Asia Techonomics: MH370 – Die teuerste Flugzeugsuche der Geschichte geht weiter
Das größte Rätsel der Luftfahrtindustrie ist seit zehn Jahren ungelöst. Am 8. März 2014 verschwand Malaysia-Airlines-Flug MH370 um kurz nach Mitternacht von den Radarschirmen der Flugsicherung in Südostasien. „Good Night, Malaysian Three Seven Zero“ war der letzte Funkspruch, der aus dem Cockpit der Boeing 777 abgesetzt wurde. Was dann mit der Maschine geschah, wo die Reise der 239 Menschen an Bord ein Ende fand, ist bis heute nicht geklärt.
Satellitendaten legen nahe, dass MH370 irgendwo im Indischen Ozean abgestürzt ist. Doch die teuerste Suche in der Geschichte der Luftfahrt blieb ohne Erfolg und wurde 2018 eingestellt. Nur ein paar Trümmerteile wurden an die afrikanische Küste gespült. Die gängigste Theorie besagt, dass das Flugzeug wohl absichtlich ins Meer gesteuert wurde.
Zum zehnten Jahrestag des Verschwindens von MH370 ist in Malaysia die Debatte über einen Neustart der Suchaktion wieder entbrannt. Für viele Angehörige von Crew und Passagieren ist die Ungewissheit über das Schicksal des Flugzeugs bis heute schwer erträglich.
Doch welche Maßnahmen ergreift die Luftfahrtindustrie seit dem Unglück, um zu verhindern, dass erneut ein Passagierflugzeug verloren geht? Die Antwort ist ernüchternd: Die Ortung von Flugzeugen in Echtzeit ist auch zehn Jahre nach dem Verschwinden von MH370 noch weit entfernt.
Nur langsame Fortschritte bei Ortungstechnologie
Dabei stellte ein malaysischer Untersuchungsbericht bereits wenige Wochen nach dem Verschwinden der Maschine fest, dass das Fehlen von Echtzeit-Ortungsgeräten zu „erheblichen Schwierigkeiten“ geführt habe: „Es wird empfohlen, dass die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) die Sicherheitsvorteile der Einführung eines Standards für die Echtzeitverfolgung von Verkehrsflugzeugen untersucht“, hieß es in dem Bericht.
Diesem Wunsch folgte die Sonderorganisation der Vereinten Nationen für die Ausarbeitung von Luftfahrtstandards zwar. Doch zu Fortschritten kommt es nur langsam: Weitgehend umgesetzt wurde bisher eine Vorgabe, wonach Airlines auch über Ozeanen in der Lage sein müssen, ihre Flugzeuge alle 15 Minuten zu orten. Doch das ergäbe aus Sicht von Flugsicherheitsexperten im Unglücksfall immer noch ein kreisförmiges Suchgebiet mit einem Durchmesser von 200 Kilometern.
Die ambitioniertere Vorgabe, dass Flugzeuge bei Problemen an Bord automatisch jede Minute geortet werden sollen, war eigentlich für 2021 geplant. Der Plan wurde aber mehrfach verschoben – auch auf Ersuchen der Europäischen Flugsicherheitsagentur EASA. Die Vorgabe soll nun ab kommendem Jahr gelten – aber nur für neue Flugzeuge. Für den Rest der Flotte bleiben die Ortungslücken bestehen.
Suchaktionen sind mit hohen Kosten verbunden
Damit besteht für die Luftfahrtindustrie weiterhin das Risiko langwieriger und teurer Suchaktionen. Das Gebiet für die Suche nach dem Malaysia-Airlines-Flieger MH370 konnte nur anhand von stündlichen Satellitenverbindungen des Fliegers eingegrenzt werden. Die Suche kostete in den ersten drei Jahren rund 130 Millionen US-Dollar. Das Wrack des Air-France-Flugs 447, der 2009 über dem Atlantik abstürzte, wurde erst nach zwei Jahren gefunden. Die Suche kostete rund 80 Millionen Euro.
Die malaysische Regierung will die Suche nach MH370 nun wieder aufnehmen. „Malaysia ist fest entschlossen, das Flugzeug zu finden“, sagte Verkehrsminister Anthony Loke am Wochenende. „Die Kosten sind nicht das Problem.“ Er setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit dem US-Marineroboter-Start-up Ocean Infinity, das bereits 2018 für die Regierung nach dem Wrack suchte.
Das Unternehmen bestätigte, Pläne für eine neue Suchaktion in Kuala Lumpur eingereicht zu haben. Man habe die verfügbaren Daten „weiter analysiert“, ein Sucherfolg sei nun „potenziell möglich“, sagte Ocean-Infinity-Chef Oliver Plunkett. „Wir fühlen uns nun in der Lage, die Suche nach MH370 wieder aufzunehmen, und haben der malaysischen Regierung einen Vorschlag unterbreitet.“ Das Land müsse für die Suche nur bezahlen, wenn Ocean Infinity das Wrack auch findet.
Angehörige der Verunglückten begrüßen den Vorstoß. Sie werde die Erinnerungen an den Tag des Verschwindens von MH370 nicht los, sagte Jacquita Gonzales, deren Mann sich an Bord der Maschine befand, am Wochenende bei einer Gedenkveranstaltung. Nur wenn das Flugzeug gefunden werde, könnte sie endlich mit dem Thema abschließen. Gonzales: „Deshalb ist es wichtig, weiterzusuchen. Lasst das Rätsel nicht ungelöst bleiben.“