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Förderbanken Erste Corona-Bilanz: Viele Mittelständler waren auf KfW-Kredite angewiesen

Willkommene Hilfe in der Not: Viele KfW-Förderkredite sind laut einer repräsentativen Umfrage bei Firmen gelandet, die ohne Staatsgarantien wohl kein Geld erhalten hätten.
31.08.2020 - 17:44 Uhr Kommentieren
Die KfW hatte im Frühjahr auf Geheiß der Bundesregierung verschiedene Kreditprogramme aufgelegt, die eigentlich gesunden Unternehmen helfen sollten, die durch die Corona-Krise unverschuldet in Bedrängnis geraten sind. Quelle: Jan Huebner
KfW-Zentrale

Die KfW hatte im Frühjahr auf Geheiß der Bundesregierung verschiedene Kreditprogramme aufgelegt, die eigentlich gesunden Unternehmen helfen sollten, die durch die Corona-Krise unverschuldet in Bedrängnis geraten sind.

(Foto: Jan Huebner)

Frankfurt Rund 84.600 Unternehmen haben seit dem Frühjahr die Corona-Hilfen der KfW beantragt. Nun legt eine repräsentative Umfrage der Förderbank nahe, dass die Mittel auch überwiegend dort ankamen, wo sie besonders dringend benötigt wurden. Danach beklagten 87 Prozent der Befragten, dass sie wegen der Coronakrise Umsatzeinbußen erlitten hatten - bei jedem vierten ging es dabei sogar um Einbußen von 80 Prozent und mehr.

Das liegt deutlich über dem Durchschnitt: Im deutschen Mittelstand insgesamt klagten nur 60 Prozent über Umsatzverluste. Der Auswertung zufolge sehen sich rund 73 Prozent der Unternehmen, die Corona-Hilfen erhielten, in ihrer Existenz bedroht. 66 Prozent befinden sich nach eigenen Angaben bereits in einer finanziellen Notlage.

Besonders dramatisch scheint die Lage unter den Kunden des KfW-Schnellkredits, für die der Staat vollständig die Haftung übernommen hat. „Hier sehen sich rund 78 Prozent in ihrer Existenz bedroht, 71 Prozent sind in einer finanziellen Notlage“, heißt es in der Studie im Auftrag der staatlichen Förderbank, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die KfW hatte für die Umfrage knapp 30.000 Antragsteller, die im April oder Mai eine Zusage erhalten hatten, anonym durch ein Marktforschungsinstitut befragen lassen und von jedem zehnten Befragten eine Antwort erhalten. Die Corona-Auswirkungen auf den Mittelstand insgesamt hatte die KfW über ihr regelmäßig erhobenes KfW-Mittelstandspanel ermittelt. Das macht die Ergebnisse sowohl für private Unternehmen, deren Umsatz maximal 500 Millionen Euro beträgt, als auch für Unternehmen, die Corona-Kredite erhalten haben, repräsentativ.

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    Die KfW hatte im Frühjahr auf Geheiß der Bundesregierung verschiedene Kreditprogramme aufgelegt, die eigentlich gesunden Unternehmen helfen sollten, die durch die Corona-Krise unverschuldet in Bedrängnis geraten sind. Bei diesen Programmen übernimmt der Staat ein größeres Haftungsrisiko als bei Förderkrediten normalerweise üblich ist.

    Angewiesen auf den Schnellkredit

    Bei den meisten Corona-Krediten nimmt der Staat den Hausbanken 80 bis 90 Prozent des Haftungsrisikos ab, bei den Schnellkrediten sind es sogar 100 Prozent. Damit wollte die Regierung verhindern, dass Unternehmen zusammenbrechen, weil sie aus Sicht der Banken zu riskant sind.

    Vor allem der Schnellkredit, den nur Firmen mit mehr als zehn Mitarbeitern beantragen können, war bei seiner Einführung umstritten. Schließlich prüfen die Banken bei den Antragstellern der Schnellkredite nur rudimentär finanzielle Eckdaten, das finanzielle Risiko bei einer Pleite trägt allein der Staat. „Damit ist sichergestellt, dass das Geld schnell da ankommt, wo es besonders dringend gebraucht wird“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz dazu.

    „Viele der Kunden, gerade im Fall des Schnellkredits, hätten ohne die Corona-Sonderprogramme der KfW keine Finanzierungsalternative gehabt“, sagt die KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Jeder dritte Schnellkredit-Empfänger sagte der Studie zufolge, eine „alternative Finanzierung wäre voraussichtlich nicht möglich gewesen“.

    Das zeigt, dass die Lage unter den Schnellkredit-Firmen sehr viel dramatischer ist im Durchschnitt aller Corona-Programme der KfW. Denn über alle Programme hinweg schätzte nur jedes fünfte Unternehmen die eigene Lage so negativ ein.

    Allerdings dürfte es vor allem bei den Schnellkrediten in der Zukunft auch überdurchschnittlich häufig zu Ausfällen kommen. Ein Bankmanager hält eine Ausfallquote von zehn Prozent für realistisch, ein für deutsche Verhältnisse relativ hoher Wert. Köhler-Geib verweist aber auf die positiven Aspekte der Hilfen. „Die Kredite verhindern eine Negativspirale, denn wenn ein Unternehmen seine Lieferanten oder Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann, hat das negative Folgeeffekte.“

    Von einer solchen Negativspirale scheint die deutsche Wirtschaft alles in allem bislang verschont zu sein. Zwar klagte jeder fünfte Mittelständler und jedes sechste große Unternehmen darüber, dass es schwerer geworden ist, an einen Kredit zu kommen. Bei Ausbruch der Finanzkrise 2008 hatten allerdings 40 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten, an Darlehen zu kommen.

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    Insgesamt ist das Kreditneugeschäft in Deutschland an Unternehmen und Selbstständige im zweiten Quartal mit einem Zuwachs von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr kräftig gewachsen. Das zeigt der aktuelle KfW-Kreditmarktausblick, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

    Der Befund deckt sich mit den Aussagen vieler Banken, die ein starkes Wachstum im Firmenkundengeschäft melden. Auch Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis berichtete im Interview mit dem Handelsblatt über „kräftige Zuwächse“ im Kreditgeschäft, „wo wir so stark wachsen wie noch nie“. Das ausstehende Volumen an Unternehmenskrediten in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2020 auf über 1,1 Billionen Euro gestiegen.

    Das ist nicht selbstverständlich. Schließlich müssen die Institute auch mit einer steigenden Risikovorsorge rechnen. „Die Banken sitzen allerdings nach wie vor auf viel Liquidität, die nach wie vor Geld kostet. Das ist einer der Gründe, warum viele Institute nach vertretbaren Kreditengagements suchen“, meint Robert Bischof, Partner bei Strategy&, der Strategieberatung von PWC.

    Viele Firmen haben das zweite Quartal dafür genutzt, um sich für eine längere Durststrecke zu wappnen: „Mit einem Plus von 17 Prozent legten die langfristigen Finanzierungen ab einer Laufzeit von fünf Jahren außergewöhnlich stark zu“, beobachtet die KfW. „Normalerweise sind Banken während einer Krise besonders vorsichtig, langfristige Kredite auszugeben. Dass Unternehmen dennoch solche Darlehen erhalten, interpretiere ich als gutes Zeichen“, erläutert Köhler-Geib.

    Ungewöhnlich viele Langfristkredite

    Aus Sicht der KfW sind die längerfristigen Darlehen ein stabilisierender Faktor. „Die längeren Fristen erhöhen die Finanzierungssicherheit für die Unternehmen und strecken die Belastung aus den Krisenverlusten über die Zeit“, heißt es im Kreditmarktausblick. „Das verbessert die Aussichten für eine nachhaltige Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs.“ Normalerweise nutzen Unternehmen langfristige Darlehen für Investitionen, doch in diesem Fall dürfte es sich eher um Betriebsmittelkredite handeln.

    Das ist nach Einschätzung von Tomas Rederer, Partner bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC Deutschland, auch ein Verdienst der staatlichen Förderprogramme: „Die Programme der KfW und der Landesförderinstitute haben bewusst für langfristige Finanzierungen gesorgt. Das hat dem System Stabilität gegeben und den Markt beruhigt“, sagt er.

    Das liegt an der Konstruktion der KfW-Förderkredite: Für viele Banken ist es gerade in Krisenzeiten meist kostspielig, langfristige Darlehen zu vergeben. Bei den Förderkrediten stellt die KfW den Banken die Refinanzierung zur Verfügung. Das kann sich das staatliche Institut leisten, weil es sich zu besonders günstigen Konditionen am Kapitalmarkt Mittel beschaffen kann - auch längerfristig. Das macht es für die Banken leichter, ihren Kunden auch längerfristig Geld zu leihen.

