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Deutsche-Bank-ChefChristian Sewing: Anleihehandel erholt sich, offen für weitere Übernahmen

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing denkt, dass der Bondhandel wieder stärker wird. Außerdem ist er offen für weitere Übernahmen. 22.06.2023 - 10:16 Uhr Artikel anhören

Der CEO der Deutschen Bank erwartet, dass sich der Bondhandel bald erholt.

Foto: Bloomberg

Frankfurt. Der Vorstandschef der Deutsche Bank AG, Christian Sewing, erwartet beim Bondhandel eine Erholung im zweiten Halbjahr, nachdem die USA den lähmenden Streit um die Schuldenobergrenze überwunden haben und die Kunden sich in der komplexen Konjunktursituation langsam zurechtfinden. 

„Jetzt im Juni, in den vergangenen Tagen, können wir bereits erkennen, dass das Geschäft in Schwung kommt“, sagte Sewing in einem Interview mit Bloomberg TV. „Ich würde sagen, dass es beim FIC-Geschäft im dritten und vierten Quartal meiner Meinung nach eine leichte Erholung geben wird.“

Die Deutsche Bank hatte Anfang Juni vorgewarnt, dass die Handelserträge in diesem Quartal um bis zu 20 Prozent zurückgehen würden, und sich damit dem Trend an der Wall Street angeschlossen. Trotz der Herausforderungen im Handelsbereich — dem wichtigsten Ertragsmotor der Bank — dürften die Erträge im Konzern im zweiten Quartal höher ausfallen, so Sewing. Er bestätigte auch die Prognose für die Erträge im Gesamtjahr von 28 bis 29 Milliarden Euro.

Sewing wird angerechnet, die Deutsche Bank seit seinem Amtsantritt vor gut fünf Jahren mit Kostensenkungen und strukturellen Maßnahmen wie dem Rückzug aus dem Aktienhandel saniert zu haben. Im vergangenen Jahr erzielten die Frankfurter den höchsten Gewinn seit mehr als zehn Jahren. Zweifel von Anlegern, Kunden und Aufsichtsbehörden an der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells konnte der 53-jährige Westfale weitgehend ausräumen.

Vor einigen Wochen überraschte er die Öffentlichkeit mit dem Kauf der britischen Boutique Numis Corp., seiner ersten großen Übernahme und der größten für die Bank seit mehr als zehn Jahren. Dadurch wird die Deutsche Bank zu einem der größten Investmentbank-Teams in der City. Sewing hat auch von der Credit Suisse Banker übernommen, um das Beratungsgeschäft zu verstärken.

„Wir haben uns Numis sehr lange angeschaut“, sagte Sewing in der Londoner Europazentrale von Bloomberg. „Und wir denken, dass es eine optimale Ergänzung für unseren Geschäftsmix und unser Angebot in Europa und insbesondere in Großbritannien ist.“

Während die Deutsche Bank im Handel mit Bonds und an den Kapitalmärkten stark ist, wird die Übernahme von Numis es ihr ermöglichen, das Geschäft mit der M&A-Beratung und der Aktienemission zu stärken, sagte er.

Offen für weitere Zukäufe

Außerdem ließ Sewing erkennen, dass die Deutsche Bank auch nach der überraschenden Übernahme von Numis Corp. offen für Zukäufe bleibt. “Organisches Wachstum ist der beste Weg, aber wenn sich Gelegenheiten wie bei Numis ergeben, werden wir die Augen nicht verschließen”, sagte Sewing am Donnerstag in dem Interview in Bloombergs Europazentrale in London.

Mit einem Wert von 410 Millionen Pfund (477 Millionen Euro) ist die Übernahme der Londoner Boutique die größte seit dem Kauf der Postbank im Jahr 2009 und macht die Deutsche Bank zu einem der größten Teams in der City.

Die Transaktion hat bei Analysten Fragen zur Ausschüttungspolitik der Deutschen Bank aufgeworfen. Die Auszahlung von rund 8 Milliarden Euro an die Aktionäre über die nächsten Jahre ist ein Kernpunkt in Sewings aktueller Strategie. In dem Interview sagte er, dass er an diesem Plan festhält und dass etwaige Transaktionen ihn nicht gefährden würden.

Die neue Strategie, die Sewing im vergangenen Jahr vorstellte, konzentriert sich auf das Wachstum von Geschäftsfeldern, die wenig Kapital binden, wie das Wealth Management und die Transaktionsberatung. Letztlich zielt der Plan darauf ab, ein Jahrzehnt magerer Renditen für die Aktionäre zu beenden und über mehrere Jahre hinweg rund acht Milliarden Euro auszuschütten. Gleichzeitig soll der Aktienkurs steigen, der immer noch unter dem Niveau bei Sewings Amtsantritt im April 2018 liegt.

„Wir haben uns gegenüber unseren Aktionären klar zu einem Kapitalausschüttungsplan bis 2025 verpflichtet“, sagte Sewing. „Wir stehen zu unserem Plan, die acht Milliarden an unsere Aktionäre zurückzugeben, einschließlich der Dividenden.“

Auf dem Weg dorthin sieht sich Sewing einigen Herausforderungen gegenüber. Die vielleicht wichtigste ist, dass der Handelsboom, der in den vergangenen Jahren für kräftigen Rückenwind gesorgt hat, abebbt, während die seit einiger Zeit prognostizierte Erholung in der Transaktionsberatung und im Emissionsgeschäft noch nicht eingetreten ist. Dies hat zur Folge, dass das Investmentbanking, das in den letzten Jahren der mit Abstand größte Gewinnbringer der Deutschen Bank war, schrumpfen wird.

Steigende Zinssätze sorgen für zusätzliche Unterstützung, da sie die Erträge im Kreditgeschäft ankurbeln, wobei Analysten prognostizieren, dass der Vorsteuergewinn der als Unternehmensbank bekannten Firmenkundensparte in diesem Jahr den der Investmentbank übertreffen wird.

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Sewing sagte, er gehe davon aus, dass die Zinssätze angesichts der hartnäckigen Inflation höher steigen und länger hoch bleiben werden, als viele Menschen derzeit erwarten.

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