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AllianzBafin stoppt Ermittlungen gegen Versicherung

Über Monate hat die Bafin wegen IT-Problemen gegen die Allianz ermittelt. Nun hat die Allianz zugesagt, wesentliche Mängel zu beheben, und die Aufseher sehen von weiteren Maßnahmen ab.Christian Schnell 27.09.2023 - 08:15 Uhr Artikel anhören

Eine Reihe von Maßnahmen an der hauseigenen IT sorgt dafür, dass der Versicherer mehr Geld für seine Risiken vorhalten muss.

Foto: AFP

München. Die Aufseher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sehen aktuell keinen Anlass mehr, weiterhin aufsichtsrechtlich gegen die Allianz zu vorzugehen. Das bestätigten mehrere mit dem Sachverhalt betraute Personen dem Handelsblatt.

Die Aufseher hatten in einem umfangreichen Feststellungskatalog „bedeutsame Verbesserungen“ gefordert, berichten die beteiligten Personen. Konkret ging es um die Bereiche Informationsrisikomanagement und das Identitäts- und Rechtemanagement. Dazu gehört unter anderem die Verwaltung der Zugriffsberechtigungen von Mitarbeitern auf IT-Anwendungen, die bei einem Wechsel in eine neue Abteilung oder zu einem anderen Unternehmen der Allianz umgehend angepasst werden müssen.

Auch zur Steuerung von IT-Projekten und der Entwicklung neuer Anwendungen gab es Beanstandungen. Hier habe die Bafin festgestellt, dass größere Projekte nicht kohärent abgestimmt waren, berichten die Personen. Nach Handelsblatt-Informationen ist die Allianz den Aufforderungen der Bafin zur Behebung der Feststellungen nachgekommen.

Die Versicherung wollte auf Nachfrage keine Stellung zu dem Fall beziehen. Die Bafin gab an, sich zu einzelnen Unternehmen grundsätzlich nicht zu äußern. Im Umfeld war jedoch zu vernehmen, dass die Behörde die Abarbeitung der Mängel eng kontrollieren werde und sich weitere aufsichtsrechtliche Maßnahmen vorbehält.

Allianz wendet Milliardenrisiko ab

Für die Allianz hätten Auflagen der Bafin im schlimmsten Fall bedeuten können, dass der Münchener Versicherer sein Solvenzkapital, das er für Risiken aus Versicherungsverträgen und Kapitalanlagen bereithält, hätte aufstocken müssen. Ende 2022 standen dafür 38,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Bei Beanstandungen wäre womöglich die Marke von 40 Milliarden Euro überschritten worden. Mehr Geld an dieser Stelle hätte andernorts für Investitionen gefehlt, fürchteten Investoren.

Unter anderem verlangten die Aufseher der Bafin, dass IT-Verantwortung und Governance bei der Konzernmutter Allianz SE nur an einer Stelle gebündelt werden, damit dort eine umfassende Steuerung und Prüfung stattfinden kann. Die Abteilung soll zentral im Bereich IT und Operations im Ressort von COO Barbara Karuth-Zelle angesiedelt sein. Dem sei die Allianz nun nachgekommen, heißt es von beteiligten Personen.

Die Umsetzung in der Praxis soll in den vergangenen Monaten allerdings „vereinzelt kompliziert“ gewesen sein, heißt es. Zwar hätte die Allianz schon unmittelbar nach Abschluss der Bafin-Prüfung „umfangreiche Maßnahmen“ ergriffen, anschließend habe die Bafin aber nochmals interveniert. Seitdem wurden besonders relevante Fragestellungen und identifizierte Risiken mit erheblichem zusätzlichen Ressourcenaufwand beschleunigt abgearbeitet, berichten Insider.

Die wesentlichen Risiken sollen nun bis zum Ende des Jahres behoben sein, für weitere Maßnahmen gibt es Fristen bis ins kommende Jahr. Wie aufwendig der Prozess zwischen Bafin und Allianz war, verdeutlicht auch der in diesem Zusammenhang lange Zeitrahmen von mehr als einem Jahr bis zum Abschluss der Prüfung.

Aufseiten der Allianz mussten bei der Bündelung der IT-Aufgaben auch die Sozialpartner einbezogen werden. Was auf den ersten Blick wie eine Selbstverständlichkeit klingt, barg in Teilen der Allianz Konfliktpotenzial.

Speziell der hauseigene Rückversicherer Allianz Re, der im Schnitt jeden dritten Euro aus dem Erstversicherungsgeschäft des Konzerns absichert, ist betroffen. Rund 60 der insgesamt gut 300 Mitarbeiter, darunter vor allem IT-ler und Projektmanager, wechselten von dort nun in den Bereich IT und Operations.

Bafin: Rüge an die Axa Krankenversicherung

Innerhalb der Branche kursierte die Allianz in den vergangenen Monaten als einer von insgesamt drei Namen, die von der Bafin im Rahmen der VAIT-Untersuchungen besonders geprüft wurden. Schon im Mai wurde bekannt, dass die Aufseher die Krankenversicherung der Axa gerügt haben.

„Eine Prüfung der IT-bezogenen Geschäftsorganisation hatte ergeben, dass die Ordnungsgemäßheit der Geschäftsorganisation nicht in allen geprüften Bereichen gegeben war“, hieß es in einer Stellungnahme der Behörde.

Erstmals wurde damit der Name eines beanstandeten Unternehmens veröffentlicht. Dabei wurde der Krankenversicherer der Axa dazu verpflichtet, die Solvenzquote zu erhöhen, da durch die Probleme in der IT ein zusätzliches Risiko bestehe. Die Höhe des Aufschlags nannte die Bafin allerdings ebenso wenig wie Details zu den Beanstandungen.

Bei der Allianz fallen die Anpassungen an die VAIT-Anforderungen zusammen mit großen Veränderungen in der hauseigenen IT. Durch die Transformationsprogramme Allianz Customer Model (ACM) und Business Master Platform soll die IT des Konzerns in Zukunft standardisiert und harmonisiert werden.

Auch Künstliche Intelligenz (KI) soll zum Einsatz kommen, heißt es aus der Allianz. Diese Transformationsmaßnahmen seien jedoch von den Bafin-Forderungen und den damit verbundenen Veränderungen nicht betroffen, heißt es unter Insidern.

Der Vorstandschef der Allianz sieht das Unternehmen auf einem guten Weg.

Foto: dpa

Die Umsetzung des IT-Umbaus ist in der Allianz ganz oben in der Führungsebene angesiedelt. Konzernchef Oliver Bäte, dessen Vertragsverlängerung im Oktober ansteht, hatte in der Vergangenheit stets betont, dass er im Umbau der IT eine Kernaufgabe sieht. Vom Ziel der durchgängigen Digitalisierung, das Bäte bei seinem Amtsantritt im Jahr 2015 ausgegeben hatte, ist der Konzern noch immer weit entfernt.

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Einer der Hauptgründe dafür ist laut Konzernkreisen, dass von den bisherigen über fünf Milliarden Euro und künftig wohl sechs Milliarden Euro, die jedes Jahr in die IT fließen, mehr als die Hälfte für den Bestand und Erhalt der Altsysteme ausgegeben wird. Übrig bleibt nur ein begrenzter Anteil für teure Neuerungen.

Erstpublikation: 25.08.2023, 13:06 Uhr.

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