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Quarton-Partner Maximilian Graf von OppersdorffWahrer Geld-Adel

Der 48-jährige entstammt einer alten Bankiersfamilie. Als Partner bei Quarton in Zürich berät er mittelständische Firmen bei Börsengängen und Zukäufen. Jetzt will er neue Kunden vor allem in Deutschland gewinnen.Peter Brors 11.09.2016 - 09:50 Uhr Quelle: Handelsblatt ePaperArtikel anhören

„Bei uns stehen die Partner selbst am Herd und führen jeden Transaktionsschritt persönlich aus.“

Foto: Pressefoto

Zürich. Wenn Maximilian Graf von Oppersdorff, 48, von seinem Büro am Züricher Großmünster entlang der Limmat in die Innenstadt zum Paradeplatz läuft, also dorthin, wo die großen Banken UBS und Credit Suisse ihre Zentralen haben, dann lässt sich an den opulenten Auslagen der Boutiquen und Geschäfte prima der Wohlstand des Landes besichtigen. „Es ist nach wie vor unglaublich viel Geld hier in der Stadt“, sagt Oppersdorff. Oder anders ausgedrückt: Die Finanzkapitale Zürich prosperiert weiter, als hätte es den Angriff auf das legendäre Schweizer Bankgeheimnis nie gegeben.

Auch der zweite große wirtschaftspolitische Eingriff der vergangenen Jahre hat an der robusten Verfasstheit des Alpenstaats wenig geändert. Als sich die Schweizer Notenbank vor 18 Monaten gezwungen sah, den festen Wechselkurs des Frankens zum Euro zu kappen, glaubten viele Experten an eine Schwächephase der exportorientierten eidgenössischen Wirtschaft. Oppersdorff sagt: „Operativ haben sich die meisten Schweizer Unternehmen sehr gut auf die neue Situation eingestellt. Allerdings schlägt sich das noch nicht in den Firmenbewertungen nieder, weil das derzeitige Ertragsniveau immer noch erheblich unter dem vor dem Wechselkursschock liegt.“

Warum gerade dieser Aspekt für Oppersdorffs Wirken wichtig ist, sei hier nun kurz erklärt. Der Graf, der einer Bankiersfamilie entstammt, in Mannheim Betriebswirtschaft studierte, dann für Roland Berger arbeitete, als Finanzvorstand bei dem Finanzdienstleister Wirecard AG wirkte und bei CS First Boston und Warburg Pincus das Finanzgeschäft erlernte, agiert als Managing Partner und Mitinhaber bei Quarton. Einer Gesellschaft, die mittelständische Unternehmen mit internationaler Ausrichtung bei Zu- und Verkäufen berät sowie bei der Kapitalbeschaffung mittels Börsengängen oder über die Ausgabe von Anleihen.

Quarton in Berlin, Leipzig und München präsent

Weil nun aber die Bilanzen der Schweizer Wirtschaft nach den Währungsturbulenzen noch nicht wieder goldgerändert funkeln, wollen gerade nicht sonderlich viele Unternehmer zwischen Basel und Lugano, zwischen St. Gallen und Genf ihre Firmen verkaufen. Und auch die Investitionstätigkeit ist derzeit weithin überschaubar.

Also blickt Oppersdorff zusammen mit 20 Partnern und den 70 Angestellten gerade besonders viel und oft nach Deutschland. Quarton, hervorgegangen aus einem Zusammenschluss mit Blue Corporate Finance, ist dort bereits mit Büros in Berlin, Leipzig und München präsent, plant jetzt aber, weitere Dependancen in Frankfurt, Düsseldorf und eventuell Stuttgart zu eröffnen. „Die deutsche Wirtschaft, speziell der Mittelstand, befindet sich in blendender Verfassung“, schwärmt Oppersdorff. „Da ist unheimlich viel in Bewegung, da wird tüchtig investiert – genau unsere Zielrichtung.“

Das klingt plausibel bis einleuchtend. Aber wartet der Mittelständler auf der Schwäbischen Alp wirklich auf Quarton, einen hierzulande bislang wenig bekannten Finanzdienstleister mit einem auch noch einigermaßen unaussprechlichen Namen, um vielleicht einen passenden chinesischen Investor zu finden – eine in den vergangenen Wochen vielfach beschriebene Liaison?

