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Prüfers KolumneDas Dienstfahrrad erzählt uns viel über Männer in der Mitte des Lebens

Auffällig ist, dass die meisten Räder eher in der Oberklasse landen. Wer schon dienstlich radelt, will es sich so angenehm – und so prestigeträchtig – wie möglich machen.Tillmann Prüfer 22.11.2025 - 10:43 Uhr Artikel anhören
Der Autor ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“. Foto: Handelsblatt

Das Geschäft mit Dienstfahrrädern schwächelt angeblich etwas. Laut dem Branchenverband Zukunft sind auf Deutschlands Straßen heute 2,1 Millionen Dienstfahrräder unterwegs. Und das Leasing dieser Räder soll einen Umsatz von etwa drei Milliarden Euro machen. Trotzdem sind die Umsätze rückläufig, und es wird damit gerechnet, dass die ersten Anbieter bald aufgeben müssen.

Die Ursache soll die allgemein schlechte Wirtschaftslage sein. Wenn Unternehmen Stellen streichen, dann streichen sie auch die Dienstfahrräder, mit denen diese Arbeitnehmer hätten zum Dienst erscheinen können.

Das Besondere scheint gewesen zu sein, dass Menschen, die sich ein Dienstfahrrad angeschafft haben, größtenteils zu teureren Modellen gegriffen haben. Wenn man schon dienstlich mit dem Fahrrad unterwegs war, sollte sich das schließlich lohnen.

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Früher war es für Menschen – bestimmt nicht nur für Männer – ein großes Ding, welchen Dienstwagen sie gestellt bekamen. Und das scheint noch immer der Fall zu sein: Zwischen zwei und drei Millionen Dienstwagen soll es in Deutschland geben. Ein Dienstwagen soll ja immer auch etwas Prestige mit seinen Abgasen in die Luft blasen.  Wenn man ein Dienstfahrzeug hat, soll es ausdrücken, dass sein Halter es zu etwas gebracht hat. Also eher ein 5er BMW als ein Fiat Punto. Obwohl letzterer ja auch fähig wäre, den Hintern eines Key-Account-Managers zum Kunden zu transportieren.

Dienstfahrrad als Frustfahrzeug

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Das Flottengeschäft ist zuletzt nicht zurückgegangen – es scheinen also all die Dienstfahrräder noch hinzugekommen zu sein. Entweder haben sich Menschen, die schon einen Dienstwagen haben, dazu entschlossen, auch noch ein entsprechendes Fahrrad zu brauchen, falls es mal zu schön ist zum Autofahren. Oder sie haben keinen Dienstwagen bekommen und stattdessen mit einem Dienstfahrrad vorliebnehmen müssen.

In diesem Fall wäre das Dienstfahrrad ein Frustfahrzeug – und das würde erklären, warum manche Männer in der Mitte ihres Lebens auf teuren Fahrrädern so einen rücksichtslosen Fahrstil haben. Sie müssen sich anstrengen, genauso verkehrsgefährdend unterwegs zu sein, wie sie es sonst mit einem Auto wären.

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