Nachhaltigkeit: Deutsche Bank veröffentlicht erstmals Klimabilanz ihrer Unternehmenskredite
Das Institut will bis 2050 unter dem Strich keine Treibhausgas-Emissionen mehr finanzieren.
Foto: dpaFrankfurt. Die Deutsche Bank hat erstmals Details darüber veröffentlicht, wie viel Treibhausgase die von ihr mit Krediten finanzierten Industrie-Unternehmen ausstoßen. Die finanzierten CO2-Emissionen konzentrieren sich auf einige wenige Branchen und Unternehmen, teilte die Bank am Freitag mit. Der Großteil entfiel mit knapp 70 Prozent der finanzierten Emissionen nach Angaben der Bank auf die Öl-, Gas- und Versorgerbranche, zu der die Stromerzeugung gehört, sowie auf Stahl, Metalle und Bergbau.
Kredite an Unternehmen dieser Branche beliefen sich Ende 2021 auf 17 Milliarden Euro, was dem Geldhaus zufolge 16 Prozent der Darlehen an Industrieunternehmen entspricht und 3,5 Prozent des gesamten Kreditbuchs der Bank. Rund 70 Prozent der finanzierten Treibhausgase verursachte dabei ein Prozent der Firmenkunden. Die direkten und bestimmte indirekte Emissionen aus Krediten an Unternehmen beliefen sich zum Ende 2021 auf 30,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr.
Ab 2050 will die Deutsche Bank netto keine Treibhausgas-Emissionen mehr finanzieren. Dafür will sie für einzelne Branchen bis Ende dieses Jahres Zwischenziele nennen, die bis 2030 erreicht werden sollen. Andere Banken haben ihre Pläne bereits konkretisiert. So kündigte die britische Großbank HSBC kürzlich an, das Institut wolle die Emissionen, die mit ihren Krediten an Kunden in der Öl- und Gasbranche verknüpft sind, in diesem Jahrzehnt um 34 Prozent verringern.
Daten haben noch viele Lücken
Vollständig sind die Angaben, die die Deutsche Bank nun öffentlich macht, aber noch nicht. Zum einen beschränken sich die Angaben auf das Kreditgeschäft mit Industriekunden des Instituts. Kredite an Privatkunden – etwa für Wohnimmobilien – sind darin also nicht enthalten.
Und auch die Klimabilanz für die Industrieunternehmen ist noch nicht vollständig: Die Bank kalkuliert bislang nur die sogenannten Scope-1- und Scope-2-Emissionen. Damit sind die Treibhausgase gemeint, die ein Unternehmen direkt durch seine Produktion verursacht oder durch den Einkauf von Strom, Wärme und Dampf für die Produktion. Unberücksichtigt bleibt in dieser Betrachtung der CO2-Ausstoß, der durch das hergestellte Produkt selbst entsteht. Diese Scope-3-Emissionen spielen etwa in der Automobilindustrie eine wichtige Rolle.
Auch die Höhe der Emissionen, die über das Kapitalmarktgeschäft finanziert werden, also etwa über Börsengänge, Unternehmensverkäufe oder Anleihe-Emissionen durch Unternehmen, kann das Institut noch nicht beziffern.