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Risikovorsorge Deutsche Bank muss mehr Geld für faule Kredite zurücklegen

Um rund 800 Millionen Euro will das Geldhaus seine Risikovorsorge aufstocken. Die Bank rechnet mit heftigen Einschlägen durch die Coronakrise.
10.06.2020 Update: 10.06.2020 - 17:00 Uhr Kommentieren
Das Geldhaus steckt in einem radikalen Umbau. Quelle: dpa
Deutsche Bank

Das Geldhaus steckt in einem radikalen Umbau.

(Foto: dpa)

Frankfurt Auf der virtuellen Hauptversammlung der Deutschen Bank hatte Vorstandschef Christian Sewing klar gemacht, dass er mit heftigen Einschlägen durch die Coronakrise rechnet. Es gelte das Schiff sturmfest zu machen. Deshalb will das größte heimische Geldhaus im zweiten Quartal mehr Geld für faule Kredite zurücklegen als zum Jahresstart.

Die Bank werde ihre Risikovorsorge vor allem wegen der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie um voraussichtlich 800 Millionen Euro aufstocken, sagte Finanzvorstand James von Moltke am Mittwoch in einer Online-Veranstaltung für Anleger.

Für die Monate Januar bis März hatte der Dax-Konzern 506 Millionen Euro zurückgelegt, deutlich weniger als europäische Konkurrenten wie die italienische Unicredit oder die spanische Santander. Für das Gesamtjahr rechnet das Deutsche-Bank-Management damit, dass die Risikovorsorge 0,35 bis 0,45 Prozent des gesamten Kreditvolumens erreicht.

Das Wäre der höchste Wert seit dem zweiten Quartal 2009. Analysten hatten lediglich eine Aufstockung von 630 Millionen Euro für die Monate April bis Juni dieses Jahres erwartet. Bezogen auf das derzeitige Kreditbuch von 459 Milliarden Euro würden die Schätzungen von Moltkes eine Risikovorsorge von 1,6 bis 2,1 Milliarden Euro für 2020 bedeuten. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt musste die Bank 2,6 Milliarden Euro für faule Kredite zurücklegen.

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    Von Moltke geht davon aus, dass das zweite Quartal den Wendepunkt für die Risikovorsorge darstellt. Der Finanzvorstand rechnet nicht mit einer weiteren Verschlimmerung der Krise. Grund für die potenziell steigenden Kreditausfälle ist die Corona-Pandemie, die zahlreiche Unternehmen in Schwierigkeiten gebracht hat.

    Grafik

    Ein Grund für die stark von einander abweichende Vorsorge der europäischen Banken für die Folgen der Pandemie sind unterschiedliche Prognosen über den Verlauf der drohenden Rezession. Diese Prognosen üben einen wichtigen Einfluss auf die Summen aus, die die Geldhäuser für befürchtete faule Kredite zurücklegen müssen. Während die Deutsche Bank für 2020 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone von 6,9 Prozent rechnet, unterstellt die italienische Großbank Unicredit einen Einbruch um 13 Prozent.

    Die Europäische Zentralbank geht mittlerweile von einem Minus von 8,7 Prozent aus und hat die großen Finanzinstitute aufgefordert, bei der Berechnung ihrer Risikovorsorge „die makroökonomischen Vorhersagen“ der Notenbank zu berücksichtigen.

    Umbau auf dem richtigen Weg

    Von Moltke bekräftigte, die Bank sei auf einem guten Weg bei ihrem Umbau, im Zuge dessen weltweit rund 18.000 Jobs wegfallen und Milliarden an Kosten eingespart werden sollen.

    Zu den Plänen gehört auch die Zusammenführung des Geschäfts mit Vermögenskunden mit dem internationalen Geschäft für Privat- und Firmenkunden, die die Bank am Mittwoch verkündete. Die neue Internationale Privatkundenbank soll zur zweiten Säule der Privatkundensparte werden, die einer der vier Kerngeschäftsbereiche des Konzerns ist.

    Die neue Einheit umfasst das Geschäft mit vermögenden Kunden weltweit sowie mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen und Privatkunden in Italien, Spanien, Belgien und Indien. Insgesamt geht es um 3,4 Millionen Kunden, ein verwaltetes Vermögen von 250 Milliarden Euro und jährliche Erträge von rund drei Milliarden Euro. Geführt wird die neue Sparte von Claudio de Sanctis.

    Im Zuge des Umbaus verlässt Ashok Aram, bisher verantwortlich für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika sowie das internationale Geschäft mit Privat- und Firmenkunden, die Bank aus persönlichen Gründen.

    Anders als andere Geldhäuser hat die Deutsche Bank trotz der Coronakrise den Arbeitsplatzabbau nach einer vorübergehenden Pause wieder aufgenommen. Vorstandschef Sewing betonte vor kurzem, dass die Streichungen auch vor Führungskräften nicht halt machen werden.

    Bei der Umsetzung der Umbaupläne helfe auch eine robuste Geschäftsentwicklung in vielen Bereichen der Bank, erläuterte von Moltke. Nicht nur die Investmentbank, auch andere Bereiche hätten sich seit März deutlich stärker von der Krise erholt als vom Vorstand erwartet.

    Vorstandschef Sewing hatte bereits vor kurzem berichtet, dass die Sonderkonjunktur im Wertpapierhandel auch im zweiten Quartal angehalten habe. Die Bank habe ihre Marktanteile in bestimmten Segmenten weiter ausbauen können. Schon in den ersten drei Monaten hatte das Geldhaus im gesamten Investmentbanking die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro gesteigert.

    Für die europäische Bankenlandschaft sagte von Moltke große Veränderungen voraus. Auch weil die Niedrigzinsen infolge der Coronakrise noch länger anhalten dürften, komme die Branche um grundlegende Veränderungen nicht herum.

    Dabei rüste sich die Deutsche Bank auch für eine Welle von Fusionen und Übernahmen. Wann es zu grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen zwischen Kreditinstituten komme, sei allerdings schwer zu sagen. Die Deutsche Bank wolle dann aber bereit sein, betonte der Finanzvorstand. Wegen der Coronakrise erwarten Analysten auch für 2020 tiefrote Zahlen für die Deutsche Bank. Im Schnitt rechnen sie mit einem Nettoverlust von 1,8 Milliarden Euro.
    mit Agenturmaterial

    Mehr: Mit einem Brief setzt die US-Chefin Christiana Riley ein klares Zeichen gegen Präsident Trump – immerhin seit rund 20 Jahren Kunde der Deutschen Bank.

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