Verkaufsausstellung: Hamburg blickt in die Zukunft
Hamburg. Welche jungen Künstler werden uns künftig in ihren Bann ziehen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Kunstsammler und Investoren. Auch Galeristen gehen natürlich immer wieder auf Entdeckungstour. Wo aber ist die demnächst relevante Kunst zu sehen? Die Kunst, die noch nicht etabliert ist, aber vielleicht kurz vor ihrem Durchbruch steht?
Fern aller Epizentren der deutschen Kunstwelt wie dem Rheinland oder auch Berlin versucht das jährlich der „Salon der Gegenwart“ in Hamburg herauszufinden. In diesem Jahr hat er sein 15-jähriges Jubiläum.
Die Orte, an denen die Ausstellung stattfindet, wechseln immer mal wieder. Es sind meist großflächig leer stehende Gebäude, die der Immobilienmakler Christian Holle zusammen mit seiner Frau Margarita eine Woche lang mit Kunst belebt. Beide haben den Salon der Gegenwart für Hamburg ins Leben gerufen, weil sie fanden, dass in der Hansestadt zeitgenössische Kunst noch immer zu wenig Öffentlichkeit bekommt.
Christian und Margarita Holle verstehen sich nicht als Kunstsammler. Er nennt ihre gemeinsame Kollektion mit gezieltem Understatement sogar nur eine „Ansammlung“. Weil sich die beiden aber nicht einfach auf ihren Geschmack und ihr Auge verlassen wollten, haben sie sich eine Methode überlegt, mit der sie zukunftsfähige Kunst entdecken können.
Und auf der „Art Cologne“ Anfang November fanden sich beide Holles mit ihrem Ansatz erneut bestätigt. Ohne genau nachgezählt zu haben, konnten sie über 60 Künstler in den Kojen der Galerien finden, die sie selber zuvor schon ausgestellt hatten. Keine schlechte Quote bei insgesamt gut 500 Künstlern, die über die vergangenen 15 Jahre gezeigt wurden, findet Christian Holle.
Jedes Jahr schreibt das Ehepaar gut 60 Professorinnen und Professoren von Kunsthochschulen an, die ihren Schwerpunkt im Bereich der Malerei haben. Ungefähr 40 antworten regelmäßig und folgen der Bitte, jeweils ihre talentiertesten drei bis vier Studierenden zu nennen. Die besucht Christian Holle dann in einer Tour durch Deutschland in den Ateliers und entscheidet, wer mit welchen Arbeiten in die Ausstellung kommt. Sein Kriterium ist die Vielfalt, und genau das spiegelt der Salon der Gegenwart wider.
Die aktuelle Ausgabe findet in der „Kleiderkasse“ in Altona statt. Hier wurden für die Bahnangestellten ehedem die Uniformen ausgegeben. Das von wenig charmanten Neubauten umlagerte alte Gebäude mit seinem innen freigelegten Backsteinmauerwerk steht schon länger leer.
Auf 650 Quadratmetern sind hier im Erdgeschoss 31 Werke und kleinere Werkgruppen ausgestellt. Im nächsten Stockwerk fächert die Ausstellung dann die Geschichte des Salons auf und präsentiert Arbeiten aus den vergangenen 15 Jahren. Das ist eine Ausnahme anlässlich des Jubiläums. Denn eigentlich gehört es zu den Prinzipien des Salons, jeden Künstler nur einmal auszustellen.
Und im dritten Stockwerk hat, ganz unspektakulär, das Lager sein Domizil. Auf der Glastür klebt ein handbeschriebener Zettel mit dem Hinweis „Lager für verkaufte Werke“.
Die Preise sind alle moderat, seine Salon-Aktivitäten bündelt das Ehepaar in einer gGmbH. Alles fließt, so Christian Holle, zu 100 Prozent den Kunstproduzenten zu, für die wenige Tausend Euro Verkaufserlös schon mal einige Monatsmieten bedeuten können. Meist werden mehr als die Hälfte aller Werke verkauft und damit ein Umsatz generiert, von dem Christian Holle meint, dass er höher sei als bei so manch einer der Hamburger Galerien. Und damit die Künstler auch nachhaltig mit ihrem Ausstellungsbeitrag für sich werben können, gibt es einen edlen Katalog.
Auszustellen mit lauter No-Names ist schwierig. Deswegen holen die Holles immer einige arrivierte Positionen dazu. Dieses Jahr steht unter anderem ein Werk von Gerhard Richter aus einer Hamburger Sammlung zum Verkauf, das der Künstler 1963 malte und auf dem die Hamburger „Alster“ zu sehen ist. Ergänzt wird diese Arbeit von einem Markus-Lüpertz-Bild und einer romantischen Landschaft von Friedrich Kunath, auf die er mit schwarzen Großbuchstaben „Your Fault“ geschrieben hat. Und schon ist die Gruppenausstellung der Akademieabsolventen durch einige große Namen der Kunst nobilitiert, die wie selbstverständlich in die Ausstellung integriert sind und die gerade entstandenen Bilder der nächsten Generation mittragen.
Und es gibt dieses Jahr neben der Rückblickschau noch eine weitere Ausnahme: eine Party, auf der über 140 Künstler anwesend sein werden. Zugesagt haben auch einige Museumsmanager. Und weil solche Events auch immer Galeristen und Sammler anlocken, dürfte die Veranstaltung in den Räumen der Kleiderkasse wie ein Messe-Event wirken.
Ein Gesprächsthema könnte dabei sein: Wer von den Akademieabsolventen wird den Weg in den Kunstmarkt schaffen und wer wieder von der Bühne verschwinden? Die nächsten Kunstmessen werden es zeigen.
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