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Accenture-Studie Bei Kreditausfällen herrscht die Ruhe vor dem Sturm

Berater warnen immer deutlicher vor hohen Kreditausfällen wegen der Coronakrise. Doch viele Kreditinstitute geben sich gelassen.
07.08.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Durch die Pandemie sind viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auf die Banken könnte das in der zweiten Jahreshälfte durchschlagen. Quelle: Reuters
Frankfurt

Durch die Pandemie sind viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auf die Banken könnte das in der zweiten Jahreshälfte durchschlagen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Das zweite Quartal 2020 ist bei einigen Banken deutlich besser gelaufen, als Analysten befürchtet hatten. Insbesondere Institute mit einer starken Investmentbanking-Sparte, wie die Deutsche Bank, die US-Bank Goldman Sachs und die BNP Paribas in Frankreich haben trotz der Coronakrise passable oder sogar sehr gute Geschäftsergebnisse vorgelegt.

Doch im Kreditgeschäft drohen den Instituten hohe Verluste. Immer mehr Experten warnen, dass die Kreditausfälle im weiteren Jahresverlauf deutlich steigen könnten. Die Unternehmensberatung Accenture rechnet gar damit, dass europäische Banken in diesem Jahr Kredite in Höhe von bis zu 415 Milliarden Euro abschreiben müssen.

Accenture hat die Kreditausfälle und Kreditrisikokosten früherer Jahre sowie Ankündigungen zu aktuellen Rückstelllungen von weltweit 117 Banken analysiert. Im vergangenen Jahr hätten europäische Banken 80 Milliarden Euro zur Deckung potenzieller Kreditverluste bereitgestellt. In diesem Jahr könnten 265 bis 335 Milliarden Euro hinzukommen.

„Die Schnelligkeit, mit der auch deutsche Großbanken hohe Rückstellungen für Kreditausfälle gebildet haben, war schon überraschend und unterstreicht unsere Warnung“, sagt Markus Hamprecht, der bei Accenture den Bereich Financial Services in der DACH-Region leitet. Betrachtet wurde das gesamte Kreditgeschäft, der wesentliche Teil der Ausfälle dürfte jedoch von Unternehmen ausgehen.

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    Durch die Corona-Pandemie sind viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auf die Banken könnte das womöglich erst in der zweiten Jahreshälfte durchschlagen. So haben zahlreiche Unternehmen Zahlungsaufschübe bekommen. Andere konnten sich kurzfristig mit staatlichen Soforthilfen über Wasser halten. Laut Prognose des Kreditversicherers Euler Hermes könnte es bis Ende 2021 allein in Deutschland etwa 21.000 Pleiten geben.

    Weltweit rechnet Accenture in diesem Jahr mit einer Ausfallquote von bis zu 2,4 Prozent der bestehenden Kredite. Zum Vergleich: 2008, während der globalen Finanzkrise, habe der Wert bei 1,5 Prozent gelegen und sei danach langsam wieder abgesunken. Im vergangenen Jahr habe er leicht zugelegt, auf 0,7 Prozent. Auch die Beratung Bain & Company erwartet, dass die Kreditrisikovorsorge im Firmenkundengeschäft in diesem Jahr deutlich über dem Niveau der Finanzkrise liegen wird.

    „Die hohe Abhängigkeit vieler deutscher Banken vom Kreditgeschäft wird in der Rezession zur Achillesferse“, sagte Bain-Partner Christian Graf. Käme es zu einem zweiten umfassenden Lockdown, befürchten auch die Berater von Oliver Wyman für Europa in den nächsten drei Jahren Kreditverluste von rund 800 Milliarden Euro.

    Gelassenheit bei vielen deutschen Geldhäusern

    Dagegen geben sich viele deutsche Institute noch gelassen. Die Volks- und Raiffeisenbanken erwarten angesichts der Coronakrise mehr Risikovorsorge, sehen aber keine Schieflagen bei Instituten. Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, rechnet allerdings damit, dass sich die Risikovorsorge 2021 und in den folgenden Jahren noch erhöht.

    Wie stark einzelne Banken betroffen sind, hängt unter anderem davon ab, auf welche Wirtschaftszweige und Branchen sie sich fokussieren. In Deutschland zählen neben den Genossenschaftsbanken auch die Sparkassen zu den Hauptgeldgebern des deutschen Mittelstands und vieler Kleinunternehmen. Kleine Firmen sind nach Einschätzung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in der Coronakrise besonders gefährdet.

    Auch die Sparkassen sehen sich jedoch gut gegen die Folgen der Coronakrise gewappnet. Eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands erklärte, die Institute hätten „in den vergangenen Jahren in Milliardenhöhe Vorsorge gebildet“. Sie seien gut gerüstet, ihre Kunden zu begleiten.

    Die Deutsche Bank und die Commerzbank hatten im ersten Halbjahr 2020 ihre Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite drastisch erhöht. Die Deutsche Bank legte in der ersten Jahreshälfte insgesamt 1,3 Milliarden Euro zurück und geht davon aus, dass mit dem zweiten Quartal der Höhepunkt in der Risikovorsorge überschritten ist. Die Commerzbank, die im ersten Halbjahr 795 Millionen Euro zurückstellte, geht im Gesamtjahr mit einem Anstieg auf insgesamt höchstens 1,5 Milliarden Euro aus.

    Viele Analysten sind skeptisch

    Diese Summen liegen zwar erheblich über dem Vorjahresniveau, verglichen mit anderen europäischen Großbanken fielen sie allerdings bescheiden aus. Viele Analysten argwöhnen deshalb, dass die Institute im weiteren Jahresverlauf kräftig nachbessern müssen. Die Banken selbst sind jedoch relativ optimistisch. Sie argumentieren unter anderem, dass die Firmen in ihrem Heimatmarkt dank umfassender Staatshilfen weniger unter der Corona-Pandemie zu leiden hätten als die Firmen in vielen anderen Volkswirtschaften.

    Auch Accenture-Berater Hamprecht rechnet regional mit unterschiedlich hohen Ausfällen. Spanien, Italien und Großbritannien sind bislang gesundheitlich wie ökonomisch besonders stark von der Pandemie betroffen. Das spiegelte sich auch schon in den Zahlen für das zweite Quartal wider: Spaniens größte Bank, die Banco Santander, schrieb im zweiten Quartal sogar erstmals rote Zahlen.

    Auch in Großbritannien verhagelten erhöhte Rückstellungen für Kreditausfälle einigen Banken das zweite Quartal, darunter die Großbank HSBC sowie Barclays und Lloyds. Die italienische Großbank Unicredit hat ihre Risikovorsorge in diesem Jahr bereits um gut zwei Milliarden Euro aufgestockt, wie am Donnerstag veröffentlichte Zahlen zeigen.

    Im Vergleich zur Finanzkrise 2008 stünden die Banken heute „deutlich stabiler da“, sagt Hamprecht. „Zugleich sind die Herausforderungen durch die Coronakrise deutlich größer als je zuvor.“ Das Risikomanagement spiele daher eine zentrale Rolle und so könne es passieren, dass Banken mehr Kreditanfragen ablehnen. „Die Richtlinien für die Kreditvergabe anzupassen sehe ich auch als Aufgabe der Politik und der Finanzaufsicht“, sagt Hamprecht. So könnten Kreditengpässe verhindert werden.

    Mehr: In diesen Branchen ist die Furcht vor der Pleite am größten.

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    1 Kommentar zu "Accenture-Studie: Bei Kreditausfällen herrscht die Ruhe vor dem Sturm"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Gelassenheit ist des Bankers zweite Pflicht. Die erste Pflicht sind die Sicherheiten des Schuldners und Verwertungs-Möglichkeiten durch Zwangsversteigerungen. Die meisten Kredite, nicht alle, wurden mit Geld aus dem Nichts, also mittels Geldschöpfung vergeben. Man könnte somit auf einen Teil der Rückzahlung verzichten. Dazu müsste der Gesetzgeber, also der Bundestag, eine zusätzliche Abschreibungsregel, speziell für Banken, erlassen. Dass z.B. 20% aller Kredite ausgebucht werden dürfen, ohne als Gegenbuchung das Eigenkapital zu belasten. Man kann das machen, wenn man es denn wollte. Man kann aber auch, reichlich naiv, Banken pleite gehen lassen. Das Problem scheint, dass nur wenige Abgeordnete das System verstehen, ja nicht mal den so erfolgreichen Kapitalismus durchgehend, d.h. im Detail, verstehen. Wenn Geld aus dem Nichts geschöpft wurde, kann man in Krisenzeiten auf die Rückzahlung verzichten, wenn man es vernünftig anstellt. Das moderne Geldsystem ist, im Gegensatz zum alten, doch wirklich sexy. Man schöpft Geld aus dem Nichts und kassiert Zinsen. Notenbanken schöpfen Geld aus dem Nichts und retten vor Staatspleiten. Allerdings ist es so wie mit dem durch die Evolution entwickelten/erfundenen Sex, Übertreibungen bringen nicht viel mehr, wirken eher konträr.

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