Luxuswohntürme boomen: Zimmer mit Aussicht
401 Eigentumswohnungen sind geplant.
Foto: Zabel Property AGBerlin. Es geht hoch hinaus im Frankfurter Europaviertel. Bis Mitte 2019 baut dort die GSP Städtebau Deutschlands höchstes Wohnhochhaus: den 172 Meter hohen Grand Tower mit 401 Eigentumswohnungen. Diese stoßen nach Angaben der mit der Vermarktung beauftragten Zabel Property auf große Nachfrage. Ende April war demnach rund ein Viertel der Wohnungen reserviert – trotz gesalzener Preise: Rund 19.000 Euro pro Quadratmeter kosten die Wohnungen in den obersten Etagen.Nicht nur in Frankfurt wachsen Wohntürme in die Höhe. Laut einer Studie des Analysehauses Bulwiengesa im Auftrag der Immobilienfirma Pandion entstehen bis 2018 in Deutschland knapp 10.000 Wohnungen in 79 Wohnhochhäusern. Gemeint sind damit nicht nur Türme wie der Grand Tower. Vielmehr orientieren sich die Experten an der baurechtlichen Definition, wonach jedes Gebäude, bei dem der Fußboden des obersten Wohngeschosses auf einer Höhe von mindestens 23 Metern liegt, als Hochhaus gilt.
Dabei unterscheiden sich die neuen Wolkenkratzer erheblich von den Hochhäusern der sechziger und siebziger Jahre, die oft in Großwohnsiedlungen entstanden und sich nicht selten zu sozialen Brennpunkten entwickelten. Die Türme neuen Typs richten sich an Finanzkräftige. „Das Wohnhochhaus“, formuliert es Pandion-Vorstand Reinhold Knodel, „erfährt insgesamt einen sehr positiven Imagewandel.“ Damit die hohen Ansprüche der neuen Bewohner erfüllt werden, lassen sich die Projektentwickler einiges einfallen. Ein Concierge-Service gehört fast zum Standard. Der Grand Tower bietet außerdem in der siebten Etage eine 960 Quadratmeter große „Grand Terrace“ und auf einer Höhe von 145 Metern ein 200 Quadratmeter großes „Sunset Deck“.
Solche Extras sind auch deshalb wichtig, weil es in Frankfurt am Main schon bald eine starke Konkurrenz geben dürfte. So wurde im März für den 140 Meter hohen Henninger Turm Richtfest gefeiert, und auf dem ehemaligen Deutsche-Bank-Areal plant Entwickler Groß & Partner vier Hochhäuser, von denen zwei Wohnzwecken dienen sollen. Entsprechende Vorhaben gibt es aber auch in anderen Städten mit hoher Wohnungsnachfrage. In München nähern sich die beiden 53 Meter hohen Gebäude des Projekts Friends ihrer Fertigstellung, in Düsseldorf ist gerade Richtfest für das 60 Meter hohe Pandion le Grand gefeiert worden, und in Hamburg findet sich ein besonders prominentes Beispiel: Zwischen der elften und der 26. Etage der Elbphilharmonie entstehen „44 exklusive Wohnungen einer beispiellosen Kategorie“, wie Vermarkter Quantum schwärmt. Nicht hintanstehen will Berlin: Die russische Monarch-Gruppe kündigt den baldigen Baubeginn für das 150 Meter hohe Wohnhochhaus Alexander am Alexanderplatz an.
Auch Gewerbeobjekte gefragt
In den Blick der Projektentwickler geraten aber auch Bürogebäude. So wandelt die Berliner Bauwert-Gruppe derzeit ein ehemaliges Büroobjekt in der Nähe des Kurfürstendamms in einen Wohnturm namens High West um. Gut ein halbes Jahr nach Vertriebsbeginn sind noch sieben von 49 Turmwohnungen verfügbar. Auch das 320 Quadratmeter große und 3,65 Millionen Euro teure Penthouse hat bereits einen Käufer gefunden. „Wohnen im Hochhaus steht heutzutage für erhabene Urbanität“, sagt der an der Vermarktung beteiligte Makler Nikolaus Ziegert. Für viele Menschen sei es attraktiv, „dass man mitten in der Stadt und doch ein wenig entrückt wohnt“.
Während in den meisten neuen Hochhäusern Eigentumswohnungen entstehen, setzt die Hamburger Revitalis Real Estate bei ihrem Westside Tower im Frankfurter Europaviertel auf Mietwohnungen. Von den 244 Apartments im 66 Meter hohen, vor kurzem fertiggestellten Neubau sind bisher 130 vermietet. Ihren Preis haben aber auch diese Einheiten: Die Miete beträgt nach Angaben der Hamburger zwischen 13,50 und 19,50 Euro pro Quadratmeter.
Doch auch die schlecht beleumundeten Wohnhochhäuser früherer Zeiten finden ihre Liebhaber. So erwarb vor wenigen Wochen ein Fonds der Wertgrund-Gruppe ein unsaniertes Hochhaus aus den 1970er-Jahren mit gut 400 Wohnungen im wenig glamourösen Kölner Stadtteil Bickendorf. Um den Vermietungserfolg ist es Wertgrund-Chef Thomas Meyer nicht bange: Das Wohnhochhaus in innerstädtischer Lage, sagt er, liege „als Wohnform im Trend“.