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Wasserspiele Dieses Unternehmen baut Riesen-Springbrunnen in Weltrekordgröße

Oase ist mit privaten Gartenteichen und Aquarien groß geworden. Jetzt baut das Unternehmen aus Hörstel weltweit Anlagen mit riesigen Ausmaßen.
05.01.2020 - 14:10 Uhr 1 Kommentar
In Singapur gestaltete das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen das Spektakel „Crane Dance“. (Foto: Oase)
Tanz der Kräne

In Singapur gestaltete das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen das Spektakel „Crane Dance“.

(Foto: Oase)

Düsseldorf Vor gut drei Jahren war Thorsten Muck sich nicht sicher, ob er ein Geschäftsführer-Angebot inklusive Aussicht auf den CEO-Sessel in der Kleinstadt Hörstel annehmen sollte. „Ich kam ja aus einer Art Schöner-Wohnen-Welt“, sagt Muck, der zuvor drei Jahre lang Chef des Designmöbel-Herstellers Thonet war. Mittlerweile ist Muck tatsächlich CEO bei Oase.

Das Unternehmen baut und vertreibt Produkte zur Gestaltung mit Wasser. Diese neue Welt im Tecklenburger Land wirkte mit all ihren Pumpen, Filtern und dem Teichzubehör doch sehr technisch. Heute weiß Thorsten Muck: „Ich habe mich noch nie in meinem Leben so geirrt.“ 

Vorher führte der 52-Jährige den inspirierenden deutschen Möbelhersteller Thonet, der in seiner mittlerweile 200-jährigen Firmengeschichte mit Designklassikern nur so um sich warf. Auch als Chef der deutschen Vertriebstochtergesellschaft von Erco, einem der führenden Spezialisten für Architekturbeleuchtung, spielten Emotionen und Design eine große Rolle, wenn zum Beispiel in Berlin das Brandenburger Tor oder das Bundeskanzleramt ins rechte Licht zu rücken war. 

Nun also Oase, das 1949 als Reparaturwerkstatt für Landmaschinen gestartet war? Muck weiß heute, dass er den richtigen Schritt getan hat, „ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich in einem hoch emotionalen Unternehmen arbeite“.

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    Nicht die Pumpen und Filter sind so gefühlsbetont, sondern das, was daraus entstehen kann: Leuchtturmprojekte wie etwa die Wasserspiele in Bukarest, eine riesige Fontänenanlage mit der Weltrekordlänge von 1,4 Kilometern und einer Gesamtfläche von 12.000 Quadratmetern. Zur Eröffnung im Jahr 2018 spielten auf dem Vereinigungsplatz der rumänischen Hauptstadt die Bukarester Symphoniker auf, 35.000 Menschen, sagt Muck mit glänzenden Augen.

    Der CEO führte unter anderem den Möbelhersteller Thonet. (Foto: Oase)
    Thorsten Muck

    Der CEO führte unter anderem den Möbelhersteller Thonet.

    (Foto: Oase)

    Auch den mit 26,02 Meter weltweit höchsten Wasservorhang im chinesischen Suzhou City, die Multimedia-Fontänenanlage vor den Petronas Towers in Kuala Lumpur oder eine Installation an der Banpo Bridge in Seoul, sämtlich weitere Oase-Projekt der Superlative, könnte man nun unter der Kategorie Imagegewinn verbuchen. Schließlich sind Teiche in heimischen Gärten und Aquarien in den Wohnzimmern nach wie vor das Kerngeschäft des nordrhein-westfälischen Unternehmens.

    Muck hält mit Zahlen dagegen: „Wir machen rund 170 Millionen Euro Umsatz im Jahr, das Fontänengeschäft steuert 30 Millionen bei“, sagt der CEO. Allein das Bukarest-Projekt hatte ein Volumen von 6,5 Millionen Euro.

    Hier hat sich bei Oase ein eigenständiger Unternehmensbereich entwickelt, der aber nur so erfolgreich sein kann, weil Muck ein bewährtes Geschäftsprinzip übertragen hat: „Wenn wir eine Pumpenlinie entwickeln, dann ist sie die Basis für unser Consumer Geschäft und auch für das Commercial Geschäft.“

    Das Consumer Geschäft deckt den privaten Gartenteich in allen denkbaren Facetten sowie  Aquarien und Terrarien ab, das Commercial Geschäft eben jene Fontänensysteme, die aus Pumpensystemen weltweit Produkte zum Staunen zaubern. Auf „ein paar hundert Millionen Euro weltweit“ schätzt Muck diesen Markt; definitiv kein großer, aber einer, der von Oase umsatz- und gewinnbringend beackert wird.

    In Bukarest gestaltete Oase eine Fontänenanlage mit der Weltrekordlänge von 1,4 Kilometern. (Foto: Oase)
    Wasserspiele auf dem Vereinigungsplatz

    In Bukarest gestaltete Oase eine Fontänenanlage mit der Weltrekordlänge von 1,4 Kilometern.

