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HousesittingWorauf Sie beim kostenfreien Urlaub achten sollten

Aus dem Handelsblatt-Archiv: Housesitter kümmern sich um Immobilien und Tiere abwesender Eigentümer. Dafür wohnen sie gratis in teils luxuriösen Anwesen. Diese Tipps sollten Anfänger beachten.Eva Kafke 09.09.2025 - 09:35 Uhr Artikel anhören
Urlaub in der Traumvilla: Housesitter wohnen kostenfrei in den Anwesen ihrer Gastgeber. Foto: IMAGO/Zoonar

Berlin. Vanessa Lindner hat im Housesitting ihr Lebensmodell gefunden. Seit gut drei Jahren lebt sie in den Wohnungen von verreisten Eigentümern, betreut deren Tiere und arbeitet im Homeoffice als Event-Managerin. Gut zehn Orte in aller Welt hat sie so mittlerweile kennengelernt, meist blieb sie dort für mehrere Wochen und Monate.

Auch Theresa Auth und ihr Partner Christopher Keidel haben Gefallen am Housesitting gefunden. Beide waren als Rechtspfleger verbeamtet. Vor mehr als zwei Jahren haben sie jedoch ihren Reiseblog zum Haupterwerb gemacht und eine Langzeit-Weltreise gestartet. Schon auf der ersten Etappe entschieden sie, sich nach Housesitting-Möglichkeiten umzusehen.

Seither haben die beiden knapp 15 Häuser nebst tierischen Bewohnern gehütet. „Wir schätzen es sehr, so zu leben wie die Einheimischen – in einem nicht-touristischen Viertel, wo wir auch mit den Nachbarn ins Gespräch kommen können“, sagt Reiseblogger Keidel. „Toll ist, wenn wir die Gastgeber einen Tag lang kennenlernen dürfen. Viele dieser Kontakte bleiben. Wir haben inzwischen Freunde in der ganzen Welt.“

Wie funktioniert Housesitting?

Als langfristiges Wohnmodell taugt Housesitting nicht für jedermann. Es ist jedoch für viele ein spannendes Urlaubskonzept: Man lebt für einen begrenzten Zeitraum mietfrei im Haus von Menschen, die verreist, beruflich unterwegs oder in einer Reha sind. Im Gegenzug übernehmen die Housesitter vereinbarte Aufgaben – leeren etwa den Briefkasten, gießen die Blumen oder stellen die Mülltonnen in die Einfahrt. In aller Regel gehört auch die Betreuung von Haustieren dazu.

Die Eigentümer können so beruhigt verreisen, während die Haushüter kostengünstig eine authentische Umgebung kennenlernen. Vor allem im englischsprachigen Raum ist Housesitting weit verbreitet.

Wir schätzen es sehr, so zu leben wie die Einheimischen – in einem nicht-touristischen Viertel, wo wir auch mit den Nachbarn ins Gespräch kommen können.
Christopher Keidel
Reiseblogger

Gastgeber und Haushüter finden sich über Instagram und Facebook, vor allem jedoch auf Online-Vermittlungsplattformen. Dort präsentieren Gastgeber in Form von Steckbriefen mit Text und Fotos ihr Zuhause, ihre Tiere, die gewünschten Leistungen und den Zeitraum ihrer Abwesenheit. Interessierte können sich auf die Angebote bewerben. „Man bucht Housesitting nicht wie eine Ferienwohnung. Eine Plattform bringt Hauseigentümer und Housesitter zusammen. Das Miteinander gestalten die beiden Seiten dann in eigener Verantwortung“, erklärt Vanessa Lindner.

Welche Plattformen für Housesitting und Wohnungstausch gibt es?

Anders als Social-Media-Plattformen geben die spezialisierten Portale ein strukturiertes Format der Anzeigen vor. Das erleichtert Neulingen den Einstieg. Markführer unten den Plattformen sei „TrustedHousesitters mit einem sehr differenzierten Modell, einer großen Auswahl, aber eben auch viel Konkurrenz unter den Housesitting-Bewerbern“, sagt die erfahrene Haushüterin Lindner. Die meisten Plattformen agieren international. Im französischsprachigen Raum hat Nomador ein besonders breites Angebot, HouseSitMatch hat einen regionalen Schwerpunkt auf Großbritannien.

Bei den allermeisten Portalen kann man sich ohne vorherige Anmeldung einen Überblick über aktuelle Housesitting-Angebote verschaffen. Bei Housecarers und Nomador gibt es eine kostenlose Schnuppermitgliedschaft. Mit ihr können Interessierte ihr Profil veröffentlichen und die Reaktionen darauf testen, sich aber noch nicht auf Angebote bewerben.

