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ZinsenSparkassen machen mehr Gewinn als Deutsche Bank und Commerzbank

Die Institute profitieren von der geldpolitischen Wende der EZB. Experten kritisieren, dass sie von den positiven Notenbankzinsen relativ wenig an ihre Kunden weitergeben.Elisabeth Atzler, Andreas Kröner 14.03.2024 - 16:25 Uhr
Sparkassen geben nur selten die höheren Zinsen vollständig an ihre Kunden weiter. Foto: dpa

Frankfurt. Die Sparkassen haben dank der gestiegenen Zinsen so viel verdient wie nie zuvor. Der Gewinn der 353 Institute habe sich im vergangenen Jahr auf 17 Milliarden Euro vervielfacht, teilte der Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am Dienstag mit. 

Von ihrem zu versteuernden Ergebnis steckten die Sparkassen 10,2 Milliarden Euro in ihre Vorsorgereserven – eine Art Puffer für schlechte Zeiten. Auch das ist ein Rekordwert. Der Vorsteuergewinn kletterte deshalb nur um 70 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro.

Damit schnitten die Sparkassen allerdings immer noch besser ab als die private Konkurrenz. Die Deutsche Bank machte im vergangenen Jahr einen Vorsteuergewinn von 5,7 Milliarden Euro, die Commerzbank von 3,4 Milliarden Euro. Wie die Sparkassen fuhren 2023 auch andere Geldhäuser Rekordgewinne ein, darunter die Commerzbank, die ING Deutschland sowie die Volks- und Raiffeisenbanken, die schärfsten Konkurrenten der Sparkassen.

Die Sparkassen sind in Deutschland Marktführer im Geschäft mit kleinen Unternehmen und privaten Kundinnen und Kunden. Die Zahl der privaten Girokonten stieg im vergangenen Jahr leicht auf gut 36 Millionen. Hinzu kommen fast fünf Millionen Konten für Geschäftskunden. Die Zahl der Beschäftigten stieg nach mehrjährigen Rückgängen 2023 wieder minimal an auf 191.042.  

Tagesgeldzinsen der Sparkassen weit unter Marktdurchschnitt

Der Hauptgrund für den Rekordgewinn der Sparkassen 2023 war der kräftig gestiegene Einlagezins der Europäischen Zentralbank (EZB). Geschäftsbanken erhalten aktuell vier Prozent Zinsen, wenn sie Geld über Nacht bei der Notenbank parken. Zudem sind die Zinsen von Anleihen gestiegen, in die viele Geldhäuser mit überschüssiger Liquidität investieren.

Die Sparkassen profitieren davon besonders stark, da sie über sehr viele Einlagen verfügen. Ihr Zinsüberschuss legte um 35 Prozent auf 28,4 Milliarden Euro zu. Ein Grund dafür ist, dass die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser verhältnismäßig wenig von den positiven Notenbankzinsen an ihre Kundinnen und Kunden weiterreichen. 

Im Sommer 2023 boten die Sparkassen laut Daten von Tagesgeldvergleich.net im Schnitt lediglich 0,3 Prozent Zinsen auf Tagesgeld. Der Branchendurchschnitt lag damals bei 1,2 Prozent. Michael Peters, der bei der Bürgerbewegung „Finanzwende“ den Bereich Finanzsystem und Realwirtschaft leitet, kritisiert das scharf.

„Sparkassen haben 2023 hohe Gewinne eingefahren, weil sie massiv von den gestiegenen Zinsen der Europäischen Zentralbank profitieren“, sagt Peters. „Es wird höchste Zeit, dass die Sparkassen die hohen Zinsen endlich an ihre Kunden weitergeben.“

Auch aktuell liegen die Tages- und Festgeldzinsen der Sparkassen nach Daten von Tagesgeldvergleich.net deutlich unter dem Marktdurchschnitt, besonders groß ist der Abstand bei Tagesgeld. Der Auswertung zufolge zahlen die Sparkassen im Schnitt 0,72 Prozent. Der Durchschnitt der 100 Banken, die Tagesgeldvergleich.net für seinen Vergleich heranzeiht, beträgt 2,08 Prozent.

