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Partytourismus Coronakrise auf Mallorca: Steht der Ballermann vor dem Aus?

Ohne feierwütige Urlauber fehlen den Ballermann-Wirten die Einnahmen. Sollten die großen Player in die Knie gehen, könnte es um die Partymeile geschehen sein.
24.04.2020 - 13:27 Uhr Kommentieren
Die Tanzflächen der Partytempel Mallorcas werden wohl lange geschlossen bleiben. Quelle: Michael Wrobel für Handelsblatt
„Megapark“ im Normalzustand

Die Tanzflächen der Partytempel Mallorcas werden wohl lange geschlossen bleiben.

(Foto: Michael Wrobel für Handelsblatt)

Palma de Mallorca Eigentlich wäre am Ballermann jetzt der Teufel los: Am dritten April-Wochenende wären Tausende feierwütige Urlauber zum Opening in die Diskothek „Bierkönig“ an die Playa de Palma gekommen und hätten damit den Startschuss für die neue Saison auf Mallorca gegeben. In den Partytempeln würden Schlagerstars wie Jürgen Drews oder Mickie Krause seither den deutschen Touristen einheizen. Eigentlich.

Doch die Coronakrise hat die Party-Community ausgebremst. Am Ballermann herrscht gespenstische Stille statt Feierlaune. Für die Wirte an der Playa bedeutet das den wirtschaftlichen Totalausfall. Wann dort wieder die Kassen klingeln und Lautsprecher wummern werden, kann niemand sagen.

In Spanien und damit auch auf Mallorca wurde schon am 15. März eine strikte Ausgangssperre verhängt. Seitdem dürfen die Menschen nur noch zum Einkaufen, Arbeiten oder für Arztbesuche das Haus verlassen. Flughäfen und Häfen sind dicht. Kaum einer kommt noch raus, geschweige denn rein.

Mallorcas kompletter Tourismus ist auf Null runtergefahren – auch abseits der Partymeilen. Frühestens im August könnten einzelne Hotels wieder öffnen, ließ der balearische Tourismusminister Iago Negueruela jüngst verlauten. Vorausgesetzt, dass sich die Lage bis dahin weiter entspannt hat.

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    „Für alle Geschäftstreibenden an der Playa ist das eine Katastrophe“, zitieren lokale Medien einen Sprecher der Party-Location „Megapark“. Auch dort wurde das große Opening abgesagt, das am 10. Mai stattfinden sollte.

    Selbst wenn der Insel-Tourismus in den nächsten Wochen wieder langsam hochgefahren werden sollte: Die Tanzflächen der Großraum-Partytempel würden auch dann wohl leer bleiben. Denn Großveranstaltungen wird es in absehbarer Zukunft auch auf Mallorca nicht geben – aus gutem Grund.

    Der um diese Zeit sonst belebte Ballermann steht 2020 still. Quelle: Michael Wrobel für Handelsblatt
    Menschenleere Partymeile

    Der um diese Zeit sonst belebte Ballermann steht 2020 still.

    (Foto: Michael Wrobel für Handelsblatt)

    Gar nicht auszudenken, wäre die Corona-Pandemie erst in der Hochsaison ausgebrochen: Es wäre ein rauschendes Fest am Ballermann geworden – vor allem für Covid-19. Das Virus hätte sich rasend schnell unter den Tausenden Partyurlaubern verbreitet.

    Noch vor Ende der Inkubationszeit wären die vielen Besucher zurück in ganz Deutschland gewesen – und hätten das Virus bis in den letzten Winkel der Republik verteilt. Der österreichische Skiort Ischgl hat im März gezeigt, welche Folgen Fahrlässigkeit in Pandemie-Zeiten haben kann. Mallorca wäre vermutlich eine noch viel schlimmere Virenschleuder geworden.

    Dass dieses Schreckensszenario nicht eingetreten ist, hat auch mit der schnellen Reaktion der örtlichen Verantwortlichen zu tun. Die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol hatte bereits früh die Balearen abgeschottet und so die Insellage von Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera genutzt, um eine Ausbreitung des Virus auszubremsen. Und das mit Erfolg: Die Balearen gehören zu jenen Regionen Spaniens, die bislang die wenigsten Coronafälle verzeichnen.

    Auf dem Festland sieht es völlig anders aus. Spanien gilt als ein Epizentrum der Pandemie. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat den Alarmzustand in seinem Land auch deshalb kürzlich noch einmal bis zum 10. Mai verlängert. Parallel wird in der Politik aber bereits über den zukünftigen Umgang mit Touristen diskutiert.

    Kaum einer kommt noch raus, geschweige denn rein. Quelle: Michael Wrobel für Handelsblatt
    Leergefegter Flughafen

    Kaum einer kommt noch raus, geschweige denn rein.

    (Foto: Michael Wrobel für Handelsblatt)

    Tourismusminister Reyes Maroto verkündete, dass der neue Ferienalltag auf jeden Fall durch soziale Distanz, Limits für Menschenansammlungen und Hygiene geprägt sein müsse. Im Raum steht zudem ein Vorschlag, wonach in dieser Saison keine ausländischen Urlauber ins Land kommen dürfen.

