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Prüfers Kolumne Büroatmosphäre gegen kriminelle Energie

In der Fondsbranche häufen sich im Homeoffice die illegalen Insider-Deals. Es gibt nur eines, was dagegen hilft: die trostlose Realität des Büros.
20.02.2021 - 10:51 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

In der „Financial Times“ habe ich gelesen, dass Heimarbeit den Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten bereitet. Sie haben ihre Mitarbeiter nicht mehr im Griff. Bei Fondsbetreibern hat der Anteil an verdächtigen Transaktionen zugelegt – auf fast sechs Prozent. Verdächtige Transaktionen deuten vor allem auf Insiderhandel hin. Die Gründe liegen offenbar darin, dass Mitarbeiter, die seit Monaten zu Hause arbeiten, zunehmend den Kontakt zu ihren moralischen Werten verlieren.

Wer mit seinem Computer in den Handelsräumen des Finanzsystems hängt, aber keinen hat, der ihm dabei permanent über die Schulter schaut, neigt offenbar dazu, sich bereichern zu wollen. In den Büros haben die Unternehmen die Gesamtaufsicht über alle Telefongespräche und E-Mails. In den Wohnungen ist das nicht so einfach.

Nun könnte man fragen, was das über eine Branche sagt, wenn Mitarbeiter sofort zu Straftätern werden, sobald man den Blick von ihnen abwendet. Das passiert ja in anderen Berufen auch nicht. Ich habe jedenfalls noch nichts davon gehört, dass Bäcker nun zu Hause Haschkekse produzieren oder Plastiksprengstoff statt Sauerteig kneten. Vielleicht muss man schon etwas kriminelle Energie intus haben, um überhaupt Fondshändler zu werden.

Derzeit sind Unternehmen bemüht, ihren Mitarbeitern mit Überwachungssoftware beizukommen. Es gibt da allerlei Möglichkeiten, etwa die Tastatureingaben und die Telefongespräche elektronisch auszuwerten. Das wird aber nicht so gern gesehen. Kritiker sagen, das sei der Versuch, die Standards der alten Bürowelt auf die neue Zeit zu übertragen. Und selbiges sei den jungen Leuten von heute nicht beizubringen.

Nun kommt die erste Generation von Post-Pandemie-Arbeitnehmern. Wie kann man jemandem, der zeit seines jungen Arbeitslebens nur vom Sofa aus gearbeitet hat, beibringen, dass er sich in seiner Wohnung nun verhalten soll wie in einem Büro? Ich bin der Meinung, dass dies tatsächlich nicht mit Software zu lösen ist. Die neue Generation von Arbeitnehmern muss man auf subtilere Weise an Bürostandards gewöhnen. Man könnte dies beispielsweise mit einem Willkommenspaket lösen.

Man schickt den Arbeitnehmern wichtige Utensilien, um sie an den Geist eines Büros zu gewöhnen. Dazu zählt ein Block mit Post-its, den der neue Arbeitnehmer dekorativ rings um seinen Bildschirm kleben soll. Dazu sollte auch ein Gummibaum im Topf geliefert werden, mit der Anweisung, ihn möglichst wenig zu gießen. Am besten wäre noch eine Kaffeemaschine, die den neuen Arbeitnehmer das trostlose Aroma des Bürogebräus schmecken lässt. Wer das trinkt, kommt auf keine unkonventionellen Ideen mehr – wahrscheinlich nicht mal darauf, unerlaubte Aktiendeals zu wagen.

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