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  4. China droht die Deflation: Verbraucherpreise im September unverändert

VolksrepublikChina verharrt am Rande einer Deflation

Chinas Haushalte bleiben sparsam und gefährden damit die Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Gestoppt ist dagegen der Abwärtstrend bei den Exporten.Sabine Gusbeth 13.10.2023 - 07:49 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Preise in China haben sich zuletzt nicht verändert.

Foto: AP

Peking. Die goldene Woche Anfang Oktober ist nicht nur eine der Hauptreisezeiten in China, sondern normalerweise auch eine Zeit, in der die Chinesen besonders spendierfreudig sind. Doch obwohl nun zum ersten Mal seit dem Ende der Coronarestriktionen Reisen wieder bedenkenlos möglich waren, gaben die Verbraucher weniger aus als von der Staatsführung prognostiziert. Seit dem Ende der Zero-Covid-Politik hat sich der Konsum zwar langsam und stetig erholt, sich aber anders als erhofft, nicht zum Konjunkturtreiber entwickelt.

Die schwache Nachfrage spiegelt sich auch in den Verbraucherpreisen wider. Diese stagnierten im September, wie die Statistikbehörde NBS am Freitag bekannt gab. Experten hatten einen leichten Anstieg erwartet. Damit verharrt China am Rande einer Deflation.

Die meisten Ökonomen halten dies für gefährlicher als Inflation. Wenn Verbraucher und Unternehmen sinkende Preise erwarten, schieben sie Investitionen weiter auf, was wiederum das Wachstum schwächt.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erholt sich deutlich langsamer von den Folgen der rigorosen Coronapolitik als  erwartet. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft lediglich um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Als wichtigster Grund gilt die anhaltende Krise im Immobiliensektor, der in den Vorjahren direkt und indirekt bis zu einem Drittel zur Wirtschaftsleistung beigetragen hat. Die Daten für das dritte Quartal sollen am Mittwoch veröffentlicht werden. Experten erwarten eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorquartal.

Chinas Außenhandel ist weiter geschrumpft

In den vergangenen Wochen mehrten sich die Hinweise, dass die chinesische Wirtschaft sich stabilisiert. Darauf deuten auch die ebenfalls am Freitag veröffentlichten Außenhandelszahlen hin. Zwar sanken die Exporte und Importe um jeweils 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie die Zollbehörde bekannt gab. Allerdings hat sich der Rückgang, wie schon in den Vormonaten, weiter verlangsamt.

Insbesondere bei den Exporten dürfte der schwache Yuan stützend wirken. Die chinesische Währung hat gegenüber dem Dollar seit Januar rund acht Prozent abgewertet

Die Handelsdaten untermauerten, was die Inflationsdaten nahelegten, betont Michael Pettis, Finanzprofessor an der renommierten Peking-Universität: „Die chinesische Wirtschaft erholt sich von der schrecklichen ersten Hälfte des Jahres 2023, aber gerade eben so.“ Er verweist auf die anhaltend schwache Binnennachfrage, die sich in dem hohen Handelsbilanzüberschuss vom September zeige. 

Experten sehen langsame Erholung

Der Experte hält es allerdings für „einen Fehler zu sagen, dass sich China in einer Deflation befindet“. Im September seien die Verbraucherpreise den zweiten Monat in Folge im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Das sei zwar „nicht großartig“, passe aber zu dem Eindruck einer „langsamen, wenn auch temporären Erholung der Wirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahres 2023“.

>> Lesen Sie auch: Woher kommt Chinas Krise?

Die Entwicklung der Verbraucherpreise ist auch eine Folge der Immobilienkrise. Da weniger Wohnungen gebaut werden, sinkt die Nachfrage nach Rohstoffen, aber auch Einrichtungsgegenständen. Hinzu kommt die Vertrauenskrise der Haushalte, deren Vermögen zu schätzungsweise zwei Dritteln in Immobilien steckt. Viele versuchen nun, ihre Kredite schnellstmöglich abzubezahlen oder legen Geld zurück. Mit größeren Anschaffungen halten sie sich hingegen zurück.

Die Staatsführung will nun, dass die Chinesen stärker in Aktien und Fonds investieren statt in Immobilien. Steigende Kurse sollen die Verbraucher spendierfreudiger machen.

Zuletzt mehrten sich die staatlichen Stützungsmaßnahmen für die Kapitalmärkte. Mitte der Woche war bekannt geworden, dass der Staatsfonds Central Huijin Investment erstmals seit dem Börsencrash 2015 Aktien von Chinas größten Banken gekauft hat. Insgesamt scheint die Staatsführung davon überzeugt zu sein, dass die Vertrauenskrise der Konsumenten schon bald überwunden sein könnte. 

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Für das Gesamtjahr strebt die chinesische Führung ein Wachstum von rund fünf Prozent an. Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Probleme hat sie, anders als während der Finanzkrise 2008, kein großes Konjunkturpaket verabschiedet. Denn seither war das Wachstum stark von Investitionen in Infrastruktur und Immobilien getrieben.

Ökonomen warnen bereits seit Längerem, dass dieses Wirtschaftsmodell nicht nachhaltig ist. Staats- und Parteichef Xi Jinping hat eine Abkehr von diesem „fiktiven“ Wachstum geschworen und die Chinesen zu „historischer Geduld“ aufgerufen. 

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