Laut Oliver Maier, Geschäftsführer bei Verivox Finanzvergleich, zahlt aktuell nicht einmal ein Viertel der Sparkassen Tagesgeldzinsen von mindestens einem Prozent. „Natürlich können regionale Kreditinstitute mit einem teuren Filialnetz nicht die höchsten Zinsen im gesamten Markt anbieten“, sagt Maier. „Doch dass im aktuellen Marktumfeld bei der großen Mehrheit nicht einmal ein Prozent drin sind, ist aus Sicht der Sparer nur noch schwer verständlich.“

Kundeneinlagen bleiben stabil

Reuter wies die Kritik zurück. „Wir meinen, dass die Sparkassen nicht mit Zinsen knausern“, sagte er. Kunden könnten bei allen Sparkassen gut verzinste Produkte über verschiedene Laufzeiten abschließen. Die Sparkassen strebten jedoch keine Preisführerschaft an. Für die Altersvorsorge seien Investitionen in Wertpapiere ohnehin sinnvoller als  Tagesgeldangebote. „Ich glaube nicht an eine Geldanlage im Tageszinsbereich“, betonte Reuter.

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12.03.2024
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Die Kundinnen und Kunden seien mit den Zinsangeboten der Sparkassen zudem „überwiegend zufrieden“, sagte der DSGV-Chef. Die Einlagen sanken im vergangenen Jahr lediglich um 0,5 Prozent auf 1,15 Billionen Euro. Laut Reuter ist der leichte Rückgang nicht auf auf höhere Zinsangebote von privaten Konkurrenten zurückzuführen. Vielmehr hätten einige Kunden angesichts der gestiegenen Preise für Energie und das tägliche Leben auf ihre Einlagen zurückgreifen müssen.

Als Alternative zu Tages- und Festgeld haben die Sparkassen ihren Kundinnen und Kunden 2023 vielfach kurzfristige Zertifikate, meist so genannte Zinsanleihen, mit einem festen Zins verkauft. Der Absatz von festverzinslichen Wertpapieren, Zertifikate und Anleihen, kletterte auf 26 Milliarden Euro.

Angaben zur durchschnittlichen Verzinsung der Zinsanleihen machte der DSGV nicht. Sie dürfte deutlich unter den Zinsen gelegen haben, die Verbraucher für Tagesgeld bei anderen Banken erhalten konnten. Reuter geht aber davon aus, dass der Zertifikateabsatz etwas nachlassen werde. Es gebe mehrere Faktoren, die für eine Reduzierung des Zertifikatebsatzes sprächen. „Das ist aus meiner Sicht auch nicht schädlich.“

Die hohen Gewinne der Sparkassen 2023 sind aus Reuters Sicht „kein Grund zur Euphorie“. Schließlich sei auch das Geschäftsvolumen, das die Sparkassen an der durchschnittlichen Bilanzsumme messen, in den vergangenen Jahren gestiegen. Der Zinsüberschuss habe im vergangenen Jahr 1,9 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme entsprochen und damit 0,18 Prozentpunkten weniger als 2013, sagte er. Zudem rechneten die Sparkassen im laufenden Jahr „wieder mit einem Rückgang des Zinsergebnisses“.

Ulrich Reuter: Der neue Präsident des DSGV führt seit etwa zwei Jahren die bayerischen Sparkassen. Foto: IMAGO/Stephan Görlich

Bedenklich findet Reuter die rückläufige Kreditnachfrage in Deutschland. „Die Sparkassen sind in ihrer Geschäftsentwicklung ein Spiegelbild Deutschlands“, sagte der DSGV-Chef, der seit Jahresbeginn im Amt ist und zuvor an der Spitze des bayerischen Sparkassenverbands stand. „Deshalb ist die wirtschaftliche Entwicklung natürlich auch in unseren Zahlen sichtbar.“

Im vergangenen Jahr vergaben die Sparkassen 28 Prozent weniger Kredite an Unternehmen und Selbstständige als 2022. „Wir rechnen auch in diesem Jahr nicht mit einer signifikanten Belebung des Unternehmenskreditgeschäfts“, so Reuter.

In der wichtigen Baufinanzierung ging das Neugeschäft im vergangenen Jahr um 44 Prozent zurück. Auch der Kreditbestand sank leicht auf 385 Milliarden Euro. Anfang des Jahres hat die Kreditvergabe jedoch wieder zugelegt, weshalb Reuter von einem „leichten Silberstreif am Horizont“ sprach. „Es ist zu früh, daraus eine Trendwende abzuleiten. Allerdings scheint zumindest die Talsohle durchschritten“, sagte der Sparkassenpräsident.

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Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite schnellte im vergangenen Jahr von 500 Millionen Euro auf 2,3 Milliarden Euro nach oben. Reuter rechnet damit, dass es im laufenden Jahr „infolge der Wirtschaftsflaute noch zu weiteren Wertberichtungen kommen“ wird. „Wir rechnen aber nicht mit einer spürbaren Insolvenzwelle bei unseren Firmenkunden.“

Erstpublikation: 12.03.2024, 11:15 Uhr.

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