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JapanBären töten 13 Menschen – nun werden Soldaten und Drohnen eingesetzt

Bärenfallen, bellende Drohnen und Scharfschützen: Japans Regierung macht gegen Bären mobil, denn die Bevölkerung ist verängstigt. KI-Videos verstärken die Panik.Martin Kölling 12.11.2025 - 13:03 Uhr Artikel anhören
Soldaten der japanischen Selbstverteidigungskräfte: Bärenfalle aufgestellt. Foto: via REUTERS

Akita, Tokio. In Japan geht die Angst vor tödlichen Bärenattacken um. Seit April wurden bereits 13 Menschen durch Bären getötet, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2023, das bisher den Rekord hielt. Die Präfektur Gifu setzt daher neueste Technologie ein, um die Bewohner eines betroffenen Gebiets zu schützen.

Ab Ende des Monats sollen Drohnen über dem Gebiet kreisen und Bären, die sich aus dem Wald in bewohnte Gegenden vorwagen, mit Hundegebell und dem Krachen von Feuerwerkskörpern in die Flucht schlagen. Derzeit diskutiert die Regierung mit örtlichen Jägern, welche Routen geflogen und wie viele Drohnen eingesetzt werden sollen.

Die Präfekturregierung macht damit vor, was ein Krisenausschuss der Regierung in seinem Anti-Bären-Plan für das gesamte Land vorgesehen hat. Kaum im Amt, hatte die neue Regierungschefin Sanae Takaichi verschiedene Minister, darunter den Verteidigungsminister, zusammengerufen, um die Bevölkerung sowohl rasch als auch langfristig durch umfassende Maßnahmen zu beschützen. Sie ist seit Ende Oktober Regierungschefin.

Mit Soldaten, einem Plan und KI in den Bärenkampf

Kurzfristig wurde erstmals die Armee mobilisiert. In der nördlichen Präfektur Akita, die zusammen mit der benachbarten Präfektur Iwate von den Bärenattacken betroffen ist, stellen Beamte der Selbstverteidigungskräfte nun Bärenfallen auf. Durch eine Gesetzesrevision wurde Jägern erlaubt, auch in bewohnten Gebieten auf Bären zu schießen. Vier Scharfschützenteams der Polizei werden sie dabei unterstützen.

Mittelfristig plant der Krisenstab, im Haushalt für das nächste Jahr einen dreistufigen Maßnahmenkatalog zu finanzieren. Dieser sieht eine verstärkte Bärenbekämpfung auf Basis wissenschaftlicher Daten vor, die Sicherstellung einer ausreichenden Zahl an Jägern sowie den Einsatz neuer Technologien zum Schutz gegen Bären.

Dies Schild in Akita verbietet das Betreten des Waldes: Bärengefahr. Foto: Martin Kölling

Dazu gehört die Überwachung von Landstrichen aus der Luft mithilfe von Drohnen. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist denkbar. Die Präfektur Toyama nutzt bereits seit vergangenem Jahr KI-Tools, um die Bilder staatlicher Überwachungskameras zu beobachten und die örtlichen Behörden zu benachrichtigen, sobald ein Bär gesichtet wird. Und wer weiß, vielleicht kommt ja auch die fünf Jahre alte Idee wieder in Mode, Roboterwölfe als Bärenscheuche einzusetzen.

Lokalregierungen sprechen schon von einer Katastrophe

Die rasche Reaktion der Regierung zeigt, wie sehr die Situation eskaliert ist. Eigentlich leben die Bewohner der bergigen Regionen mit dieser Gefahr. Im Gebiet um den Berg Hachimantai warnen Schilder nicht nur vor giftigen vulkanischen Gasen, sondern auch vor dem Betreten der Bergwälder am Hang des Vulkans. Auf einem Schild am Straßenrand steht: „In dieser Gegend kommt es häufig zu Todesfällen und Verletzungen durch Bären.“

In der wöchentlichen Kolumne „Asia Techonomics“ schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien. Foto: Klawe Rzeczy

Doch dieses Mal ist die Lage anders. „Es ist eine Katastrophensituation“, sagte Jun Numaya, der Bürgermeister der Stadt Akita, vorige Woche. Der Alltag der Menschen sei zunehmend betroffen, so könne es nicht weitergehen.

Auch der neue Landwirtschaftsminister Norikazu Suzuki ist erschüttert. „Ich habe kürzlich in meiner Heimatgemeinde selbst einen Bären gesehen, der auf einen Baum mit Persimonen kletterte, um die Früchte zu essen“, erzählte der 43-Jährige Ende Oktober bei einer Sitzung des Krisenstabs. Er betrachtet dies als ernstes Problem in ländlichen Gemeinden.

KI könnte dabei nicht nur gegen die Bärenattacken helfen, sie verstärkt gleichermaßen die Panik vor ihnen. Auf Tiktok und anderen Social-Media-Plattformen werden KI-generierte Videos von Bärenattacken munter verbreitet. Hier schnuppert ein Bär an einer Ladentür, dort vertreibt ein tapferes Schulmädchen einen Angreifer, und da schnappt sich ein Untier einen Hund zum Mittagessen.

Die Zeitung „Yomiuri“ schaute nach: Von 100 gefundenen Bärenvideos trugen 60 das Wasserzeichen von Sora, dem Videogenerator des Start-ups OpenAI. Wie viele der anderen Videos gefälscht waren, war jedoch schwerer zu entschlüsseln. Klar ist, dass sich der wirtschaftliche Schaden ausdehnt.

Viele Bauern trauen sich nicht mehr auf ihre Felder, und immer mehr Touristen bleiben dem Norden fern. Selbst in touristischen Zentren wie der alten Samurai-Ortschaft Kakunodate warnen Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht vor Bären“ am Fluss und vor Sehenswürdigkeiten. Nun hat sogar die Post Auslieferungen in einigen Regionen ausgesetzt, andere Paketdienste könnten folgen.

Bärenwarnungen im Touristenort: Besucher bleiben fern. Foto: Martin Kölling

Doch die Maßnahmen dürften nicht dafür sorgen, dass die Bärenattacken schnell aufhören. So ist ein Teil des Problems der erfolgreiche Schutz der Bären selbst: Die Population der Schwarzbären hat sich seit 1990 auf 42.000 Tiere vermehrt, allein in Iwate um das Fünffache.

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Hinzu kommt der Klimawandel. Im Norden Japans fielen nach einer langen Dürre die Ernten von Eicheln und Bucheckern, die für die Bären eine wichtige Nahrungsquelle darstellen, nahezu aus, noch schlimmer als vor zwei Jahren.

Die Bärensichtungen nehmen daher seit Jahren tendenziell zu. Denn der Hunger treibt die Bären aus den Wäldern in die Täler und sogar in die Städte. Auch dort werden sie immer dreister. Normalerweise reicht es aus, Lärm zu machen, um die Tiere zu verjagen. Aber inzwischen reicht nicht einmal mehr das.

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