    (Foto: Oase)

    Für Bukarest also konnte auf standardisierte Produkte aus der Serienfertigung zurückgegriffen werden, die auf dem Lager lagen. Zudem wurden erstmals in der Unternehmensgeschichte große Module in der Hörsteler Fabrik vormontiert und dann auf Lastwagen nach Rumänien geschafft. Lagerhaltung, Vormontagen, standardisierte Produkte, das klingt sehr nach gesundem deutschen Mittelstand. „Das sind wir“, bestätigt Muck.

    Und dann erzählt der CEO gleich auch über die Vorteile gegenüber Wettbewerbern wie Wet. Das US-Unternehmen baute unter anderem die prestigeträchtige Fontäne in Downtown Dubai vor dem welthöchsten Turm Burj Khalifa, entließ danach aber erstmal viele Mitarbeiter. Bei Oase schielt man eben nicht nur auf Großprojekte wie in Bukarest oder Suzhou: „Wir machen jetzt viel mehr kleinere und mittlere Projekte als früher“, sagt Muck, „hier haben wir unseren Anteil in den vergangenen Jahren verdoppelt.“

    Dazu änderte man bei Oase die grundsätzliche strategische Ausrichtung. Vor ein paar Jahren noch lieferten die Hörsteler überwiegend schlüsselfertige Projekte inklusive der Organisation vor Ort. „Die dortigen Mitbewerber hatten natürlich ein Netzwerk, das wir aus Hörstel heraus niemals hätten knüpfen können“, sagt Muck. Was folgte, ist das, was Muck den „Partneransatz“ nennt. Wettbewerber wurde mit ins Oase-Boot genommen, die die Projekte dann im jeweiligen Land umsetzen. Oase stellt dafür die Systeme und Komponenten zur Verfügung.

    In dem Fünf-Sterne-Hotelkomplex baute Oase unter anderem eine Wasserlandschaft in Strandnähe.(Foto: Oase)
    Mardan Palace in der Türkei

    In dem Fünf-Sterne-Hotelkomplex baute Oase unter anderem eine Wasserlandschaft in Strandnähe.

    (Foto: Oase)

    Für den sprunghaften Anstieg von kleineren und mittleren Projekten im Portfolio, deren Aufwand relativ gesehen viel größer ist als für Großprojekte, brauchte man bei Oase aber auch mehr Manpower. Schon bei seinen früheren Arbeitgebern legte Muck großen Wert auf einen starken Vertrieb, und dass er Kundenzentriertheit bei Oase noch einmal als Kernwert des Unternehmens neu definierte, zeigt sich in der Mitarbeiterstruktur: Von den weltweit 850 Beschäftigten in mittlerweile 18 operativen Tochtergesellschaften arbeitet ein relativ hoher Anteil in Vertrieb, Marketing und Produktmanagement. Für das aktuelle Geschäftsjahr, das bei Oase am 1. Oktober begonnen hat, plant Muck, noch mehr Vertriebsmitarbeiter einzustellen.

    Bei den Wassergärten ist Oase nach eigenen Angaben seit langem globaler Marktführer, weiteres internationales Wachstum lasse sich aber noch in den Bereichen Aquaristik, Be- und Entwässerung, im Fontänengeschäft und im Lake Management generieren. Der Zeitgeist mit seinen Klima- und Nachhaltigkeitsaspekten könnte als Treiber wirken, „wir profitieren momentan von der Ökowelle“, sagt Reiner Bierig, Geschäftsführer des Branchenverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg (Galabau).

    Ein Refugium wie im Urlaub

    Vor allem das Element Wasser habe „eine nicht mehr wegzudenkende Bedeutung“, wenn es darum geht, den eigenen Garten als erweiterten Wohnraum zu gestalten. Teiche und durch Pumpen gesteuerte Bachläufe hätten einen hohen ökologischen Wert und wirkten beruhigend; „das alles kommt der steigenden Sehnsucht der Menschen entgegen, zuhause ein Refugium zu haben, in dem sie sich wie im Urlaub fühlen können“. Oase, sagt Bierig, spiele hier mit seinen innovativen Ansätzen eine entscheidende Rolle.

    Tatsächlich ist bei Oase laut CEO Muck fast ein Zehntel der weltweiten Belegschaft innovativ in Forschung und Entwicklung tätig, in China ebenso wie in Italien, in Amerika und in England. Um die 100.000 Projekte in mehr als 100 Ländern hat Oase seit der Gründung vor 70 Jahren umgesetzt.

    Die Beteiligungen verschiedener Private Equity-Unternehmen sowie strategisch relevante Zukäufe sorgten sukzessive für einen Ausbau des Portfolios und eine stärkere Internationalisierung mit dem Fokus auf Asien und den USA. Oase hat hier das Ende der Fahnenstange sicher noch nicht erreicht.

    Mehr: Die Demokratiekrise, KI, die Olympiade und Saudi-Arabien werden die Debatten 2020 bestimmen. Wer mitreden will, greift zu diesen Romanen und Sachbüchern.

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    1 Kommentar zu "Wasserspiele: Dieses Unternehmen baut Riesen-Springbrunnen in Weltrekordgröße"

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    • Anmerkung zur Bildunterschrift "Crane Dance": Das ist der "Tanz der Kraniche" in der Resort World Sentosa in Singapur und kein "Tanz der Kräne" ;-)

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