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GeneralversammlungUBS-Führung sieht keine schnelle Abspaltung des Schweizgeschäfts der Credit Suisse

Auf der UBS-Generalversammlung versucht Colm Kelleher, den Aktionären der Bank die Angst vor der Großfusion zu nehmen. Wachsen wolle das Institut vor allem in der Vermögensverwaltung.Jakob Blume 05.04.2023 - 14:28 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die UBS könne weiterhin von ihrem Erbe und Fachwissen profitieren, so der UBS-Verwaltungsratspräsident.

Foto: Reuters

Basel. Nach der Notübernahme der Credit Suisse dämpft die UBS-Führung die Erwartungen an eine Abspaltung des lokalen Geschäfts des einstigen Konkurrenten. Auf entsprechende Forderungen aus dem Kreis der Aktionäre bei der Generalversammlung der UBS antwortete Lukas Gähwiler, Vizepräsident der UBS: „Eine Abspaltung könnte schwierig und finanziell weniger attraktiv sein als gemeinhin angenommen.“

Er verwies auf die komplexe IT-Architektur, den hohen Refinanzierungsbedarf und die fehlende internationale Anbindung. Man müsse daher realistisch bleiben, was die Aussichten für eine Ausgliederung angehe. „Fest steht: Die Marke Credit Suisse wird in der Schweiz auf absehbare Zeit bestehen bleiben.“

Er könne es jedoch verstehen, dass sich viele Mitarbeiter um ihre Zukunft sorgten. Für Spekulationen über einen möglichen Abbau von Arbeitsplätzen sei es jedoch viel zu früh, so Gähwiler. Auch wettbewerbsrechtlichen Bedenken trat er entgegen: „Es gibt in der Schweiz mit rund 250 Banken ausreichend Wettbewerb.“

Vincent Kaufmann, Chef der Ethos-Stiftung, die Aktionäre von Credit Suisse und UBS vertritt, hatte zuvor seine Forderung erneuert, die Credit Suisse solle abgespalten werden. „Wir sind besorgt über den neuen Bankriesen.“ Die Einnahmen einer Ausgliederung könnten als Sonderdividende an die UBS-Aktionäre ausgeschüttet werden.

Analysten hatten den Wert der Credit Suisse Schweiz auf acht bis zehn Milliarden Franken geschätzt. Ein anderer Aktionär nannte daher den Kaufpreis von 3,25 Milliarden Franken für die gesamte Bank eine „Demütigung“. Zuletzt war auch in der Schweizer Politik die Forderung nach einer Abspaltung des lokalen Bankgeschäfts der Credit Suisse aufgekommen.

UBS-Präsident Colm Kelleher stellte jedoch klar: „Die Credit Suisse wird fortan kein eigenständiges Unternehmen mehr sein.“ Der Chefaufseher schwor die Aktionäre auf eine lange Phase des Übergangs ein.

Finanzaufsicht fordert mehr Macht

Er prognostizierte, die Integration der beiden Geschäfte dürfte drei bis vier Jahre benötigen. Es sei eine Situation eingetreten, die niemand gewollt habe, so Kelleher. „Gleichzeitig bedeutet dies aber auch einen Neubeginn für die kombinierte Bank und den gesamten Schweizer Finanzplatz.“

Die Schweizer Regierung hatte Mitte März eine Notübernahme der Credit Suisse durch die Rivalin UBS orchestriert, nachdem ein Bankensturm das 167-jährige Institut an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hatte.

Die Präsidentin der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma), Marlene Amstad, sprach ebenfalls am Mittwoch erstmals öffentlich im Detail über die dramatische Rettungsaktion. Sie betonte, dass Aufseher und Politik neben dem Notverkauf auch eine geordnete Pleite der Bank erwogen hatten.

„Die Pläne waren vorbereitet“, sagte Amstad. Aus Sorge, eine Bankenkrise nicht nur nicht zu verhindern, sondern auf globaler Ebene loszutreten, habe man sich jedoch dagegen entschieden, sagte Amstad weiter.

„Die Pläne waren vorbereitet.“

Foto: Reuters

Finma-Direktor Urban Angehrn ergänzte: „Was wäre mit der Credit Suisse geschehen bei der Option Konkurs und Notfallplan? Die Holding Credit Suisse Group wäre untergegangen, ebenso das Stammhaus Credit Suisse AG mit all ihren Niederlassungen.“ Vom einst stolzen Dampfer Credit Suisse wäre in der Schweiz einzig noch das Rettungsboot Credit Suisse (Schweiz) AG übriggeblieben, weil dieses in der Schweiz systemrelevant sei.

Finma-Instrumente stoßen in Extremfällen an ihre Grenzen

Um ähnliche Notfälle künftig zu verhindern, fordert die Finma zusätzliche Kompetenzen. So will die Behörde unter anderem Strafen verhängen können, wie dies andere wichtige Aufsichtsbehörden können, sagte Finma-Verwaltungsratspräsidentin Marlene Amstad am Mittwoch.

„Die Finma besitzt keine Bußenkompetenz – sie ist damit im Vergleich mit anderen großen Finanzplätzen eine Ausnahme.“ Die Ereignisse um die Credit Suisse hätten gezeigt, dass die Instrumente der Behörde in extremen Fällen an ihre Grenzen stoßen. Deshalb sollte über einen Ausbau nachgedacht werden.

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Auch sollte über ein Senior Manager Regime diskutiert werden – also die verpflichtende Zuordnung individueller Verantwortlichkeiten von Führungsorganen. „Dies kann auch die Unternehmenskultur eines Instituts stärken, weil diese eng mit der klaren Zuteilung von Verantwortung und einer gesunden Toleranz für Risiken verbunden ist“, erklärte Amstad.

Amstad zufolge wäre es auch wünschenswert, dass die Finma über sogenannte Enforcement-Verfahren informieren könne, mit denen die Aufsicht Banken in Fällen von Missmanagement sanktioniert. Derzeit müssten die meisten Untersuchungen der Behörde gegen Banken geheim bleiben, auch um Banken nicht zusätzlich zu destabilisieren.

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„Die beiden Instrumente Buße und Senior Manager Regime sowie die Möglichkeit der aktiveren Kommunikation von abgeschlossenen Enforcement-Verfahren würden aus Sicht der Finma ihren insgesamt funktionierenden Instrumentenkasten ergänzen und komplementieren“, sagte die Verwaltungsratschefin.

Mit Material von Reuters.

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