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Märkte Wie viel geht noch? – Dax erklimmt ein Rekordhoch

Der deutsche Börsen-Leitindex erreicht ein neues Rekordhoch. Wie viel Potenzial hat der Dax jetzt noch? Was Experten sagen.
08.02.2021 Update: 08.02.2021 - 15:31 Uhr 3 Kommentare
Der Dax hat einen Rekordstand markiert. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Dax-Kurstafel

Der Dax hat einen Rekordstand markiert.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Frankfurt Der deutsche Aktienindex Dax ist auf den höchsten Stand seiner Geschichte geklettert. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer stieg am Montag zeitweise auf ein Rekordhoch von 14.169 Punkten. Auch der EuroStoxx50 notierte mit knapp 3.679 Zählern so hoch wie zuletzt vor rund einem Jahr.
Angesichts guter Vorgaben von der Wall Street deckten sich Anleger mit Aktien ein. So hatten in den USA der breite S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq schon am Freitag und vergangenen Montag Rekordstände markiert.

Der Dax übertraf gestern den bisherigen Höchststand von Anfang Januar. Damals hatte er 14.132 Punkte erreicht. Danach ging es für den deutschen Leitindex aber erst einmal wieder nach unten. Doch inzwischen ist die Zuversicht an den Börsen zurückgekehrt. Der Dax zeigt sich in diesem Jahr somit stärker als zunächst erwartet. Doch wie viel Potenzial bleibt dem wichtigsten deutschen Börsenbarometer jetzt noch?

Viele Aktienexperten sehen immer noch Chancen für eine weitere Aufwärtsbewegung - doch die Luft wird dünner. Die DZ Bank schob am Montag bereits ihre Prognose für den Dax um ordentliche 1000 Punkte weiter nach oben. „Wir erhöhen die Indexprognose für den Dax per Jahresende 2021 auf 15.000 Punkte“, kündigt Christian Kahler, Aktienanalyst der Bank, an.

Hintergrund für den wachsenden Optimismus sei, dass die Dax-Unternehmen 2020 wesentlich geringere Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen mussten als befürchtet. In diesem Jahr erwarten Aktienanalysten Gewinnsteigerungen bei den 30 Firmen aus dem Leitindex um 30 Prozent. Neue Rekordgewinne dürften infolge eines wahrscheinlichen „Post-Corona-Booms“ nun bereits 2022 erreicht werden. Bisher war mit neuen Gewinnhochs für 2022/23 gerechnet worden.

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    Rücksetzer von bis zu zehn Prozent möglich

    Auch nach Ansicht von Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management, überschatten die jüngsten Angriffe der im Internetforum Wall Street Bets organisierten Anleger auf Hedgefonds nicht die sich verbessernden Aussichten von Aktien: „Die Impfprogramme nehmen weltweit stetig an Fahrt auf, und auch die Konjunkturaussichten hellen sich auf, gestützt durch zusätzliche fiskalische Anreize.“

    Wie Paolini sehen es viele Strategen. Sie gehen davon aus, dass die Märkte weiter zwischenzeitlich nachgeben werden, letztlich sollte es für Aktien in diesem Jahr aber bergauf gehen – wenn auch nur in relativ bescheidenem Umfang und unter Schwankungen.

    Martin Lück, Chef-Anlagestratege Europa beim weltgrößten Fondsanbieter Blackrock, beschreibt die Lage so: „Am Jahresende werden die Aktienindizes wahrscheinlich höher stehen als jetzt – aber es wird vermutlich erst noch schlechter, bevor es besser wird.“ Es sei „nicht auszuschließen, dass die Aktienkurse bei schlechten Nachrichten von den aktuell hohen Niveaus zwischenzeitlich auch mal um zehn Prozent oder mehr abrutschen“.

    So dürften die Aktienmärkte in „wellblechartigen Bewegungen“ je nach Nachrichtenlage immer wieder neue Rekordhochs erreichen, um dann erneut abzusacken, erwartet Lück. Der deutsche Leitindex Dax sei mit Blick auf sein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) historisch überdurchschnittlich bewertet, sagt er.

    Allerdings sieht der Blackrock-Stratege das auch nicht als grundsätzlich problematisch an, da die extrem expansive Geld- und Fiskalpolitik stütze. Sein Fazit: „2021 wird die Pandemie und die Reaktion der Notenbanken und der Politik darauf die Märkte prägen“ – und diese wirtschaftspolitische Abfederung werde einen brutalen Einbruch der Märkte à la 2020 verhindern.

    Dax-Durchschnittsprognose: 14.450 Punkte

    Für den Dax sagen 24 Banken, die die Nachrichtenagentur Bloomberg Mitte Januar befragt hat, für Ende des Jahres einen Stand von im Mittel 14.550 Punkten voraus. Das entspräche aus derzeitiger Sicht einem Aufschlag von nur rund 2,8 Prozent.

