Gold schwächelt: Vier Faktoren, die den Goldpreis beeinflussen
Der Goldpreis schwächelt aufgrund der hohen Zinsen.
Foto: dpaFrankfurt. Seit dem Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in der vergangenen Woche ist der Goldpreis um fast drei Prozent gesunken. Er notiert nun unter der Marke von 1900 Dollar pro Feinunze. Zuletzt war das vor mehr als einem Monat der Fall.
Auf den ersten Blick verwundert die Preisschwäche des Edelmetalls, schließlich legte die Fed eine Zinspause ein. Steigende Zinsen drücken die Nachfrage der Anleger nach Gold, das keine laufenden Erträge abwirft und somit im Vergleich zu anderen, als sicher geltenden Geldanlagen an Attraktivität verliert.
Doch eine Zinspause genügt den Anlegern nicht als Grund, um stärker in Gold zu investieren. Vier Faktoren mit gegensätzlicher Wirkung beeinflussen derzeit den Goldpreis.
1. Erwartung hoher Zinsen belastet den Goldpreis
Die Federal Reserve hat zwar den Leitzins in einer Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent belassen, aber kein Ende der Zinserhöhungen angedeutet. Aus den ebenfalls am Abend der Zinssitzung veröffentlichten Projektionen der Fed (Dots) geht hervor, dass die Zinsen sogar weiter steigen könnten: Die Mehrheit der Fed-Mitglieder rechnet damit, dass der Leitzins zum Jahresende bei 5,50 bis 5,75 Prozent liegen wird. Deutliche Zinssenkungen erwarten sie dagegen vorerst nicht.
„Höher für länger bleibt das Mantra der Zinspolitiker“, fasst Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, den Standpunkt der Notenbanker in einem Kommentar zusammen. Der Markt hatte allerdings mit einer früheren Zinswende gerechnet.
Der restriktive Kurs der Fed hängt laut Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen mit dem deutlich optimistischeren Wachstumsausblick für die US-Wirtschaft zusammen. Die Notenbanker würden mit einer „weichen Landung“ der Wirtschaft rechnen. Mit einer „Soft Landing“ ist ein Annähern an das Inflationsziel der Fed von zwei Prozent ohne deutlichen Konjunktureinbruch gemeint.
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Die Erwartung dauerhaft höherer Zinsen belaste den Goldpreis derzeit, schreibt Nguyen in einem Bericht. „Unsere Volkswirte sind jedoch nach wie vor skeptisch, ob die Fed einerseits ihre Zinsen im Herbst noch weiter erhöhen wird und andererseits ob sich die derzeitige Sicht vieler Marktteilnehmer, dass der US-Wirtschaft eine ,weiche Landung’ gelingen wird, bewahrheitet.“
Mittelfristig sehe sie daher eher Aufwärtspotenzial bei Gold. Kurzfristig könne der Goldpreis aber schwächeln, sollte sich die US-Konjunktur vorerst noch recht robust entwickeln und Inflationsängste aufgrund der gestiegenen Ölpreise zunehmen.
2. Hohe Zinsen auf Staatsanleihen
Nach der Zinssitzung hat die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen zum ersten Mal seit 2007 die Marke von 4,5 Prozent überschritten. Höhere Anleiherenditen sorgen in der Regel für Gegenwind beim Goldpreis. Allerdings habe sich das Edelmetall angesichts der steigenden Renditen überraschend widerstandsfähig gezeigt, wie die UBS-Analysten Wayne Gorden und Giovanni Staunovo in einem Kommentar schreiben.
Die realen Renditen der zehnjährigen US-Anleihen, bei denen die Inflation berücksichtigt wurde, sind laut Bloomberg auf den höchsten Stand seit 2009 gestiegen, während der Goldpreis zeitgleich nur um 0,5 Prozent fiel.
3. Abflüsse bei mit Gold besicherten ETFs
Laut Daten des Branchenverbands World Gold Council (WGC) verzeichneten mit physischem Gold besicherte Indexfonds (ETF) im August den dritten Monat in Folge Nettoabflüsse. Das verwaltete Goldvermögen fiel um drei Prozent auf 209 Milliarden US-Dollar, die Bestände sanken um 46 Tonnen auf 3341 Tonnen.
Dass sich das Blatt wendet und die ETF-Zuflüsse die Abflüsse übersteigen, sei bis zum ersten Halbjahr 2024 unwahrscheinlich, schreiben die UBS-Experten Gorden und Staunovo. Allerdings dürfte die starke Nachfrage der Zentralbanken dazu beitragen, die moderaten Nettoabflüsse der ETFs auszugleichen. Die Notenbanken der Schwellenländer decken sich mit Gold ein, um ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. „Daher ziehen wir es vor, abzuwarten, und sehen Rückgänge unter 1900 US-Dollar pro Unze als Gelegenheiten zum Kauf von Gold.“
4. Goldpreis in anderen Währungen
In China wurden Goldbarren in diesem Monat zeitweise mit einem Aufschlag von mehr als 100 Dollar pro Unze gehandelt, wie Bloomberg-Berechnungen zeigen. In den vergangenen zehn Jahren lag der durchschnittliche Aufschlag bei weniger als sechs Dollar. Der fallende Yuan sowie der kriselnde chinesische Immobilienmarkt kurbelten die Nachfrage der privaten Haushalte nach Gold an, erklärt Adrian Ash, Research-Chef des Goldhändlers Bullion Vault, in einem Marktkommentar.
Auch in der japanischen Währung Yen erreichte das Edelmetall Mitte September Bullion Vault zufolge ein neues Allzeithoch.
Erstpublikation: 28.09.2023, 14:04 Uhr.