    Die Bundesregierung hatte lange Zeit mit der EU-Kommission, die staatliche Beihilfen genehmigen muss, um möglichst lange Laufzeiten für die Coronahilfen gerungen. Zunächst sollten Unternehmen die günstigen Corona-Kredite binnen fünf Jahren zurückzahlen. Das hätte viele der hart getroffenen Unternehmen aber finanziell überfordert, sagen Banker. Kurz vor Ostern erlaubte die EU-Kommission dann Laufzeiten von bis zu zehn Jahren.

    Dynamik lässt allmählich nach

    Dennoch scheint die Dynamik im Kreditgeschäft allmählich nachzulassen: ursprünglich hatte die KfW im Neugeschäft mit einem Rekordwachstum von zehn Prozent im zweiten Quartal gerechnet und nicht nur um sechs Prozent. Stattdessen liegen die Wachstumsraten unter denen des ersten Quartals, als das Neugeschäft um 7,3 Prozent stieg.

    Bis zum Jahresende dürften die Wachstumsraten noch weiter schrumpfen: Für das dritte Quartal erwartet die KfW noch 3,5 Prozent Wachstum und im vierten Quartal gar keinen Anstieg mehr. „Auch ein Rückgang ist im Bereich des Möglichen“, heißt es im KfW-Kreditmarktausblick. „Man muss schon davon ausgehen, dass die Corona-Krise Spuren in den Bank-Bilanzen hinterlassen wird – das kann in der Erholung zu einer Belastung für die Kreditvergabe werden“, erläutert Köhler-Geib.

    Allerdings dürfte auch der akute Kreditbedarf bei den Unternehmen allmählich nachlassen. Aufgrund der gelockerten Schutzmaßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung hat sich die deutsche Wirtschaft bereits wieder ein wenig erholt. Die akute Liquiditätsnot hat sich daher verringert. Das Interesse an Investitionen dürfte angesichts der trüben Wirtschaftslage vorläufig gering bleiben.

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    Angesichts des hohen Liquiditätsbedarfs der Unternehmen hatten einige Banken zu Beginn der Corona-Pandemie gehofft, im Firmenkundengeschäft bessere Margen durchsetzen zu können. Immerhin sind Unternehmenskredite in Deutschland die zweitwichtigste Kreditkategorie für Banken. Sie stehen für 15,5 Milliarden Euro an Zinseinnahmen pro Jahr, was rund 18 Prozent des Zinsergebnisses entspricht, wie die PWC-Studie „Wer finanziert die Covid-19-Krise“ zeigt, die dem Handelsblatt vorliegt.

    Diese Hoffnungen scheinen sich nicht erfüllt zu haben: Die Margen im Firmenkundengeschäft seien nicht wirklich gestiegen, sagte vor kurzem die Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp. Die PWC-Studie bestätigt diese Einschätzung: Zwar sind danach die Bruttomargen im zweiten Quartal auf durchschnittlich 1,67 Prozent – und damit auf den höchsten Stand seit dem dritten Quartal 2016 gestiegen. Allerdings verteuerten sich für Banken in praktisch gleichem Maße auch die Kosten, zu denen sie sich selbst am Kapitalmarkt refinanzieren können. Die Nettomarge verharrte daher mehr oder weniger stabil bei1,29 Prozent.

    Nur an einer Stelle hat sich der harte Wettbewerb im deutschen Firmenkundengeschäft ein wenig gelegt: Der PWC-Studie zufolge stiegen in erster Linie die Margen von Großkrediten, während sie für kleine Firmen-Darlehen eher sank. „Um die Großunternehmen gab es vor der Coronakrise einen erbitterten Wettbewerb, zumal diese Unternehmen immer auch an den Kapitalmarkt gehen können“ erläutert PWC-Partner Rederer.

    Doch in der Hochphase der Coronakrise stand der Kapitalmarkt zeitweise nicht mehr jedem Unternehmen offen. „Das hat die Verhandlungsmacht der Großkonzerne etwas relativiert“, sagt er.

    Mehr: Bilanz der KfW: Kleine Firmen suchen dringend Geld

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