Die Kosten für eine Basis-Jahresmitgliedschaft auf den Portalen lagen Ende September 2024 zwischen 26 Euro (MindMyHouse) und 119 Euro (Trustedhousesitting). Sie umfasst eine beliebige Zahl weltweiter Kontaktaufnahmen. Viele Portale bieten darüber hinaus ein abgestuftes Tarifsystem mit teureren Mitgliedschaftsmodellen, die beispielsweise erweiterte Möglichkeiten bei der Profildarstellung, Beratung für die Mitglieder oder Versicherungen enthalten können.

Für das Housesitting selbst zahlen die temporären Bewohner in der Regel nichts – es handelt sich um ein unentgeltliches Tauschgeschäft.

Wie erkennen Housesitter ein passendes Angebot?

Wer als Haushüter aktiv werden möchte, sollte zunächst ein Profil erstellen. „Im Wettbewerb mit anderen Housesittern gerade um begehrte Standorte wie London oder Paris kann das eigene Profil entscheidend sein“, sagt Christopher Keidel. Er empfiehlt die eigenen Vorlieben für bestimmte Regionen, Wohnumgebungen oder Tierarten zu beschreiben, ebenso wie Leistungen, die man zu übernehmen bereit ist. Auch Fotos – gern mit Tieren – und Referenzen seien hilfreich, um Vertrauen zu schaffen.

Für die Suche nach passenden Housesitting-Offerten bieten die Portale unterschiedliche Filter. Die Schwierigkeit bestehe dann darin, das Angebot zu bewerten, so der Reiseblogger: „Schwarze Schafe zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Am Wichtigsten ist, Bewertungen von vorherigen Housesittern aufmerksam zu lesen.“ Warnsignale sind etwa schlecht erkennbare Fotos, überzogene Forderungen – etwa nach täglichen Updates zu bestimmten Zeiten –, Videoüberwachung im Haus, das Fehlen eines Gästezimmers oder verzögerte Reaktionen auf Nachrichten.

Ein Kennenlern-Interview zwischen den Housesittern kann in Form eines Videocalls oder sogar eines Videorundgangs erfolgen. Foto: dpa

„Wir bestehen immer auf einem Kennenlern-Interview. Wenn im Angebot etwas unklar ist, hinterfragen wir das in diesem Gespräch“, sagt Keidel. Auch Vanessa Lindner handhabt das so: „Ein Videocall ist üblich, oft auch ein Videorundgang. Wenn man da ein ungutes Bauchgefühl hat, sollte man es sein lassen“, empfiehlt sie.

Welche Absprachen sind sinnvoll?

Bevor sich Gastgeber und Housesitter auf den Aufenthalt einigen, sollten sie alle Rahmendaten, Details zu Aufgaben und Nutzung des Hauses sowie Besonderheiten bei der Tierbetreuung besprechen. „Risiken bestehen vor allem darin, dass die Mitglieder ihre Bedürfnisse und Erwartungen nicht von Anfang an und vor der Bestätigung der Vereinbarung klar kommunizieren“, sagt Angela Laws, Mitgründerin von TrustedHousesitters.

Im Idealfall werden sämtliche Absprachen in einem Vertrag festgehalten. Dazu gehört auch ein Notfallplan, falls eine der Parteien ausfällt. Ein Mustervertrag ist beispielsweise bei Nomador zu finden. Dort ist auch ein Wohnungsübergabeprotokoll hinterlegt.

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Housesitting: Welche Tipps gibt es für Anfänger?

Wer noch nie in einem Haus gewohnt und fremde Tiere betreut hat, unterschätzt möglicherweise den Arbeitsaufwand und die Verantwortung dafür. Ein sechsmonatiger Aufenthalt in einer Traumvilla am Ende der Welt ist dann nicht unbedingt der beste Start. Für den Einstieg empfehlen die erfahrenen Haushüter einen kurzen Aufenthalt in einem Haus oder einer Wohnung in der Nähe – eventuell sogar im Bekanntenkreis –, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was man sich selbst zutrauen kann.

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Auch an den passenden Versicherungsschutz sollten Housesitting-Neulinge denken. Deutsche Krankenkassen übernehmen nur in bestimmten Ländern einen Teil der Kosten für erforderliche Behandlungen bei privaten Auslandsreisen von bis zu sechs Wochen. Unter Umständen ist also eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung ratsam. Reiseblogger Christopher Keidel empfiehlt außerdem eine private Haftpflichtversicherung mit weltweiter Gültigkeit, die eine Gefälligkeitsklausel enthält. „Sie deckt auch Schäden ab, die man bei Tätigkeiten ohne entgeltliche Gegenleistung verursacht“, sagt er.

Dieser Artikel erschien bereits im Oktober 2024, zuerst im Handelsblatt-Premium-Business-Newsletter „Inside Energie & Immobilien“. Der Artikel wurde am 09.09.2025 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

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