Fondsgesellschaft: Schwache Aktienmärkte hinterlassen Spuren im Ergebnis der DWS
Herausforderndes Marktumfeld.
Foto: ReutersFrankfurt. Ukrainekrieg, Lockdown in China und die Folgen der gestiegenen Inflation für die Weltwirtschaft haben für eine turbulente Entwicklung der Börsen im ersten Quartal gesorgt. Das schlägt sich auch in den Zahlen der DWS nieder. Unter dem Strich kam es im ersten Quartal zu Nettomittelabflüssen von einer Milliarde Euro, wie die Fondstochter der Deutschen Bank berichtet.
Erstmals seit zwei Jahren hätten Investoren unter dem Strich wieder Kapital abgezogen, konstatierte Finanzvorständin Claire Peel in einer Konferenz mit Analysten. Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der anziehenden Inflation schichteten Anleger um, sagte sie.
Vor allem aus Geldmarkt- und Anleihefonds zogen Investoren Kapital ab: allein 6,8 Milliarden Euro aus Geldmarktfonds, weitere 2,7 Milliarden Euro aus aktiv gemanagten Anleihefonds. In höhermargigen Produkten, vor allem Mischfonds und alternativen Anlagen, sammelte die DWS allerdings messbar neues Geld ein. Mischfonds flossen 6,8 Milliarden Euro Kapital zu, alternativen Anlagen eine Milliarde Euro.
Das verwaltete Vermögen fiel um drei Prozent auf 902 Milliarden Euro. Dafür machte Peel vor allem Kursverluste verantwortlich: Die Aktienmärkte haben seit Jahresbeginn deutlich nachgegeben, auch an den Anleihemärkten sind die Kurse wegen der gestiegenen Kapitalmarktzinsen abgerutscht.
Die Erträge sanken im ersten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorquartal um 14 Prozent auf 689 Millionen Euro. Die DWS begründet dies mit einer „Normalisierung“ bei Performance- und
Transaktionsgebühren nach einem außergewöhnlich guten Schlussquartal.
Gegenüber dem ersten Quartal 2021 erzielte das Fondshaus aber ein Plus von neun Prozent, was mit höheren Managementgebühren infolge des gestiegenen durchschnittlichen verwalteten Vermögens während des Quartals begründet wurde. Damit übertraf die DWS die Erwartung der Analysten, die mit einem Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gerechnet hatten.
Der bereinigte Vorsteuergewinn sank im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal infolge einer Normalisierung der Gebührenverhältnisse um ein Viertel auf 279 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal legte der Gewinn um zwölf Prozent zu auf das laut DWS zweithöchste jemals in einem Quartal erreichte Ergebnis.
Nach Steuern wies die DWS für das erste Quartal 2022 ein im Quartalsvergleich 28 Prozent niedrigeres Konzernergebnis in Höhe von 186 Millionen Euro aus. Im Jahresvergleich stieg das Konzernergebnis um zehn Prozent.
Die bereinigten Kosten sanken im ersten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorquartal dank geringeren Aufwands für Beratungshonorare und Sachkosten um drei Prozent auf 410 Millionen Euro. Im
Jahresvergleich stiegen die bereinigten Kosten damit um sieben Prozent, was die DWS vor allem mit höherem Personalaufwand für Gewinnbeteiligungen an Performancegebühren begründet. Die bereinigte Aufwand-Ertrags-Relation (CIR) ist im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal auf 59,5 Prozent gesunken.
Jahresziele bekräftigt
„Der Einbruch der Märkte sowie die stark gestiegenen Inflationserwartungen wirkten sich zwar negativ auf das Nettomittelaufkommen aus, das dank des guten Produktmixes aber von hoher Qualität war“, betonte Claire Peel. DWS-Chef Asoka Wöhrmann unterstrich: „In einem durch enorme geopolitische Unsicherheit, steigende Inflation und einen düsteren wirtschaftlichen Ausblick geprägten Umfeld hat die DWS einmal mehr ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen.“
Der Vorstand bekräftigt zudem seine Jahresziele. Wöhrmann hatte bereits gesagt, das Unternehmen stelle sich in einem herausfordernden Marktumfeld darauf ein, dass sich die zuletzt infolge des Börsenbooms stark gestiegenen Performance- und Transaktionsgebühren „normalisieren“ werden.
In der Analystenkonferenz bekräftigte Wöhrmann das Ziel, in Asien zuzukaufen. Dabei gehe es ihm nicht nur darum, das gemanagte Vermögen zu erhöhen, sondern auch um Partnerschaften und Vertriebsplattformen, sagte er. Wichtig sei aber auch in diesen volatilen Zeiten, den Produktmix zu stärken.
Investoren zeigten sich allerdings offenbar weniger zufrieden mit den Zahlen. Der Kurs der DWS-Aktie sackte zeitweise um mehr als vier Prozent ab. Offenbar beunruhigte der Netto-Kapitalabfluss viele Anleger. Sie zweifelten, ob dieses aktuell „ordentliche“ Ergebnis in der Zeit großer Unsicherheit nachhaltig sein könne, sagte ein Großinvestor.
Mit Blick auf Publikumsfonds, in die private wie auch institutionelle Anleger investieren, hat die DWS wegen ihrer genannten Abflüsse im ersten Quartal deutlich schlechter abgeschnitten als die drei anderen großen deutschen Konkurrenten. Nach Zahlen des Fondsanalysehauses Morningstar haben Allianz Global Investors, die Deka und Union Investment im ersten Quartal in ihren Publikumsfonds jeweils netto mehr als zwei Milliarden Euro eingesammelt, während die DWS dort unter dem Strich einen Abfluss von gut fünf Milliarden Euro verbuchte.
Mehr denn je braucht Wöhrmann stabile Ergebnisse. Der DWS-Chef steht massiv unter Druck wegen Vorwürfen aus dem Jahr 2021, das Fondshaus habe seine nachhaltigen Investments vermeintlich zu nachlässig dargestellt. Die DWS weist die Vorwürfe zurück.
Die US-Börsenaufsicht SEC, das Justizministerium und die Bafin prüfen dies. Das Justizministerium hat festgestellt, dass die Deutsche Bank das Ministerium früher über solche Vorwürfe hätte informieren müssen. Die Konsequenzen sind noch offen.
Wöhrmann ist zudem in die Schlagzeilen geraten wegen E-Mails mit geschäftlichem Inhalt, die von seinem privaten Mailkonto aus verschickt worden sind. Die Deutsche Bank prüft das Thema. Die DWS spricht von einer „Kampagne“.
In der Analystenkonferenz betonte Wöhrmann zum Thema: „Es gibt nichts Neues zu berichten, und das sind gute Nachrichten.“ Die DWS habe alle Nachfragen beantwortet. Er persönlich habe mit Nachdruck alle Anschuldigungen zurückgewiesen, es gebe nichts mehr zu ergänzen.