    Auf Rückschläge sollten sich Anleger also jederzeit gefasst machen. Denn die Stimmungsindikatoren unter den Investoren sind derzeit extrem positiv, fast euphorisch. Das gilt als ein Alarmzeichen.

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    Euphorie wird an der Börse aus einem einfachen Grund als Warnsignal für fallende Kurse gewertet: In diesem Fall gibt es nur noch wenige Investoren, die Aktien nachkaufen wollen. Und bei schlechten Nachrichten droht die Gefahr, dass viele Investoren erst mal ihre Gewinne sichern und Aktien verkaufen.

    Verhaltensökonom Joachim Goldberg erwartet, dass Investoren beim Dax spätestens im Bereich von 14.150 bis 14.200 Punkten Gewinne mitnehmen werden – was den Aufstieg vorerst bremsen könnte. Auch Andreas Büchler, charttechnischer Analyst vom Börsenstatistik-Seminar Indexradar, warnt: „Der Dax ist heiß gelaufen.“ Für eine weitere Aufwärtsbewegung müssten Anleger noch etwas Geduld mitbringen.

    Zinsentwicklungen im Blick

    Beat Thoma, Chefanlagestratege bei Fisch Asset Management in Zürich, sieht eine „Reihe von Gefahren, die derzeit noch nicht akut sind“. Immer problematischer werde die am KGV abzulesende hohe Bewertung der Aktienmärkte.

    Im Dax liegt das KGV mit Blick auf die erwarteten Unternehmensgewinne für das laufende Geschäftsjahr inzwischen bei knapp 16, im S&P 500 sogar bei 23. Beides ist historisch hoch.

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    Gerechtfertigt ist das nach Meinung vieler Strategen jedoch wegen der historisch niedrigen Zinsen der Notenbanken und den entsprechend niedrigen Renditen der Staatsanleihen.

    Wenn es für sichere Anleihen nur noch Mini- und Minuszinsen gibt, dürfen die Bewertungen an den Aktienmärkten nach Ansicht von Fachleuten höher sein. Damit sind die Märkte laut Thoma aber „sehr anfällig für kleinste Störungen in Form steigender Zinsen“.

    Covestro, Siemens, Bayer und Daimler zweistellig im Plus

    Viele Papiere haben in den Augen von Analysten denn auch nur noch wenig Luft nach oben. Zyklischen, also von der Konjunktur abhängigen Aktien trauen viele Strategen generell noch etwas mehr zu als dem breiten Markt. So haben sich seit Jahresanfang im Dax die Zykliker besonders gut entwickelt.

    Allen voran legte die Aktie des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer um rund 17 Prozent zu. Auch die Aktien von Siemens, Covestro und Daimler gewannen zweistellig.

    Das hat auch mit Unternehmensnachrichten zu tun. So will Bayer Ende des Jahres Impfstoffe für den Tübinger Hersteller Curevac produzieren und hat außerdem einen neuen Anlauf unternommen, sich in den USA außergerichtlich mit Klägern wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters Glyphosat zu einigen.

    Covestro hat schon im Dezember die Prognose für das Geschäftsjahr 2020 erhöht. Zahlen legt Covestro erst am 23. Februar vor, doch die Märkte nahmen die positive Entwicklung vorweg. Siemens erhöhte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Bei Daimler feierten Anleger, dass Daimler-Chef Ola Källenius die Lkw- und Bussparte aus dem Konzern ausgliedern und an die Börse bringen will.

    Am unteren Ende des Spektrums liegt die Aktie des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) mit einem Einbruch von mehr als 16 Prozent seit Jahresanfang. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern einen massiven Gewinneinbruch mit einem Rückgang des Konzernergebnisses von bis zu 25 Prozent. FMC rechnet mit weniger Dialyse-Behandlungen, weil überdurchschnittlich viele Dialysepatienten an Covid-19 gestorben sind.

    Die sehr unterschiedliche Bewertung der deutschen Aktien bietet Anlegern und aktiven Fondsmanagern aber auch Chancen. Schon das vergangene Jahr mit dem historischen Einbruch und der anschließenden rasanten Erholung der Börsen erlaubte es der Mehrheit der aktiven Fondsmanager, besser abzuschneiden als die Indizes. Viele hoffen, dieses Kunststück auch in diesem Jahr zu wiederholen.

    Mehr: Stabile Rendite trotz Corona: Das sind die sechs Dividendenkönige im Dax.

