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GalerienNoch lange nicht in Sicht

Warum gibt es in der reichen Stadt Hamburg eigentlich keine internationale Kunstmesse? Die Frage kursiert mit schöner Regelmäßigkeit in der Galerien- und Händlerszene.Frank Kurzhals 10.10.2025 - 09:29 Uhr Artikel anhören
Werner Gilles: Das Gemälde „Sant’Angelo Bucht, Ischia“ des Bauhaus-Schülers ist bei Thole Rotermund zu sehen, der während des Galerienwochenendes bei Le Claire gastiert. Foto: © Thole Rotermund, Hamburg

Hamburg. Hamburg ist mit seinen gut 1,8 Millionen Einwohnern nicht nur die zweitgrößte Stadt Deutschlands, sie hat auch die meisten Einkommensmillionäre, viele davon interessieren sich für Kunst und Kultur.

Erst kürzlich hat der Milliardär Klaus-Michael Kühne, Hamburger mit Wohnsitz in der Schweiz, seiner Stadt für mehrere Hundert Millionen Euro ein neues Opernhaus als Geschenk angeboten. Die Stadt hat sich mit der Kühne-Stiftung über einen „Neubau von Weltrang“ geeinigt. Wenn alles glattgeht, wonach es allerdings gerade nicht aussieht, weil kritische Stimmen immer lauter werden, wird 2030 mit dem Bau begonnen. Nach der Elbphilharmonie, die anfänglich mit 77 Millionen Euro geplant war und dann 866 Millionen kostete, wäre das ein nächster städtebaulicher Leuchtturm. Dagegen ist die 15-Millionen-Euro-Spende aus der Hamburger Alexander-Otto-Stiftung wenig. Mit dem Geld wurde 2014 die Kunsthalle modernisiert, und es war bitter nötig. Die Relation macht deutlich, wo in Hamburg der Schwerpunkt liegt – nicht auf der bildenden Kunst. Und so gibt es dort auch keine Kunstmesse von internationalem Rang.

2021 wollte die „Paper Positions“ mit einer vermeintlich attraktiven Gruppenausstellung von 19 Hamburger Galerien Sammler nach Norddeutschland locken. Doch weder der erste noch der zweite Versuch im Folgejahr, jetzt in einem aufgelassenen Kaufhaus, fruchteten. An die große Berliner Paper Positions kam die Hamburger Variante bei Weitem nicht heran. Die „Affordable Art Fair“ hat es dagegen geschafft, sich in Hamburg durchzusetzen. Vom 13. bis zum 16. November findet sie auch dieses Jahr wieder statt. Mit 85 angekündigten Teilnehmern zeigt sie in einer der Messehallen moderne und zeitgenössische Kunst. Keines der angebotenen Werke kostet mehr als 10.000 Euro. Schnäppchen gibt es dort allerdings nicht, auch wenn das anders kommuniziert wird. Die meisten Angebote würden es auch kaum auf eine Messe mit hohem internationalen Anspruch wie auf die am 16. Oktober beginnende „Highlights“ in München schaffen. Aber erst damit wäre Hamburg auf Leuchtturmniveau.

Franz von Stuck: Das Münchener Auktionshaus Karl & Faber zeigt auf der „Kunst am Rothenbaum“ das „Damenbildnis à la japonaise“ des Malers, das Mitte November bei 30.000 Euro aufgerufen wird. Foto: © Karl & Faber, München

Auch der Hamburger Galerist Hidde van Seggelen kann sich auf das Fehlen einer Messe keinen Reim machen. Durch seine langjährige Arbeit als Chairman bei der „Tefaf“ in Maastricht hat er viel Erfahrung gesammelt. Der Brexit brachte ihn dazu, seine Galerie von London nach Hamburg zu verlegen. Er hätte auch nach Paris oder Berlin gehen können. Hamburg reizte ihn, auch privat, am meisten. Und damit begann er sich auch zu fragen, warum es hier keine große Messe gibt. Vielleicht könnte Hamburg, überlegt er mit aller Vorsicht, nach dem Vorbild der „Artzuid“ in Amsterdam mit einer klug kuratierten Skulpturen-Biennale Aufmerksamkeit auf sich lenken. Daran ließe sich eine Leistungsschau der Galerien und Händler anschließen und vielleicht irgendwann eine Messe von Relevanz.