Bisher rund 500 Finanztransaktionen umgesetzt

Wenn Oppersdorff auf diese Frage antwortet, ist vom Quarton-Netzwerk die Rede, von technologischem Know-how und der unternehmerischen Erfahrung der Berater. „Bei uns stehen die Partner selbst am Herd und führen jeden Transaktionsschritt persönlich aus“, stellt der Graf klar.

Ist das bloßes Marketinggeklingel in eigener Sache? Mitnichten, wenn man sich in der Szene ein wenig umhört. „Quarton hat für uns beim Zugang zu den Finanzmärkten die Wirkung eines Steigbügelhalter gehabt“, heißt es bei einem Unternehmen aus der Zuliefererbranche, das Kapital für eine Expansion brauchte. Und ein Vermögensverwalter bei einer Tochter der Deutschen Bank ergänzt: „Nicht mehr ganz klein, aber sehr fein. Die haben schon den einen oder anderen Auftrag geholt, den unsere Bank auch gern gemacht hätte.“

Das alles klingt vielleicht ein bisschen vage, aber im diskreten Duktus des Geldgewerbes sind klarere Aussagen zur Konkurrenz kaum zu erwarten. In Zahlen ausgedrückt hat Quarton bisher etwa 500 Finanztransaktionen umgesetzt mit einem Gesamtvolumen von über zwölf Milliarden Euro. Zu den jüngeren Mandaten in Deutschland zählte der Verkauf von Kfzteile24 an den Finanzinvestor EQT sowie des IT-Dienstleisters PDV-Systeme an Aheim Capital. In mehr als 50 Prozent aller Abschlüsse gehen die von Quarton inszenierten Transaktionen an strategische Investoren wie Henkel, Ströer, Voest Alpine, Magna und Migros.

Ursprünglich aus Oberschlesien

Von derartigen Aufträgen erhofft sich Oppersdorff mit der Expansion nach Deutschland noch mehr. Der Graf, ein kräftiger, großgewachsener Mann, der gern und oft lacht, steht mit seiner Profession in direkter Linie zu seinem Vater Josef Ferdinand Graf von Oppersdorff, der einst nach dem Krieg als Generalbevollmächtigter bei Sal. Oppenheim die Frankfurter Niederlassung und in der Folge das Investmentbanking für die Kölner Zentrale maßgeblich mit aufbaute – das oft gebrauchte Wortspiel vom Geld-Adel bekommt hier eine wirklich wahre Bedeutung.

Ursprünglich stammt das Geschlecht der Oppersdorffs aus Oberschlesien, bevor die weit verzweigte Familie ihre weitläufigen Ländereien und schlossähnlichen Immobilien in der Heimat aufgeben musste und Richtung Westen übersiedelte.

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Heute lebt ein Teil der Familie auf Schloss Braunfels bei Wetzlar. Maximilan Oppersdorff, der mit Margerita, geborene Freiin von Bodman, verheiratet ist und vier Kinder hat, bewohnt ein Barockanwesen in Langenrain, auf einer Kuppe oberhalb des Bodensees. Hier hat seine Frau, die als Architektin arbeitet, ein weitläufiges Anwesen aus dem 17. Jahrhundert für die Familie umgestaltet.

Oppersdorff, wie so viele Mitglieder des katholischen Adels aktiv im Malteser-Orden, fährt von dort mehrmals in der Woche die 80 Kilometer Richtung Süden ins Züricher Büro. Demnächst soll es für ihn und seine M&A-Spezialisten öfter nach Norden gehen, vielleicht zu einem vitalen Mittelständler auf der Schwäbischen Alp.

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