Essay: Die Erfolgsformel des Donald Trump
„Das Einzige, was mich stoppen kann, ist meine eigene Moral.“ Ein Satz wie ein Fanal, ein Satz absolutistischen Ausmaßes, der sich irgendwo zwischen Selbstsucht, Hybris und Größenwahn verorten lässt und dennoch einen wahren Kern enthält.
Donald Trump hat ihn kürzlich so formuliert. Und wer wollte bezweifeln, dass dieser Satz ganz gut das umschreibt, was Amerikanerinnen und Amerikanern sowie dem kleinen Rest der Welt in diesem ersten Jahr seiner zweiten Präsidentschaft widerfahren ist.
Trump selbst sieht sich in einer Kategorie mit den Säulenheiligen der amerikanischen Geschichte, mit George Washington oder auch Abraham Lincoln. Er, der für sich beansprucht, die USA in ein „goldenes Zeitalter” zu führen, berauscht sich spätestens mit seinem Venezuela-Coup an seiner Macht. Und selbst seine größten Kritiker können kaum bezweifeln, dass er schon jetzt als einer der wirkmächtigsten Präsidenten der 250 Jahre alten Demokratie gelten kann.
All jene, die ihn als intellektuelles Leichtgewicht abqualifizierten, seinen mangelnden Anstand beklagten oder seinen naiv anmutenden Politikstil belächelten, müssen eingestehen: Es war nicht zuletzt die überhebliche Empörung des elitären Establishments, aus der Trump seine ganze Kraft schöpfte.