Inkubatoren gibt es in Hamburg bereits seit Längerem. Der Verein „Neue Kunst in Hamburg“ hat regelmäßig ein gutes Händchen für junge Kunst. Auch Privatsammler zeigen dort immer mal wieder ihre Werke. Etwa der Anwalt Christoph Seibt, der 2022 mit seiner Sammlung von Minimal Art höchst qualitätvoll das ganze Bucerius Kunst Forum im Zentrum der Stadt bespielen konnte. Die Kunsthochschule hat ebenfalls ein engagiertes Programm und renommierte Professoren. Die kritische Masse hat die Stadt schon längst erreicht, aber der Katalysator fehlt.

Marie de Villepin Ihr 2024 entstandenes Werk „I Ain’t Where I think I Am“ präsentiert die Galerie Melbye-Konan. Foto: © Galerie Melbye-Konan, Hamburg

Mittlerweile gibt es immerhin Initiativen, aus denen sich solch eine Zündkraft entwickeln könnte, beispielsweise den Rundgang „Kunst am Rothenbaum“. Galerien, die im Stadtviertel liegen, haben sich zusammengeschlossen, um ein Gallery Weekend en miniature anzubieten. Vom 10. bis zum 12. Oktober öffnen sie ihre Ausstellungsräume. Hidde van Seggelen gehört ebenso dazu wie die Galerie Melbye-Konan, die sehr erfolgreich Kunst aus Afrika als Schwerpunkt zeigt. Bei Le Claire gibt es Werke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert zu kaufen, und wer seine Galerie nicht im Viertel hat, kann als Gast dazustoßen. So hat Thole Rotermund bei Le Claire für das lange Wochenende Unterschlupf gefunden und präsentiert von August Macke bis zu Theodor Lux Feininger ein exquisites Angebot. Auktionshäuser wie Karl & Faber zeigen, was bei ihnen auf den kommenden Auktionen versteigert wird.

Aber die Hamburger Galerien haben noch nicht zu einem Miteinander gefunden. Das Galerienhaus auf der Fleetinsel im Herzen der Stadt vereint so illustre Namen wie die Produzentengalerie, die Galerie von Andrée Sfeir-Semler, die auf der diesjährigen „Art Cologne“ als Preisträgerin gekürt wurde, und die Galerie von Holger Pries und Matthias Güntner. Hier gibt es aber ganz eigene Events, die nicht mit den anderen synchronisiert sind. Besonders zukunftsorientiert ist aus diesem Kreis Luise Nagel von der Produzentengalerie. Wohl auch, weil sie zeitgleich Vorstandssprecherin des Landesverbands Hamburger Galerien ist. Herauszuhören ist bei ihr, dass konzertierte Aktionen im kommenden Jahr stattfinden könnten und das Nebeneinander der Händler und Galerien nun endlich ein Miteinander werden kann.

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Eine Messe ist aber wohl noch nicht in Sicht. Denn hanseatische Galerien sind vorsichtig: Risiko minimieren, langsam wachsen, aus Fehlern anderer lernen und wenig Geld ausgeben, lauten hier die Devisen. Alles hanseatische Tugenden, jedenfalls dem Klischee nach. Dafür wird auf Bewährtes zurückgegriffen. Nach dem Berliner Vorbild soll etwas zwischen Art Week und Gallery Weekend entstehen. Aber bis aus den Anstrengungen ein veritabler Leuchtturm geworden ist, muss wohl noch sehr viel Wasser die Elbe herunterfließen.

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