1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Versicherer
  5. Allianz: Vor diesen vier Herausforderungen steht Oliver Bäte

AllianzVor diesen vier Herausforderungen steht Oliver Bäte

Der Allianz-Chef wird nach seiner erwarteten Vertragsverlängerung im Herbst wohl das operative Geschäft umbauen – und am Image arbeiten. Das dürfte auch der Aktie neue Perspektiven geben.Christian Schnell 08.08.2023 - 15:14 Uhr Artikel anhören

Sein Vertrag dürfte kürzlich verlängert werden.

Foto: Bloomberg

München. Oliver Bäte soll drei weitere Jahre an der Spitze von Europas größtem Versicherer stehen. Der Vertrag des langjährigen Allianz-Chefs soll im Herbst vom Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Michael Diekmann verlängert werden.

Dabei muss sich der erfahrene Manager einer Reihe neuer Herausforderungen stellen. In den kommenden Jahren dürfte der Münchener Versicherer den Schwerpunkt vor allem auf das operative Geschäft legen. Insbesondere soll die Qualität der eigenen Produkte weiter steigen.

Auch beim Thema Künstliche Intelligenz hat die Allianz klare Wünsche: Sie will die Risikoanalyse beschleunigen und einlaufende Daten effizienter nutzen. Begleitet wird dies vom umfassenden Umbau der IT.

Das dürfte auch der Allianz-Aktie neue Perspektiven geben. Denn noch immer lasten die Folgen der Structured-Alpha-Krise der Tochter AGI in den USA auf dem Kurs. Bis dieser Schock überwunden ist, wird es noch lange dauern. Viel zu tun also beim Versicherer. Die vier Herausforderungen für Oliver Bäte im Detail.

1. Allianz-Produkte: Der Vertrieb

Bekannt ist bereits, dass der Vertrieb der Allianz-Produkte in den kommenden Jahren anders strukturiert sein soll. Kern des Plans ist der Abschied vom bisherigen Produktvertrieb hin zu einer umfassenden Beratung, die weiter als das gewöhnliche Versicherungsgeschäft angelegt sein soll.

Damit das gelingt, braucht es neben einem breiten Wissen des Beraters die Unterstützung des Konzerns. Nach Informationen des Handelsblatts soll hierbei das Angebot an digitalen Schulungsmöglichkeiten ausgebaut werden. Allianz-intern spricht man von einem „Professionalisierungsschub“.

Deutschlandweit hat die Allianz rund 8000 Berater. Entgegen dem rückläufigen Branchentrend ist das Niveau seit Jahren stabil. Wegen des hohen Altersschnitts – die Hälfte ist älter als 50 Jahre – dürfte die Zahl der Berater in den kommenden Jahren jedoch zwangsläufig schrumpfen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Branche seit Längerem generell der Nachwuchs fehlt – auch weil der Ruf des Versicherungsberaters in Deutschland nicht der beste ist. Branchenweit ist die Zahl der Berater in Deutschland seit 2011 um rund ein Viertel gesunken, wie Verbandsdaten belegen.

Der Vertrieb der Allianz steht damit vor zwei bedeutenden Herausforderungen: Er muss einerseits genügend junge Leute für den Beruf des Beraters begeistern und diese anschließend gemeinsam mit dem bestehenden Stamm für die neuen Aufgaben qualifizieren.

2. Die Produktpalette der Allianz

Jahrelang galten die Produkte der Allianz als Mittelmaß. Wenn renommierte Produkttester wie die Zeitschrift „Finanztest" – der Ableger der Stiftung Warentest – die Branche untersuchten, dann belegten die Spitzenplätze meist die Wettbewerber.

Daran hat der Versicherer gearbeitet und fachliche Schwachstellen beseitigt – die Mühe hat sich wohl gelohnt. Inzwischen hat sich das Renommee der Allianz-Produkte im Konkurrenzvergleich deutlich gebessert. Als beispielsweise „Finanztest" im Juni Zahnzusatzversicherungen verglich, erhielt das Allianz-Produkt die Note „sehr gut“.

Das Top-Management ist damit aber nicht zufrieden. Die Konzernführung hat den Anspruch, dass in Zukunft alle Allianz-Produkte überdurchschnittlich gut getestet werden, heißt es aus dem Haus.