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    • - Fortsetzung -

      Was auf die Konsumentenpreise zutrifft, die seit Jahrzehnten etwa 8% stärker steigen als es der staatlich gefälschte harmonisierte Verbraucherpreisindex der Bevölkerung erfolgreich vorgaukelt, so unterliegen die Preise für Aktien an den Weltbörsen dem gleichen Phänomen.
      Ein Blick auf die Hyperinflationsphase in Zimbabwe hilft beim Verständnis der Zusammenhänge.
      Obwohl es dort aufgrund der fehlgeschlagenen Politik weder eine funktionierende Volkswirtschaft, noch Elektrizität, fließendes Wasser oder Essen gab, stiegen die Aktien an der Börse in Zimbabwe über Jahre extrem stark an und verdoppelten sich oftmals an einem einzigen Tag. Wie kann das sein? Es ist ganz einfach. Der Anstieg der Aktienmärkte entsprach der Inflation der Geldmenge, also der Rate, mit der die Geldmenge täglich vermehrt et vice versa der Zimbabwe Dollar abgewertet wurde. (...)
      Die US-Notenbank hat seit März ihre Bilanzsumme um über 80% ausgeweitet, was die Kaufkraft des US-Dollars langfristig um 40% entwerten wird. Smarte Investoren, die die Zusammenhänge verstanden, preisten sofort nach Ankündigung des QE-Programms die kommende Abwertung des Dollars in die Aktienkurse ein und kauften die nun real günstigen Aktien."
      https://www.blaschzokresearch.de/news-detail/smarte-investoren-kaufen-gold-schafe-werden-geschlachtet-analyse-zu-platin/
      Nun sitzen die Zentralbanken aber in der Nullzinsfalle. Paul Volcker konnte die Leitzinsen Anfang der 1980er Jahre noch stark anheben, um die Stagflation zu durchbrechen. Das ist heute nun nicht mehr möglich.
      Für Interessierte: Hier ist erklärt, warum der angebliche Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und (Preis-)Inflation nicht der Realität entspricht - wie die Stagflationsperiode dann auch bewies:
      https://mises.org/wire/phillips-curve-myth "
      https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-warum-eine-stagflation-sehr-unwahrscheinlich-ist/26081096.html?ticket=ST-523353-J7VBHeSaalF0Js1zE7ub-ap6

    • @ Stefan Urban

      Ganz genau. ;-)
      Den Crackup gibt es allerdings nur, falls es zu einer Hyperinflation kommen sollte. Da wird sich in näherer Zukunft zeigen, mit welchen repressiven Schweinereien die Zentralbanken diese verhindern wollen. Momentan läuft es "nur" auf eine Stagflation hinaus - und die ist unschön genug. Ein deflationärer Crash dagegen (mit Platzen der Monsterblasen auch bei den Aktien) kann - zumindest theoretisch - von den Zentralbanken immer mit ihrer Druckerpresse "abgewehrt" werden. Siehe dazu auch dieser Kommentar:

      "Frühzeitig habe ich hier schon geschrieben, dass wir sehr wahrscheinlich ein Stagflationsszenario erleben werden, da die Zentralbanken mit aller Macht eine Deflation (in unserem System gleichbedeutend mit Kredit- / Schuldendeflation) verhindern wollen.
      Die Monetaristen verstehen das Entstehen einer Stagflation nicht richtig, und die Keynesianer hielten sie sowieso für unmöglich ( -> Phillips-Kurve), bis sie dann jedoch in den 1970er Jahren tatsächlich auftrat.
      Zur Stagflation kommt es nämlich insbesondere dann, wenn die Zentralbanken massiv die Geldmenge ausweiten (also im eigentlichen Sinne inflationieren), um deflationäre Tendenzen zu verhindern, während die Wachstumsraten niedrig bleiben. Keynesianische Wirtschaftsstimuli unterliegen letztendlich auch dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens, d.h. ihr positiver Effekt fällt immer geringer aus.
      In einer Stagflation kommt es also zu starker Teuerung / Preisinflation. Und da sich der größte Teil der Weltliquidität in den Händen des Finanzsektors befindet (und nicht in den Händen des Bürgertums), kommt es zunächst zur Teuerung bei den Vermögenspreisen ("Asset-Preisinflation"), und eben auch bei Aktien - und insbesondere solchen, die sich als "Corona-sicher" erweisen (siehe insbesondere Nasdaq). (...):
      "Den Menschen fällt es schwer nominale und reale Preisveränderungen zu erkennen und zu verstehen.

    • Wenn der DAX heiß gelaufen ist, dann ist S&P 500 schon übergekocht! Das Geld der Notenbank hilft und es gibt einen Anlagenotstand. Der Crackup Boom geht so lange weiter, bis kein Geld mehr aus den Glastürmen strömt. Und dieser Strom reißt nur aus zwei Gründen ab! ;>

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