher Zufall“
Angesprochen auf die gestrige Entsendung von rund einem Dutzend deutscher Soldaten nach Grönland hat Verteidigungsminister Boris Pistorius am Abend in der ARD gesagt, dies sei „ein zeitlicher Zufall“:
„Das ist ja schon deshalb Zufall, weil wir, als wir die Planung dafür aufgesetzt haben, noch gar nicht wissen konnten, erstens, dass das Gespräch am Mittwoch stattfindet und wie es ausgehen würde.“
Am Mittwoch war es zu einem ergebnislosen Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland gekommen. Nahezu zeitgleich hatte die Bundesregierung den Grönland-Einsatz der Bundeswehr bestätigt. Wenn das wirklich Zufall war, dann auf jeden Fall einer von – Achtung Wortspiel – extremer Sym-Pol-Kraft.
US-Präsident Donald Trump hat wiederholt erklärt, die USA müssten Grönland für die eigene Sicherheit besitzen, und militärische Gewalt dabei nicht ausgeschlossen.
Im ZDF erklärte Pistorius gestern, er rechne nicht mit einer Annexion Grönlands durch die USA. „Ich sehe nicht, dass es zu einer solchen Aktion kommt“, sagte der SPD-Politiker, und fügte hinzu:
Die Hintergründe zur Grönland-Krise können Sie hier nachlesen.
Debatte um deutsche Atomwaffen
Angesichts der Unsicherheit über die Bündnistreue der USA ist in Deutschland eine neue Debatte über Kernwaffen entbrannt. Die Vizechefin der SPD-Bundestagsfraktion, Siemtje Möller, sagte dem Handelsblatt, sinnvoll und notwendig sei eine „ernsthafte Debatte darüber, inwieweit die französischen und britischen nuklearen Fähigkeiten künftig im Rahmen einer gemeinsamen europäischen Abschreckung genutzt werden können“. Wer von einer erweiterten Abschreckung profitieren wolle, müsse sich allerdings auch beteiligen.
Von den Sozialdemokraten kommen aber auch ablehnende Stimmen. Die „irrlichternde Außenpolitik“ der USA dürfe „nicht als Begründung dafür herhalten, einer nuklearen Aufrüstung das Wort zu reden“, so der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner.
Der Völkerrechtler und ehemalige Verfassungsrichter Andreas Paulus sagt im Handelsblatt-Interview:
Einigung auf neue Gaskraftwerke
Die Bundesregierung hat sich nach Angaben von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit der EU-Kommission auf die Grundzüge einer Kraftwerksstrategie geeinigt. Der Verständigung zufolge sollen mit Zuschüssen des Bundes steuerbare Stromerzeugungskapazitäten mit einer Leistung von zwölf Gigawatt (GW) entstehen. Sie sollen vor allem dann schnell einspringen, wenn Wind und Sonne nicht genug Energie hergeben.
Zehn GW sind für Gaskraftwerke vorgesehen, weitere zwei GW stehen auch für andere Technologien offen, also etwa Energiespeicher. Die Umstellung der Kraftwerke von Erdgas auf Wasserstoff will die Bundesregierung gegenüber dem früheren Konzept der Ampel-Koalition deutlich nach hinten schieben. Alle geplanten Kraftwerke sollen aber grundsätzlich für den Betrieb mit Wasserstoff geeignet sein.
Haushaltsausschuss bremst Ministerin aus
Ein Kernprodukt des Haushaltsausschusses ist seit jeher die Demut. Die Parlamentarier sind sehr geübt darin, dieses Gefühl bei jenen Ministerinnen und Ministern zu erzeugen, die allzu stürmisch nach Geld aus dem Bundeshaushalt verlangen. Das bekam in dieser Woche Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) zu spüren.
Sie muss weiter darauf warten, dass der Haushaltsausschuss Mittel in Milliardenhöhe für Zukunftsprojekte ihres Hauses freigibt. Zur Begründung hieß es beim Ausschuss, die vorgesehenen Projekte seien nicht ausreichend mit Konzepten hinterlegt.
Unter anderem hatte das Bär-Ministerium 3,5 Milliarden Euro beantragt, um damit in Deutschland die Grundlagen für das erste Fusionskraftwerk weltweit zu legen. Das Ministerium hat zu diesem Zweck drei Forschungshubs ausgeschrieben. Offenkundig haben die Haushälter davon aus den Medien erfahren, was bei den Parlamentariern traditionell zu starken Abstoßungsreaktionen führt.
Auch wollte die Ministerin 100 Millionen Euro für eine „Hyperloop“-Teststrecke erhalten, auf der Kapseln als Transportmittel unterirdisch durch Röhren schießen sollen. Für dieses Projekt fehlte den Abgeordneten ebenfalls ein ausreichender Plan.
Für andere Projekte gab es die Freigabe. Dazu zählt die Förderung eines Superrechenzentrums für Künstliche Intelligenz. Geld gibt es auch für das „1000-Köpfe-Programm“, mit dem die Regierung Topwissenschaftler aus aller Welt nach Deutschland locken will.
Eis-Archiv in der Antarktis
In der Antarktis hat ein internationales Forscherteam das nach eigenen Angaben erste Schutz-Archiv für Gletschereis eröffnet. Ziel des Vorhabens ist es, Proben der vom Klimawandel bedrohten Gletscher für die Nachwelt zu bewahren. Als Erstes zogen in die minus 51 Grad Celsius kalte Höhle zwei Eiskerne aus den Alpen ein. Proben aus den Anden, dem Pamir und dem Kaukasus sollen folgen.
Ich persönlich fände es sinnvoll, das Archiv um Exemplare der Eisspezialitäten Dolomiti, Brauner Bär und Flutschfinger zu erweitern. Dies könnte späteren Generationen dereinst wichtige Hinweise auf die Ernährungsgewohnheiten mitteleuropäischer Kinder in den 70er und 80er Jahren liefern.
Ich wünsche Ihnen einen süßen Wochenausklang.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt