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  5. Deutsche Bank macht im zweiten Quartal 158 Millionen Euro Gewinn

QuartalszahlenInvestmentbanking hilft der Deutschen Bank in der Coronakrise

Deutschlands größtes Geldhaus übertrifft mit seinem Vorsteuergewinn von 158 Millionen Euro die Erwartungen der Analysten. Die Privatkundensparte enttäuscht aber.Yasmin Osman, Michael Maisch, Astrid Dörner 29.07.2020 - 10:22 Uhr aktualisiert

Deutschlands größtes Geldhaus übersteht die Coronakrise bislang besser alles erwartet.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Deutsche Bank schlägt sich trotz der Belastungen durch die Coronakrise besser als gedacht. Vor allem die Sonderkonjunktur im Investmentbanking sorgte im zweiten Quartal dafür, dass die Resultate des Instituts besser ausfielen als von den meisten Analysten prognostiziert. Damit konnte das Geldhaus die Belastungen im Kreditgeschäft durch die deutlich gestiegene Risikovorsorge für faule Kredite ausgleichen.

Die bisherige Geschäftsentwicklung motiviert die Bank nun zu vorsichtigem Optimismus: Sie hob ihre Ertragsprognose für das laufende Geschäftsjahr an und geht nun von „im Wesentlichen“ unveränderten statt wie bisher leicht rückläufigen Erträgen aus. Für das Geschäftsjahr 2021 soll es wieder eine Dividende geben.

Entsprechend zufrieden zeigte sich Vorstandschef Christian Sewing. „Die Früchte unser aller Arbeit werden mehr und mehr sichtbar“, schrieb er in einem Brief an die Mitarbeiter. Der Manager würdigte auch die Fortschritte bei der Umsetzung seiner Strategie. „Wir haben in einem schwierigen Umfeld unsere Erträge gesteigert und unsere Kosten weiter gesenkt und sind auf einem guten Weg, alle unsere Ziele zu erreichen“, so Sewing.

Das Institut steckt mitten im größten Umbau seiner jüngeren Geschichte und will dafür rund 18.000 Stellen streichen. Rund ein Drittel davon sind bis Ende Juni bereits weggefallen.

Die Bank hatte ihre Erträge zwischen April und Juni gegenüber dem Vorjahr leicht auf 6,3 Milliarden Euro steigern können. Vor Steuern blieb ein Gewinn von 158 Millionen Euro. Nach Steuern und Kuponzahlungen für eigenkapitalähnliche Anleihen (AT 1) blieb ein Verlust von 77 Millionen Euro. Analysten hatten dem Institut nur Erträge von 6,1 Milliarden Euro, einen Vorsteuergewinn von 32 Millionen Euro zugetraut.

Schwarze Zahlen vor Steuern bleiben das Ziel

Für das Geschäftsjahr 2020 rechnen Analysten nach wie vor mit einem Vorsteuerverlust des Geldhauses von 830 Millionen Euro. Das Institut will eigentlich vor Steuern schwarze Zahlen schreiben. Trotz der Verwerfungen durch Covid-19 hat Finanzvorstand James von Moltke das Ziel noch nicht aufgegeben. „Wir arbeiten daran“, betonte der Manager.

Der Pessimismus der Analysten hängt vor allem mit den Prognosen für die Risikovorsorge zusammen. Nach ihrer Einschätzung dürfte sie in der zweiten Jahreshälfte ähnlich hoch ausfallen wie im ersten Halbjahr und auf 2,4 Milliarden Euro steigen. Die Bank selbst geht dagegen davon aus, dass der Höhepunkt nun überschritten ist.

Im zweiten Quartal hatte sie für das Kreditgeschäft 761 Millionen Euro zurückgestellt, von denen 410 Millionen Euro auf die Coronakrise zurückzuführen waren. Damit steht sie im Vergleich zu anderen Instituten aber noch gut da. Die spanische Großbank Santander legte für Problemkredite 3,1 Milliarden Euro zur Seite.

Lob für die Zahlen kommt von Großinvestoren und der Ratingagentur Moody’s: Der Fortschritt beim Umbau zeige sich an den verbesserten Zahlen der Kernbank, meint Moody’s Analyst Michael Rohr. Insgesamt sei die Bank jetzt besser gerüstet, um mit den Verwerfungen der Coronakrise fertigzuwerden. Für Andreas Thomae, Fondsmanager der Sparkassenfondstochter Deka, ist das Ergebnis „sehr ordentlich“.

