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Donald TrumpUS-Inflation steigt im Januar überraschend auf drei Prozent

Die aktuellen Daten zur Teuerungsrate stützen den Kurs des Fed-Chefs Jerome Powell. Fraglich ist jedoch, wie inflationär die Zollpolitik des neuen US-Präsidenten künftig wirken wird.Astrid Dörner, Felix Stippler 13.02.2025 - 09:01 Uhr Artikel anhören
Menschen auf einer Einkaufsstraße in New York: Die Verbraucherpreise in den USA sind gestiegen. Foto: Moment/Getty Images

New York, Düsseldorf. Neue Preisdaten in den USA haben die Hoffnung der Anleger auf Zinssenkungen vorerst zunichtegemacht. Die Verbraucherpreise in den USA sind im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat überraschend um drei Prozent gestiegen, wie Daten des US-Arbeitsministeriums zeigen. Damit hat die Teuerungsrate im Vergleich zum Dezember leicht zugelegt.

Die viel beachtete Kerninflation betrug im Januar 3,3 Prozent und lag damit über der Schätzung der Experten. Sie klammert die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel aus und gilt deshalb als wichtiger Indikator für den mittelfristigen Gesamttrend der Inflation.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten erwartet, dass die Inflation im Januar nur bei 2,9 Prozent liegen würde. Auf dieses Niveau war sie bereits im Dezember gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat sind die Verbraucherpreise im Januar um 0,5 Prozent gestiegen und damit ebenfalls stärker als erwartet. Der Vergleich zum Vormonat wird von den Finanzmärkten als Signal für die kurzfristige Inflationsdynamik stark beachtet.

An den Märkten reagierten die Anlegerinnen und Anleger daher verunsichert auf die überraschend höheren Inflationsdaten. Der Leitindex Dow Jones lag zum Börsenstart in New York 0,9 Prozent im Minus. Der breit gefasste S&P 500 gab gut ein Prozent nach. Am tiefsten notierte der technologielastige Nasdaq mit einem Minus von 1,1 Prozent.

Die Rendite der wichtigen zehnjährigen US-Staatsanleihe zog an auf 4,62 Prozent. Der Dollar legte gegenüber einem Korb globaler Währungen ebenfalls zu.

Frankfurter Börse: Der deutsche Leitindex reagierte empfindlich auf die US-Inflationsdaten. Foto: Deutsche Börse

Drew Matus, Marktstratege von Metlife Investment, sagte: „Das sind sehr enttäuschende Daten für die Fed und für die Märkte.“ Er fügte im US-Börsensender CNBC hinzu: „Viele hatten darauf gehofft, dass sich die Inflation weiter abschwächt.“ Und in den Daten von Januar seien die Effekte der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump noch gar nicht berücksichtigt.

Als besonders hartnäckig erweisen sich nach wie vor die Preise der US-Dienstleistungen. Sie sind im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als vier Prozent gestiegen. So verteuerten sich unter anderem die Kosten für Kfz-Versicherungen, Flugtickets und Hotelübernachtungen.

Die Wohnkosten, die innerhalb der Dienstleistungen besonders stark ins Gewicht fallen, stiegen ebenfalls erneut an. Ökonomen hatten im Vorfeld gehofft, dass dieser Bereich weiter sinken und die Inflationsdaten entspannen würde. Doch das war nicht der Fall.

Auch der Anstieg der Lebensmittelpreise setzt den Verbrauchern zu. Dieser lag zum Jahresbeginn bei 2,5 Prozent. Hier zeigen sich auch die Effekte der Vogelgrippe in den USA. Eierpreise stiegen um gut 15 Prozent an, es war der größte Zuwachs seit Juni 2015.

Die US-Amerikaner scheinen in den kommenden Monaten weiterhin mit einer steigenden Inflation zu rechnen. Einer Umfrage der University of Michigan zufolge erwarten die US-Haushalte, dass die Teuerungsrate bis zum kommenden Jahr auf 4,3 Prozent steigt.

Die Inflationsdaten vom Mittwoch sind die ersten in Donald Trumps neuer Amtszeit als US-Präsident. Trump hatte im Wahlkampf mehrfach versprochen, die Inflation zu bekämpfen, und hat die Notenbanker der Federal Reserve (Fed) rund um Jerome Powell wiederholt angegriffen.

Kommentar

Das war’s mit den Zinssenkungen in den USA

Frank Wiebe

Am Mittwoch gab Trump seinem Vorgänger die Schuld an den Daten: Die „Biden-Inflation“ sei gestiegen, schrieb der Republikaner in seinem sozialen Netzwerk Truth Social. Trump zog am 20. Januar erneut ins Weiße Haus ein, der Großteil der Daten fiel damit noch in die Amtszeit seines Vorgängers Joe Biden. Kurz vor der Veröffentlichung der Zahlen am Mittwoch hatte Trump erneut niedrigere Zinsen gefordert, die besser mit seiner Zollpolitik zusammenpassen würden.

Zu Jahresanfang fallen die Inflationsdaten häufig höher aus, da Unternehmen zu dieser Zeit in der Regel ihre Preise anpassen. Dennoch bleibe der Eindruck, dass die Teuerung in den USA hartnäckiger sei als vielfach vermutet, schreiben die Analysten von der Commerzbank. „Die heutigen Zahlen dürften für Ernüchterung sorgen“, meinen sie.

Die aktuelle Lage stützt den abwartenden Kurs der Fed. Erst am Dienstag hatte Powell in einer Kongressanhörung betont, dass es die Fed mit weiteren Zinssenkungen nicht eilig habe. „Eine zu schnelle oder zu starke Lockerung“ der Geldpolitik könne Fortschritten beim Kampf gegen die Inflation im Wege stehen, sagte Powell. Die Geldpolitik sei insgesamt gut aufgestellt, um mit Risiken und Unsicherheiten umzugehen.

Bis zur nächsten Fed-Sitzung Mitte März wird die Notenbank noch eine Reihe von weiteren Inflations- und Arbeitsmarktdaten bekommen, um ihren weiteren Zinskurs festzulegen. Powell betonte am Mittwoch, er werde alle Effekte von Trumps Wirtschaftspolitik berücksichtigen. Die Notenbanker müssten auch bedenken, wie sich etwa der Abbau der Staatsausgaben und die geplante Deregulierungsoffensive auf die Wirtschaft und die Preise auswirken, so Powell.

Zinserwartungen angepasst

Zinshändler haben Erwartungen an die Zinspolitik nach den Daten vom Mittwoch erneut merklich angepasst. So sank die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Juli, wie aus Daten der Derivatebörse CME hervorgeht. Die nächste Zinssenkung wird nun mehrheitlich erst Ende Oktober erwartet. Noch im Dezember hatten viele vier Zinsschritte für möglich gehalten.

Die Fed hatte bei ihrer jüngsten Sitzung Ende Januar eine Zinspause eingelegt. Im vergangenen Jahr hatte sie den Leitzins um insgesamt einen Prozentpunkt auf die derzeitige Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent gesenkt.

Powell zufolge sei es derzeit noch zu früh, um abzuschätzen, wie sich die Zollpolitik Trumps auf die Wirtschaft und die Inflation auswirken werde. Trump hat bereits Zölle auf Einfuhren aus China eingeführt, was unmittelbar Vergeltungsmaßnahmen der Volksrepublik auslöste.

Erst am Montag kündete er dann Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte an. Zölle auf Einfuhren aus Kanada und Mexiko hatte der Republikaner zunächst angekündigt und dann kurzfristig für 30 Tage ausgesetzt.

Wie inflationär ist die Zollpolitik?

Unter Ökonomen wird unterdessen intensiv darüber diskutiert, wie stark die Zölle die Inflation tatsächlich antreiben würden. So gehen Experten von Goldman Sachs davon aus, dass die Auswirkungen vergleichsweise „moderat sein werden und einen einmaligen Effekt haben“, wie es in einer aktuellen Analyse heißt. Das würde nicht verhindern, dass sich die Inflation unterm Strich weiter abschwäche.

Harvard-Ökonom Larry Summers indes fürchtet, dass die Preise demnächst erneut deutlich anziehen könnten. Dies sei „der wahrscheinlich heikelste Moment für eine Eskalation der Inflation“ seit 2021, als die Fed zu spät damit begann, die Zinsen anzuheben, und eine Inflationswelle auslöste.

Der frühere US-Finanzminister verwies am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg auf die durchschnittlichen Stundenlöhne, die im Monatsvergleich um 0,5 Prozent gestiegen waren und damit alle Prognosen übertrafen.

Handelsblatt Today

US-Inflation steigt überraschend auf drei Prozent

12.02.2025
Abspielen 22:18

Trumps Einwanderungspolitik und die Massenabschiebungen könnten dazu führen, dass günstige Arbeitskräfte fehlen und die Löhne weiter ansteigen, was wiederum auch die Preise antreibt. Hinzu kämen dann noch die Preiseffekte der geplanten Zölle. Die Fed müsse daher derzeit besonders wachsam sein. Summers hält es für durchaus denkbar, dass der nächste Zinsschritt der Fed keine Senkung, sondern eine Erhöhung sein wird.

Investoren stehen nun vor einer komplizierten Ausgangslage. Die ökonomischen Daten könnten in den kommenden Wochen in unterschiedliche Richtungen zeigen, bis die Effekte von Trumps Wirtschaftspolitik endgültig in der Wirtschaft ankommen. Das könnte zu zusätzlicher Volatilität führen, sagte Anastasia Amaroso, Chefstrategin beim Vermögensverwalter iCapital im US-Börsensender CNBC. Unklar sei, ob die Notenbanker die Inflation zunächst etwas ansteigen lassen, weil sie von Einmaleffekten ausgehen.

Jerome Powell bei einer Pressekonferenz: Der Fed-Chef will es mit den Zinssenkungen nicht eilig haben. Foto: AFP

Kapitalmarktexperte Mohamed El-Erian zufolge müsste die Fed die Zinsen nun eigentlich erneut anheben, „wenn sie es wirklich ernst meint mit ihrem Inflationsziel von zwei Prozent“, schrieb er bei Bloomberg.

Realistischer ist laut ihm jedoch, dass die Notenbanker die Zinsen noch viel länger konstant halten werden, als Investoren derzeit erwarten. Somit würde sie das Wirtschaftswachstum stützen und damit auch die dominierende wirtschaftliche Stellung der USA.

Unter CEOs wuchs indes zuletzt der Unmut über Trumps Zollpolitik. So warnte Ken Griffin, CEO des Hedgefonds Citadel, am Dienstag eindringlich vor den negativen Auswirkungen von Trumps Zollstrategie. „Aus meiner Sicht ist der Schaden durch die bombastische Rhetorik bereits angerichtet“, sagte Griffin am Dienstag auf einer Branchenkonferenz.

„Es ist ein riesiger Fehler, auf so eine Rhetorik zurückzugreifen, wenn man über Deals verhandelt“, so Griffin, der für Trump gestimmt hat und schon lange ein großer Geldgeber der Republikanischen Partei ist. Bei CEOs und Politikern „setzt sich damit fest, dass sie sich nicht auf die USA als Handelspartner verlassen können.“

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Ford-Chef Bill Farley kritisierte am Dienstag ebenfalls Trumps Verhandlungsstrategie: „Präsident Trump hat viel darüber gesprochen, unsere Autoindustrie zu stärken, mehr Produktion und mehr Innovation in die USA zu bringen. Wenn diese Regierung das erreichen kann, wäre das eine ihrer größten Errungenschaften“, so Farley. „Bisher sehen wir jedoch nur hohe Kosten und viel Chaos.“

Erstpublikation: 12.02.2025, 17:43 Uhr.

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