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Deutsche-Bank-ChefBankenverband-Präsident Sewing: Digitalisierung kann Bankruns beschleunigen

An der Reform der verbandseigenen Einlagensicherung hält der Manager trotz der jüngsten Krisen fest. Europäische Banken hält der BdB-Präsident für stabiler finanziert als US-Institute.Yasmin Osman 17.04.2023 - 15:16 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Europa habe bei der Bankenregulierung große Fortschritte gemacht, sagt er.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Digitalisierung des Bankgeschäfts beschleunigt nach Beobachtungen des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) in Krisenfällen das Tempo von Einlagenabflüssen von Kunden. „Die Geschwindigkeit von Kundenreaktionen ist eine andere als 2008“, sagte BdB-Präsident und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am Montag. Am Beispiel der Silicon Valley Bank (SVB) habe man sehen können, dass „ein, zwei, drei Tweets“ enorm viel auslösen könnten. Das sei anders als während der Finanzkrise.

Die Gefahr von Bankruns selbst sei zwar nicht höher, aber die Geschwindigkeit des Kundenverhaltens habe sich verändert. „Das muss man als Bank berücksichtigen“, betonte Sewing. Das hätten Banken seiner Beobachtung nach aber auch getan. Sewing wies darauf hin, dass es aus seiner Sicht wichtig sei, dass Banken ihre Einlage diversifizierten.

Die Silicon Valley Bank hatte vor allem Kunden unter Start-ups und Wagniskapitalfinanzierern. Diese Einlagen waren fast vollständig vom Einlagenschutz in den USA ausgenommen, der normalerweise bei 250.000 Dollar gedeckelt ist. Als die SVB in Schwierigkeiten geriet, weil viele Kunden wegen der Probleme in der Technologiebranche ihre Einlagen benötigten, sprach sich das in Windeseile herum und löste eine Einlagenflucht der Kunden aus. Das führte zur Pleite der SVB.

Diese Entwicklung zeigt aus Sewings Sicht, wie wichtig es ist, dass Banken ihre Einlagen breit diversifizieren. „Es macht einen enormen Unterschied, ob es um konzentrierte hohe Einlagen geht oder um ein Institut mit Millionen von Kunden“, sagte er. Die Kundenbasis der SVB sei sehr homogen gewesen.

Auch der Umfang, in dem Einlagen durch eine Einlagensicherung geschützt seien, spiele eine wichtige Rolle. Die meisten europäischen Banken hätten eine „weitaus stärker diversifizierte Einlagenbasis“, sodass sie weniger von den Entwicklungen bestimmter Branchen oder den Entscheidungen einiger Kunden abhängig seien.

Seit der Pleite von US-Regionalinstituten wie SVB oder Signature wird in den USA und Großbritannien über eine Ausweitung der Einlagensicherung für Kundeneinlagen diskutiert. Denn die SVB-Pleite hatte dazu geführt, dass Kunden ihre Einlagen auch bei anderen amerikanischen Regionalinstituten abzogen.

Wissenschaftler des Frankfurter Leibniz-Instituts SAFE hatten dagegen gefordert, den Einlagenschutz für kurzfristig kündbare Einlagen von Unternehmen und Privatkunden vollständig abzusichern. Das ist aus Sicht des Forschungsteams notwendig, um Bankruns zu verhindern.

BdB-Präsident Sewing ist da anderer Meinung. „Ich halte nichts davon, dass man alles versichert“, sagte er. Der private Bankenverband hat seinen zusätzlichen Einlagenschutz, der über die gesetzlich vorgeschriebenen 100.000 Euro je Kunde hinausgeht, gerade gestutzt.

Kritik an Reform der EU-Abwicklungsregeln

Seit Januar sind die Einlagen von professionellen Kunden wie Versicherungen, Investmentgesellschaften oder öffentlich-rechtlichen Körperschaften gar nicht mehr geschützt. Für private Kunden gibt es Obergrenzen, die von fünf Millionen Euro bis 2030 auf eine Million Euro sinken werden. Für Unternehmen oder karitative Organisationen sinkt das geschützte Einlagenvolumen in diesem Zeitraum von 50 Millionen auf zehn Millionen Euro.

Diese Reform gilt vor allem als Anliegen der großen Banken des BdB, die zwar die höchsten Beiträge für den Einlagensicherungsfonds zahlen, aber selbst mit dessen Mitteln nicht gerettet werden könnten, wenn sie in Schwierigkeiten kämen. Kleinere private Banken befürchten, dass sie durch die Reform stärker gefährdet sein könnten, weil dadurch künftig weniger Kundeneinlagen geschützt sind und Kunden deshalb in turbulenten Marktphasen ihre Einlagen schneller abziehen könnten.

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Dennoch hält Sewing an der Reform der Einlagensicherung fest. Aus seiner Sicht habe Deutschland ein sehr dichtes Netz in der Einlagensicherung. Für die Reform der zusätzlichen BdB-Einlagensicherung seien lange Übergangsfristen vereinbart worden, die jeder Bank genug Zeit gäben, ihre Refinanzierung an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Am wichtigsten sei, dass eine Bank ein funktionierendes Geschäftsmodell habe. Die Institute dürften sich „nicht nur an den Einlagenschutz hängen“.

Kritik übte Sewing allerdings an den von der EU-Kommission geplanten Änderungen bei den Vorschriften für Bankenabwicklungen und Einlagensicherungen. Die Brüsseler Behörde will die Abwicklung zum Standardinstrument in der Krisenbewältigung von Banken machen. „Das ginge zulasten unserer gut funktionierenden nationalen Einlagensicherungssysteme, die in den vergangenen Jahren ihre Funktionsfähigkeit vielfach bewiesen haben und zu Recht hohes Vertrauen genießen“, sagte Sewing.

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