Der Vorstandschef ist zufrieden mit dem Stand des Umbaus.

Foto: Reuters

„Mittelmäßige“ Unternehmensbank

Die von Sewing vor einem Jahr ausgerufene neue Strategie sieht die Unternehmensbank als Kern des Instituts vor. Doch die niedrigen Zinsen setzen der Sparte stark zu. Mit Negativzinsen auf Kundeneinlagen steuert die Bank dagegen. Das sorgte für einen Sonderertrag von gut 100 Millionen Euro. Doch dass die Erträge im Berichtsquartal leicht gestiegen sind, lag an Sondereffekten wie Rückerstattungen aus Kreditausfällen. Moody‘s-Analyst Rohr bezeichnete das Ergebnis als „mittelmäßig“.

Ausgerechnet die Investmentbanker stahlen der Unternehmensbank die Show. Die Sparte war im Zuge der Umstrukturierung deutlich verkleinert worden und galt lange als Milliardengrab. Nun überraschte sie besonders positiv.

Weil die Folgen der Corona-Pandemie die Investoren zwingen, ihre Portfolios umzuschichten, herrscht in den Handelssälen der großen Investmentbanken reger Betrieb. „Dies ist das dritte Quartal in Folge, in dem es uns gelungen ist, die Kosten zu reduzieren und gleichzeitig die Umsätze in der Investmentbank zu steigern“, freut sich Chef-Investmentbanker Mark Fedorcik. Das beruhigt auch Investoren. „Die Sorge, dass die Investmentbank weiter Marktanteile verliert, scheint damit ausgestanden“, meint Fondsmanager Thomae.

Finanzvorstand von Moltke rechnet im zweiten Halbjahr mit einer „Normalisierung“ im Investmentbanking. Der Chef der Handelssparte, Ram Nayak, äußert sich optimistischer. Zwar geht er nicht davon aus, dass die Umsätze aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren im dritten Quartal an die gerade veröffentlichten Spitzenwerte herankommen werden. „Aber in einigen Bereichen, vor allem bei Devisen und dem Kredithandel, könnten wir besser abschneiden als im dritten Quartal 2019. Der Devisenmarkt profitiert immer noch von dem steigenden Euro, was normalerweise zu stärkerer Aktivität bei den Kunden führt“, sagte Nayak dem Handelsblatt.

Die Eigenkapitalrendite der Sparte von 11,5 Prozent wurde nur noch von dem Vermögensverwaltungsarm übertroffen, der im Wesentlichen aus der Fondstochter DWS besteht. Das Fondshaus leidet aber unter dem Druck auf die eigenen Margen. Denn Anleger interessieren sich vor allem für DWS-Produkte mit niedrigeren Gebührenmargen.

Das zeigte sich auch im zweiten Quartal: Der DWS flossen unter dem Strich neue Anlegergelder in Höhe von 8,7 Milliarden Euro zu. Aber davon profitierten vor allem Geldmarkt- und Indexfonds, aus aktiv gemanagten Produkten zogen Anleger unter dem Strich sogar Gelder ab.

Enttäuschende Privatkundensparte

Für die größte Enttäuschung sorgte im zweiten Quartal die Privatkundensparte. In diesem Bereich fiel ein Vorsteuerverlust von 241 Millionen Euro an, viermal so viel wie von Analysten erwartet. Hintergrund sind Umbaukosten im Deutschlandgeschäft, eine Abschreibung bei einem Investment der Digitalsparte Digital Ventures sowie negative Folgen der Coronakrise im südeuropäischen Privatkundengeschäft.

Mindestens so wichtig wie die Ertragszahlen ist für Investoren die Kapitalausstattung der Bank. Bei der Entwicklung der harten Kernkapitalquote gibt sich das Haus nun etwas zuversichtlicher. Das Institut relativierte seine Aussage, dass diese Kennziffer vorübergehend etwas unter die Marke von 12,5 Prozent rutschen könnte.

Im zweiten Quartal hatten mehr Kunden als erwartet Kredite wieder zurückgeführt, sodass die Quote unerwartet auf 13,3 Prozent gestiegen war. Nun schreibt die Bank, „dass die Wahrscheinlichkeit eines leichten und vorübergehenden Rückgangs unter 12,5 Prozent nun deutlich geringer ist, als es zu Beginn des zweiten Quartals 2020 erwartet wurde“.

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