Ferienimmobilien: Lohnt es sich, Teilhaber einer Ferienwohnung zu werden?
München. Nach einem schönen Urlaub träumen viele von einer eigenen Ferienwohnung am Lieblingsziel. Mit dieser Idee sind sie aber leider meist nicht allein: In besonders begehrten Lagen an Nord- und Ostsee oder in den Alpen kosten sie sogar gerne noch etwas mehr als normale Wohnimmobilien, sagt Göran Holst, Vorsitzender des Deutschen Ferienhausverbands. Und spätestens dann endet für viele auch schon der Traum etwa vom Haus am Meer.
Was aber, wenn Interessenten nur einen Teil des gesamten Kaufpreises zahlen oder das Recht erwerben, ein Ferienapartment zu nutzen? Nach diesem Prinzip funktioniert das sogenannte Time Sharing, bei dem viele Einzelpersonen das Recht erwerben, eine Immobilie übers Jahr verteilt zu bestimmten Zeiten nutzen zu können. Das Modell gibt es seit Jahrzehnten und ist vor allem in Spanien beliebt.
Das Berliner Unternehmen Myne geht einen etwas anderen Weg: Acht Eigentümer können dabei dieselbe Immobilie kaufen und nutzen, auch in acht weiteren Ländern Europas. Wie das funktioniert und worauf Käufer bei einer Ferienimmobilie generell achten sollten, lesen Sie hier.
Das Problem: Hohe Nachfrage, hoher Widerstand
Nach einer Analyse des Deutschen Ferienhausverbands gab es in Deutschland zu Jahresbeginn gut 555.000 Ferienhäuser und Wohnungen. Und laut Verband ist das Interesse nach einem Urlaub in der eigenen Immobilie auch ungebrochen hoch.
Gleichzeitig regt sich in vielen Urlaubsregionen, auch in Deutschland, Widerstand der Bevölkerung vor Ort gegen Urlaubshäuser. Einheimische haben oft kaum noch Chancen, sich an ihrem Heimatort Immobilien zu kaufen. Viele Kommunen sind daher strenger geworden, wenn es darum geht, neue Ferienwohnungen zu genehmigen. Doch auch das sorgt dafür, dass die Preise für das vorhandene Immobilienangebot steigen.
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Ab 99.000 Euro Teilhaber einer Ferienwohnung
Hier setzt Myne an. „Indem unsere Kunden nur einen Teil einer Wohnung oder eines Hauses kaufen, können sie sich eine Top-Immobilie leisten, bei der sie als Alleineigentümer nur etwas in einer B-Lage bekommen hätten“, sagt Gründer und Geschäftsführer Nikolaus Thomale.
Die günstigsten Anteile sind für 99.000 Euro zu haben. Momentan gibt es auf der Plattform rund 70 Offerten. Die Häuser und Wohnungen liegen hauptsächlich in Deutschland, Spanien, Italien und Schweden. Für jede Immobilie, die über Myne verkauft wird, gründen Thomale und seine Mitarbeiter eine Immobilienzweckgesellschaft, die im Grundbuch als Eigentümerin des Anwesens steht. Die in der Regel acht Käuferinnen und Käufer erwerben jeweils einen gleich großen Anteil an dieser Gesellschaft.
Auf diese Weise entfällt laut Thomale die Grunderwerbsteuer und die Anteile können auch leichter wieder veräußert werden, denn ein Notar muss nicht eingeschaltet werden. Einzige Vorgabe: Käufer bleiben ein Jahr an ihre Entscheidung gebunden und können erst dann ihren Anteil zurückgeben.
Die Anteile können über Myne, aber auch über einen Makler weitergegeben werden. Laut Thomale dauert die Rückgabe zwischen 48 Stunden und wenigen Wochen. „Die Liste der Interessenten ist lang“, sagt der Gründer. Da die Immobilien zwischenzeitlich im Wert gestiegen sind, konnten Verkäufer pro Jahr etwa zehn Prozent Gewinn machen. Diese Wertsteigerungen können jedoch nicht garantiert werden.
Im laufenden Betrieb koordiniert Myne die unterschiedlichen Nutzungswünsche der Eigentümer. Thomales Team achtet dabei etwa auf einen Mix aus Menschen, die an die Schulferien gebunden sind und solchen, die außerhalb der Ferien verreisen können. Eigentümer können auch Vermieter werden, indem sie ihre Zeitenkontingente von Myne vermieten lassen und die Einnahmen ausgezahlt bekommen.
Für all diese Verwaltungsaufgaben verlangt Myne 99 Euro pro Monat. Darüber hinaus sollten alle Eigentümer noch etwa zwei Prozent ihrer Investition pro Jahr einkalkulieren als Rücklage, um die Immobilie instand zu halten und fällige Steuern zu begleichen.
Wann es sinnvoller ist, eine eigene Ferienunterkunft zu haben
Myne fungiert zwar als Mittler zwischen Eigentümern. Doch aus Sicht von Ferienhausverbands-Chef Holst sind bei dem Modell Konflikte programmiert. Denn auch wenn die Nachfrage hoch sei, hält Holst es für problematisch, dass es noch keinen etablierten Zweitmarkt für solche Beteiligungen gibt. Das berge die Gefahr, dass die Anteile mit Abschlägen verkauft werden müssen, sollte die Nachfrage einmal nicht mehr so groß sein.
Er gibt zudem eine einfache Weisheit aus: „Wenn Sie Ihre Immobilie haben wollen, sollten Sie sich auch Ihre ganz eigene Immobilie kaufen.“ Dann steigen aber natürlich auch die Kosten, um das Objekt zu verwalten und instand zu halten. Die Höhe hängt wiederum von der Ausstattung der Immobilie und der Grundsteuer vor Ort ab. Wer seine Immobilie selbst nutzt, muss unter Umständen auch noch eine Zweitwohnsitzsteuer zahlen.
Wenn Ferienhausbesitzer ihr Eigentum vermieten wollen, können sie sich an Portale wie Travanto oder Fewo Direkt wenden. Diese Anbieter verfügen auch über sogenannte Channelmanager. So wird das Angebot auf vielen verschiedenen Plattformen präsentiert, was die Vermietungsquote laut Holst enorm steigert.
Erstpublikation: 04.08.2024, 10:43 Uhr.