Agrarkonzern: Durchsuchungen bei Ex-Baywa-Chef – Verdacht der Untreue
Berlin. Im Ermittlungsverfahren zur Krise des Agrarkonzerns Baywa hat die Staatsanwaltschaft Privaträume des früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und weiterer Beschuldigter durchsucht. Gegen Lutz werde wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, sagte ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörde in München am Donnerstag. Die Durchsuchungen in dem bereits seit dem vergangenen Jahr laufenden Ermittlungsverfahren hätten am Mittwoch stattgefunden.
Ein Sprecher von Lutz erklärte, dass dieser zur Aufklärung des Sachverhalts vollumfänglich mit den Behörden kooperiere. Auch ein Baywa-Sprecher sagte, das Unternehmen kooperiere weiter vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft.
Lutz hatte den Münchner Agrarkonzern von 2008 bis 2023 als Vorstandschef geprägt. Anschließend hatte er den Aufsichtsratsvorsitz übernommen, das Gremium aber 2024 überraschend verlassen. Auch Lutz' Nachfolger an der Vorstandsspitze, Marcus Pöllinger und zuletzt Frank Hiller, gingen vorzeitig.
Unternehmen soll entschuldet werden
Die Baywa steckt in einer tiefgreifenden Sanierung. 2024 wurde das Grundkapital durch den Verlust von 1,6 Milliarden Euro restlos aufgebraucht. Ein schuldenfinanzierter Expansionskurs im Ausland hatte das Traditionsunternehmen an den Rand der Pleite geführt.
Mit Verkäufen und der damit verbundenen Entschuldung soll aus einem weltumspannenden 24-Milliarden-Euro-Konzern 2028 ein Unternehmen werden, das im Agrar- und Baustoffhandel zehn Milliarden Euro umsetzt und mit 8000 Mitarbeitern 400 Millionen operatives Ergebnis erwirtschaftet.
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Die Staatsanwaltschaft München hatte im vergangenen Jahr Ermittlungen gegen diejenigen Vorstandsmitglieder eingeleitet, die für den Konzernlagebericht 2023 verantwortlich waren. Es gehe um die Darstellung der Finanzierungs- und Liquiditätsrisiken im Geschäftsbericht, hatte die Behörde im August mitgeteilt.
Bereits im November 2024 hatte die Finanzaufsicht Bafin den Jahresabschluss des Konzerns unter die Lupe genommen. Es lägen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass die BayWa gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen habe, hieß es damals.