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Anlagetipps per KIWo Künstliche Intelligenz den Fondsmanager schlägt

Fondsgesellschaften stecken viel Geld in KI. Das Ziel: bessere Anlageergebnisse. Bislang zahlen sich die meisten Investitionen kaum aus. Aber es gibt Ausnahmen mit spektakulären Erfolgen.Ingo Narat 06.08.2024 - 14:55 Uhr
KI ist auch bei vielen Fondsgesellschaften in Mode – bislang allerdings mit bescheidenem Erfolg. Foto: dpa

Frankfurt. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Misserfolg: Wenn Vermögensverwalter die Anlagestrategie einer Künstlichen Intelligenz (KI) überlassen, bringt das im Vergleich zu menschlichen Fondsmanagern nur sehr selten mehr Rendite. Das legt zumindest eine Auswertung des Handelsblatts nahe, die mehr als drei Dutzend solcher Ansätze im klassischen Fondsmantel umfasst.

Aber es gibt eine Handvoll Ausnahmen, die mit dem Einsatz von KI Überrenditen im Vergleich zur Konkurrenz erzielen. Diese Fonds setzen die Künstliche Intelligenz bei der Aktienauswahl, beim Portfoliomanagement, aber auch beim Risiko-Management ein.

Aktuell fehlt vielen KI-Einsätzen noch der durchschlagende Erfolg. „Viele Akteure sind entnervt, weil es auch in diesem Jahr nicht funktioniert hat“, sagt David Striegl. Der Leiter Portfoliomanagement bei Kepler-Fonds im österreichischen Linz erkennt „nach einer Welle der Begeisterung die erste Ernüchterung.“

Für ihn ist die Stimmungslage wenig überraschend: „Viele sehen in KI den Heiligen Gral, mit denen sie Unternehmen finden, die künftig das große Geld bringen.“ Aber gerade bei der Auswahl konkreter Investmentmöglichkeiten stießen KI-basierte Lösungen schnell an Grenzen: „Portfoliomanagement mit Finanzdaten ist einer der schwierigsten Anwendungsfälle für KI.“

Viele sehen in KI den Heiligen Gral
David Striegl
Portfolio-Manager bei Kepler-Fonds

Doch die eher mauen Ergebnisse scheinen viele Protagonisten nicht zu entmutigen. Die Anbieter hoffen, dass sich die Fähigkeiten der KI so schnell verbessern, dass sich die Investitionen am Ende auszahlen.  Zu dieser Gruppe zählt Julien Florian Jensen. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich KI-Modelle durchsetzen“, glaubt der Top-Manager beim Berliner Fintech Ultramarin, das KI-basierte Anlagesysteme entwickelt.

In den vergangenen Monaten haben renommierte Adressen ihr Engagement in Sachen KI noch einmal deutlich verstärkt. Der weltweit zweitgrößte Vermögensverwalter Vanguard kündigte an, in einigen seiner Aktienfonds mit einem verwalteten Kapital von zwölf Milliarden Dollar künftig KI einzusetzen. Außerdem meldete der Finanzdienst Bloomberg im Juli, der US-Hedgefonds Bridgewater werde einen zwei Milliarden Dollar großen Fonds mit KI-Unterstützung starten.

Tungsten Capital Management aus Frankfurt lancierte im Mai den „Tungsten Trycon AI Global Markets Dynamic“, bei dem KI-gesteuerte kurzfristige Trading-Strategien in 60 Märkten Zielerträge von sechs bis zwölf Prozent über dem Geldmarktsatz einspielen sollen. Das Modell geht kurzfristige Handelspositionen in vielen Märkten ein, wobei die Fonds-Wertschwankungen gering bleiben und die Erträge unabhängig von den allgemeinen Börsenbewegungen anfallen sollen.

Das jüngste Produkt stammt vom Fintech Ultramarin, das seit Ende Juni eine KI-gesteuerte Strategie für Aktien aus der Euro-Zone für ein breites Anlegerpublikum offeriert. Das Modell wird als börsengehandelter Fonds, kurz ETF, mit technischer Unterstützung von Goldman Sachs angeboten.

Bisher sind die Erfolge solcher Versuche überschaubar. Das gilt aus deutscher Perspektive gerade für unabhängige Verwalter, die bereits sehr lange KI einsetzen. Die genannte Gesellschaft Tungsten gehört ebenso dazu wie die ebenfalls in Frankfurt ansässige Acatis Investment. Auch das Fintech Ultramarin steht mit seinen bisher angebotenen Strategien auf dieser Liste.

Die meisten Konzepte erwirtschaften keinen Mehrwert gegenüber einem menschlichen Fondsmanager – im Gegenteil. Das zeigt eine Handelsblatt-Übersicht über mehr als drei Dutzend Modelle, die nach europäischem Fondsrecht angeboten werden und deren Anlagerenditen deshalb nachvollziehbar sind.

Alle einbezogenen Fonds erwirtschafteten in den vergangenen zwölf Monaten bis Ende Juni zwar positive Erträge. Das allein ist aber kein Qualitätsbeweis, weil  die Aktienmärkte in diesem Jahr generell kräftige Gewinne verbuchten. Gemessen am Weltaktienindex von MSCI legten die Kurse 22,6 Prozent zu.

An der Spitze der Auswertung liegt mit dem „Xtrackers AI and Big Data Ucits ETF“ ein Index-Aktienfonds für Tech-Werte von der Deutsche-Bank-Tochter DWS mit 42,1 Prozent Ertrag. Die absolute Rendite allein sagt jedoch wenig über den Erfolg der KI aus, die bei allen hier einbezogenen Fonds entweder starken Einfluss auf die Entscheidungen nimmt oder zumindest unterstützend eingesetzt wird.

Zur besseren Erfolgsmessung vergleicht das Handelsblatt den Ertrag mit der Durchschnittsrendite aller Fonds in der gleichen Anlageklasse gemäß der Zuordnung des Datenlieferanten Scope Fund Analysis. Am Beispiel des Tech-Aktien-ETFs der DWS ergibt diese Gegenüberstellung: Die absolute Rendite von 42,1 Prozent liegt 11,5 Prozentpunkte über der durchschnittlichen Rendite aller Tech-Fonds.

Timur Shaymardanov von der DWS erläutert, welchen Mehrwert der Einsatz von KI-Tools im Fondsmanagement bringen kann. Den Erfolg führt er auch auf eine KI-gesteuerte Auswertung von Patentdatenbanken zurück, die die Fondsgesellschaft gemeinsam mit der US-Technologiebörse Nasdaq mache.

Das Kalkül dahinter: „Mehr Patente sollten einem Unternehmen in Zukunft auch höhere Gewinne bringen; solche Aktien bekommen dann auch einen höheren Anteil im Index und im Fonds.“

Mehr Patente sollten einem Unternehmen in Zukunft auch höhere Gewinne bringen.
Timur Shaymardanov

Ein Blick auf die letzte Spalte der Fondsübersicht zeigt, dass solche Mehrerträge selten sind. Es gibt nur drei Gesellschaften, die in vielen Fonds KI einsetzen und damit in den meisten Fällen erfolgreich sind, das heißt Überrenditen erzielen. Maßstab ist hier der Mehrertrag über zwölf Monate, wobei andere Faktoren wie vor allem die Fonds-Wertschwankungen im Zeitablauf unberücksichtigt bleiben.

In dieser Weise auffällig sind Angebote von Kepler-Fonds, der Genfer Ram Active Investments und der Hamburger Laic Vermögensverwaltung. In allen drei Fällen ist nur der jeweils relativ beste Fonds des Anbieters im Konkurrenzvergleich in der Übersicht aufgeführt.

Kepler-Fonds: Risikokappung bisher erfolgreich

„Wir setzen KI als Risikomanager ein“, erläutert David Striegl von Kepler-Fonds, die Österreicher verwalten insgesamt 20 Milliarden Euro. Das Modell unterstütze das Management aller Aktienfonds. Es gebe ein Warnsignal, wenn bei der Geschäftsentwicklung eines Unternehmens oder bei dessen Kursentwicklung etwas schieflaufe. Es geht um insgesamt elf Aktienfonds, von denen sieben eine Mehrrendite erzielten. „Trotz unserer kurzen Erfahrung mit KI sieht es so aus, als könnten wir einen Mehrwert erzielen – aber dieser Mehrwert ist nicht nur allein der KI zuzuschreiben“, kommentiert der Experte.

Hervorstechendes Beispiel ist der „Kepler Growth Aktienfonds“. Die Strategie für internationale Wachstumswerte schaffte in zwölf Monaten 28,8 Prozent Rendite, 12,1 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt aller Aktienfonds. „Ab Mitte Juni sagte unser Modell, dass der IT-Sektor und die Gesundheitsbranche Probleme bekommen würden“, berichtet Striegl. Zwar sei es unmöglich, auf diese Warnung hin alle Aktien aus diesen Sektoren zu verkaufen. Aber man habe zumindest nicht mehr zugekauft und einige Werte tatsächlich abgestoßen. Größte Positionen des Fonds bleiben Microsoft, Apple, Nvidia und Alphabet.

Ram Active Investments will auch bei fallenden Kursen gewinnen

Die mit rund zwei Milliarden Euro Anlegerkapital viel kleinere Ram Active Investments wurde vor fast zwei Jahrzehnten als Spezialist für mathematisch-statistisch getriebene Anlagekonzepte gegründet. Das Genfer Haus bietet vor allem Produkte für Aktien und Anleihen an sowie hedgefondsartige Konzepte. „Wir setzen KI immer als Ergänzung zu unseren Ansätzen ein“, erläutert Fondsmanager Nicolas Jamet.

Ram verwende Fundamentaldaten der Unternehmen und Börsendaten, dazu unter anderem Analystenmeinungen und Stimmungsanalysen. Unter acht angebotenen Strategien schneiden fünf besser ab als der Durchschnitt der jeweiligen Vergleichsgruppe. Dazu gehören der Aktienfonds für Schwellenländer und ein Hedgefondsansatz für europäische Aktien.

Der „Ram (Lux) SF-Long/Short European Equities“ erzielte 15,4 Prozent Rendite über zwölf Monate und damit 9,7 Prozentpunkte mehr, als vergleichbare Strategien im Schnitt erwirtschafteten. Das meiste Geld steckt in Aktien von Unternehmen aus der EU. Entscheidend ist hier, dass die Modelle von Ram auch auf fallende Kurse setzen können.

Laic Vermögensverwaltung sticht die meisten US-Aktienfonds aus

Die relativ unbekannte Laic Vermögenverwaltung aus Hamburg verwaltet mit 190 Mitarbeitern 6,4 Milliarden Euro Kapital, davon ein kleiner Teil mit KI-Einsatz. Die Modelle verwenden Preisdaten von den Börsen, außerdem Unternehmenszahlen, Analystenmeinungen, relevante Nachrichten und Stimmungen aus den sozialen Medien.

„Unsere Modelle machen Anlagevorschläge für unsere Fondsmanager“, sagt Laic-Geschäftsführer Christian Sievers. Diese Vorschläge würden vor allem in unsicheren Börsenlagen einen Unterschied machen. Das Haus bietet mehrere Mischfonds und Aktienprodukte mit durchweg kleinen Volumina an. Unter vier Fonds brachten drei einen Mehrertrag.

Am auffälligsten war der „LF – AI Impact Equity US“ für US-Aktien mit klimapositiven Effekten. Seine Zwölfmonatsrendite von 27,1 Prozent liegt 3,9 Prozentpunkte über dem Durchschnittsertrag aller US-Aktienfonds. Ausgangspunkt ist die Indexzusammensetzung des MSCI USA. „Die Bindung daran ist recht scharf, wir erlauben uns nur begrenzte Abweichungen“, sagt Sievers. Er begründet das auch: „Es soll den Investoren ein wenig Sicherheit geben, damit sie sich nicht einer KI ausgeliefert fühlen.“

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Erstpublikation: 04.08.2024, 11:31 Uhr.

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