3. Allianz: IT und Künstliche Intelligenz

Gegenwärtig arbeitet die Allianz intensiv daran, die IT-Systeme des Vertriebs stärker an die Zentrale anzubinden. In Verkaufszahlen hat sich dieser Prozess aus Sicht der Konzernleitung noch nicht genügend niedergeschlagen.

„Es gilt, den Nachbrenner zu zünden“, verdeutlicht ein Top-Manager der Allianz gegenüber dem Handelsblatt. Deshalb werde man im Vertrieb auf veränderte Prioritäten bei der Auswahl der richtigen Führungskräfte setzen. „IT ist kein Hobby“, drückt es eine Person aus, die den Umbau eng begleitet.

Rethink Work

Arbeitsforscherin zu Hybrid Work: „Es schockiert mich, wenn Unternehmen sagen, kommt ins Büro, wann ihr wollt“

16.07.2023
Abspielen 48:48

Intern stehen weitere Veränderungen an. Auch die Allianz möchte sich durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten.

Dabei setzt der Versicherer künftig verstärkt auf sogenannte „unstrukturierte Daten“. Dabei handelt es sich um Telefonate und Briefe von Kunden, die noch immer tausendfach jeden Tag bei der Allianz eintreffen. Diese werden nicht von einem Computerprogramm erkannt und gefiltert, sondern müssen von Mitarbeitern bearbeitet werden. Mithilfe von KI soll dieser aufwendige Prozess automatisiert werden, heißt es im Haus. Das soll Zeit und Geld sparen, die frei werdenden Kapazitäten sollen effektiver eingesetzt werden.

Der Vertrieb der Produkte soll künftig anders strukturiert sein.

Foto: dpa

Daneben sollen Kunden bei Neuverträgen künftig weniger Fragen bei der Risikoeinschätzung beantworten müssen. Der Plan: Der Einsatz von KI soll eine gute Risikoanalyse ermöglichen bei gleichzeitig erheblich geringerem Aufwand für den Kunden. Für kleine und mittlere Geschäftskunden etwa soll das Risiko mithilfe von Bild und Text ihrer Webseite, den vorhandenen Kundendaten bei der Allianz sowie Geo- und Satellitendaten präzise vorhergesagt werden.

4. Aktionäre der Allianz: Structured Alpha – und die Last für die Aktie

Die Aktionäre der Allianz kennen das Phänomen seit mehr als vier Jahren: Kaum überschreitet der Aktienkurs der Marke von 220 Euro, kommen bei vielen Investoren Zweifel auf – und es geht erneut nach unten, wenngleich in dieser Zeit auch große Krisen wie die Pandemie, der Ukrainekrieg oder der massive Anstieg der Inflation gut verkraftet wurden.

Belastender für den Kurs sind im Moment noch immer die Auswirkungen der Structured-Alpha-Krise. Fehlspekulationen der Tochter Allianz Global Investors (AGI) in den USA zu Beginn der Coronapandemie kosteten den Konzern 5,8 Milliarden Euro an Strafen und Entschädigungen. Obwohl es schon im Mai vergangenen Jahres zu einer Einigung mit den Behörden kam, sind die Nachwirkungen auf den Aktienkurs noch immer spürbar.

Analysten sehen die Vorkommnisse um Structured Alpha noch immer als Hauptlast für die Aktie. Es werde drei bis dreieinhalb Jahre dauern, bis ein solcher Schock verwunden ist, heißt es in einer Studie des Analysehauses Autonomous. Sprich: Das AGI-Desaster bleibt bis ins Jahr 2025 ein wesentlicher Belastungsfaktor.

Verwandte Themen
Oliver Bäte
Bloomberg
USA
Deutschland
Stiftung Warentest

Die meisten Analysten sind optimistisch, dass die Allianz dennoch über die 220-Euro-Marke ausbricht. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten, die die Aktie laut dem Finanzdienst Bloomberg beobachten, liegt bei knapp 248 Euro und damit mehr als 17 Prozent über dem aktuellen Niveau von 211 Euro. 17 Analysten raten zum Kauf der Aktie, sechs dazu, sie zu halten. Nur ein Experte empfiehlt einen Verkauf.

Erstpublikation: 06.08.2023, 09:24 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt