Großbritannien: Bank of England lässt Leitzins unverändert
London. Die Leitzinsen in Großbritannien bleiben vorerst bei 4,5 Prozent. Das hat am Donnerstag der geldpolitische Ausschuss der Bank of England (BoE) entschieden. Die Notenbanker begründeten ihre Zinspause mit anhaltenden Risiken für Wachstum und Preisstabilität. Die Entscheidung fiel mit einer Mehrheit von acht zu eins Stimmen. Die BoE hatte die Leitzinsen seit dem Sommer vergangenen Jahres dreimal gesenkt.
Die Notenbank folgt damit dem Beispiel der Federal Reserve in den USA, die ihren Leitzins am Mittwoch ebenfalls unverändert zwischen 4,25 und 4,5 Prozent belassen hatte. Anders die Schweizer Nationalbank: Die Eidgenossen senkten ihren Leitzins am Donnerstag um 25 Basispunkte auf 0,25 Prozent.
Die Märkte reagierten kaum auf die Zinspause in Großbritannien, die von den Anlegern weithin erwartet worden war. Im laufenden Jahr rechnen die Investoren mit zwei oder drei weiteren Zinssenkungen, die nächste Lockerung könnte demnach im Mai kommen.
Stagflation wird zum Dilemma für die BoE
„Es herrscht derzeit eine große wirtschaftliche Unsicherheit“, begründete BoE-Chef Andrew Bailey die Zinspause. „Wir sind aber immer noch der Meinung, dass die Zinssätze allmählich sinken werden.“ Die britischen Notenbanker halten damit an ihrem Kurs fest, die Leitzinsen „graduell und vorsichtig“ zu senken. Grund für das behutsame Vorgehen ist, dass die britische Wirtschaft nach wie vor mit einem Stagflationsrisiko kämpft. Im Januar war die Wirtschaftsleistung überraschend um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken.
„Sollte es zu einer größeren oder länger anhaltenden Nachfrageschwäche im Verhältnis zum Angebot kommen“, erklärten die Notenbanker, könne dies den Inflationsdruck verringern und einen weniger restriktiven Kurs (…) rechtfertigen. Käme es dagegen umgekehrt zu einem Nachfrageüberhang und die Löhne und Gehälter würden weiter ansteigen, „würde dies einen relativ strafferen geldpolitischen Kurs rechtfertigen“.
Die Inflation in Großbritannien lag mit drei Prozent im Januar deutlich über dem Zielwert der Notenbank von 2,5 Prozent. Die BoE rechnet mit einem weiteren Anstieg auf bis zu 3,7 Prozent. Ein Preistreiber ist das unverändert starke Wachstum von Löhnen und Gehältern. Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde ONS stiegen die durchschnittlichen Wochenverdienste in den drei Monaten bis Januar unverändert mit einer Jahresrate von 5,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,4 Prozent.
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„Die Stimmung auf dem britischen Arbeitsmarkt ist nicht gut“, warnen die Ökonomen der niederländischen Großbank ING. Umfragen deuteten darauf hin, dass die Unternehmen sich bei Neueinstellungen stark zurückhielten und es in einigen Fällen zu Entlassungen komme. Die Volkswirte führen das unter anderem auf die ab April steigenden Arbeitgeberbeiträge zur britischen Sozialversicherung (National Insurance) zurück. „Der Arbeitsmarkt stellt für Arbeitgeber, die mit Fachkräftemangel, höheren Lohnkosten und der bevorstehenden Erhöhung der Lohnsteuern zu kämpfen haben, nach wie vor eine große Herausforderung dar“, sagte Jane Gratton von der British Chambers of Commerce.
Erschwert wird die Kursbestimmung der Notenbanker zudem durch die anhaltende Verunsicherung über mögliche Importzölle in den USA. „Seit der letzten Sitzung hat sich die weltweite handelspolitische Unsicherheit verstärkt, und die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Zöllen angekündigt, auf die einige Regierungen reagiert haben“, schreiben die britischen Notenbanker. Auch andere geopolitische Unsicherheiten hätten zugenommen. Die BoE verwies dabei auch auf die Pläne der deutschen Regierung für eine umfassende Reform der Schuldenbremse.
US-Strafzölle sorgen für weitere Unsicherheit
Die britische Regierung versucht durch Verhandlungen mit der Trump-Regierung, Ausnahmen von den Sanktionen für das Königreich zu erreichen. Die von US-Präsident Donald Trump erlassenen Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte gelten jedoch auch für Einfuhren aus Großbritannien.
Notenbankchef Bailey warnte zuletzt vor einem „substanziellen Risiko“ für die britische Wirtschaft. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für Großbritannien gerade von 1,7 auf 1,4 Prozent für 2025 gesenkt.