    Für Mallorca würde dies die zweite Katastrophe bedeuten. Denn der Wegfall der Urlauber vor allem aus Deutschland und Großbritannien ließe sich durch spanische Urlauber kaum kompensieren. Besonders hart treffen würde es dabei die Playa de Palma. Denn seit Jahrzehnten scheuen spanische Urlauber die deutschen Hotspots rund um den Ballermann wie der Teufel das Taufwasser.

    Traum vom Hochglanz-Tourismus

    Bedeutet das Coronavirus den Todesstoß für den Ballermann? Viele befürchten, dass Mallorcas Politik die Situation nutzen könnte, um die Playa de Palma von Grund auf zu verändern. Schon seit Jahrzehnten versucht man mit immer neuen Auflagen, Benimmregeln und anderen Beschränkungen dem unliebsamen Sauftourismus den Garaus zu machen. Und das könnte nun schneller gelingen, als man noch vor kurzem gehofft hatte.

    Auf der Insel wird seit geraumer Zeit der Traum von der Playa de Palma als das neue Miami Beach geträumt. Vor einigen Jahren wurde dazu die Vereinigung „Palma Beach“ gegründet, zu der mehrere Gastronomen und Hoteliers gehören.

    Die Partyliga an der Playa ist den Vorreitern eines neuen, hochwertigen Mallorca-Tourismus ein Dorn im Auge. Sollten die großen Störenfriede Bierkönig und Megapark, die von offizieller Seite für den Sauftourismus verantwortlich gemacht werden, wegen der Coronakrise in die Knie gehen, wäre ein kompletter Neuanfang nach dem Lockdown womöglich einfacher.

    Tourismus auf Null runtergefahren – auch abseits der Partymeilen. Quelle: Michael Wrobel für Handelsblatt
    Innenstadt von Palma

    Tourismus auf Null runtergefahren – auch abseits der Partymeilen.

    (Foto: Michael Wrobel für Handelsblatt)

    Zuletzt hatte der Bierkönig viel Geld in die Hand genommen, um mit Investitionen das Lokal zu renovieren. Und bei der Grupo Cursach, zu der der Megapark gehört, lief zuletzt einiges nicht wie geplant. Nach Ermittlungen gegen deren Chef Bartolomé Cursach, unter anderem wegen Bestechung, organisierter Kriminalität, Erpressung und Steuerbetrugs, war der Megapark 2018 per Behördenverfügung halbiert worden.

    Andere Etablissements des „Paten von Mallorca“ sind schon länger geschlossen, darunter die Fitnesscenterkette Megasports, das legendäre Riu Palace oder das Grillrestaurant Asadito. Da schmerzt es jetzt besonders, dass mit dem aktuell geschlossenen Megapark auch noch Cursachs Gelddruckmaschine stillsteht.

    Und ob sie jemals wieder anspringt, weiß momentan niemand. Sollte die sozialistische Regierung – aus welchen Gründen auch immer – Mittel und Wege finden, den beiden großen Unternehmen finanzielle Hilfen zu verwehren, dann sähe es wirklich düster aus. Wie lange Megapark und Bierkönig den Stillstand dann aushalten, ist ungewiss.

    Groß und Klein vor dem Aus

    Eines ist aber sicher: Sollten die beiden Großen untergehen, würden sie zahlreiche andere mitreißen. Denn die vielen kleineren Restaurants, Bars, Supermärkte und Straßenhändler können nur existieren, weil es die großen Zugpferde gibt. Und die meisten Kleinen haben nach dem Winter noch weniger Rücklagen als die Betreiber der Partytempel.

    Vor dem Aus würden bei einem Untergang des Ballermanns auch die vielen Schlager-Sänger der Szene stehen. Die meisten von ihnen verdienen derzeit kaum etwas. Wer kann, kehrt in seinen eigentlichen Beruf zurück oder hält sich mit anderen Jobs über Wasser. Die Megapark-Sängerin Ina Colada etwa arbeitet jetzt als Teilzeit-Spargelstecherin.

    Wann die Kassen wieder klingeln, weiß derzeit niemand. Quelle: Michael Wrobel für Handelsblatt
    Strand geschlossen

    Wann die Kassen wieder klingeln, weiß derzeit niemand.

    (Foto: Michael Wrobel für Handelsblatt)

    Auch viele Hotels an der Playa leben von den Partyurlaubern. Die meisten haben ihre Mitarbeiter bereits entlassen oder in Kurzarbeit geschickt. Insgesamt rechnet die Balearenregierung mit einem Rückgang des Bruttosozialprodukts auf den Inseln in allen Bereichen der Wirtschaft von rund 31 Prozent. Das würde einen Verlust von etwa 30 Prozent der Arbeitsplätze bedeuten, mehr als 147.700 Stellen dürften im Zuge der Krise verloren gehen.

    Beruhigen will da Juan M. Ferrer, Chef der Unternehmervereinigung „Palma Beach“. Er glaubt, dass die Playa durch die Investitionen in Restaurants und Hotels gut vorbereitet sei auf das, was da kommen mag. „2020 wird sehr, sehr schwer werden. Aber wenn man 2021 wieder reisen kann und es Gesundheitskontrollen am Flughafen gibt, könnte die Saison so werden wie 2019 oder 2018 – mit einem Minus zwischen zehn und 20 Prozent.“ Verändern wird sich die Playa auf jeden Fall. In welche Richtung, weiß heute noch niemand.

    Mehr: Exzesse vor der Kamera: Ein Tiroler Fotograf hält Ischgl den Spiegel vor

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