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Morning Briefing PlusDas Jahr, in dem KI greifbar wird

Viele Szenarien zur Künstlichen Intelligenz malen eine düstere Zukunft – insbesondere für den Arbeitsmarkt. Damit diese Zukunft nicht eintritt, kommt es jetzt auf die richtigen Schritte an.Martin Knobbe 03.01.2026 - 08:38 Uhr
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Martin Knobbe, stellvertretender Handelsblatt-Chefredakteur. Foto: Handelsblatt

Ich weiß nicht, wie Sie ins neue Jahr gestartet sind. Mit viel Rückblick, Erinnerung, vielleicht sogar Wehmut? Oder mit dem Blick nach vorn, auf das, was nun kommen wird? Ich habe vor allem auf das neue Jahr geblickt, zusammen mit meiner Frau, mit den Kindern, aber auch nur mit mir selbst.

2026 wird in vielerlei Hinsicht ein entscheidendes Jahr.

Vermutlich erwacht Deutschland aus seiner Stagnation und erlebt erste Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs. Womöglich steht Europa vor einer seiner schwierigsten Bewährungsproben, sollten sich die USA doch noch aus dem bislang hoffnungslosen Verhandlungsprozess im Ukrainekrieg zurückziehen. Wahrscheinlich wird die AfD Erfolge bei diversen Wahlen feiern. Und: Vielleicht – und hoffentlich – macht die schwarz-rote Koalition ernst mit tiefgreifenden Reformen.

Vor allem aber wird 2026 das Jahr sein, in dem der Einsatz von Künstlicher Intelligenz greifbar werden wird, positiv wie negativ, gerade auch in den Arbeitsmarktdaten.

Man kann dem Thema mit beängstigenden Zahlen begegnen. So schätzt McKinsey, dass sich bereits heute 57 Prozent der Arbeitsstunden in den USA durch KI erledigen lassen. In Deutschland rechnen 27 Prozent der Unternehmen – und damit deutlich mehr als in früheren Umfragen – mit einem KI-bedingten Abbau von Stellen in den kommenden fünf Jahren. Das ist vermutlich noch vorsichtig prognostiziert. Sehen wir 2026 also erste Ausläufer einer KI-bedingten Massenarbeitslosigkeit?

Man kann sich dem Thema aber auch anders nähern, so wie meine Kollegin Leila Al-Serori und meine Kollegen Moritz Koch, Sven Prange und Christian Rickens. In einem großen Essay betten sie die gigantische Revolution, die vor uns liegt, in einen großen historischen Kontext ein.

Sie beschönigen nicht die gefährlichen Entwicklungen, die von KI ausgehen können, nicht die Möglichkeit einer neuen, von Wenigen kontrollierten Übermacht. Aber sie legen ihren Schwerpunkt auf die Frage, was konkret getan werden muss, dass KI sich eben nicht dorthin entwickelt – sondern zu einer Unterstützerin gesellschaftlichen Fortschritts im besten Sinne wird. Ich kann Ihnen die Lektüre sehr empfehlen.

Mir sind aus dem Text zwei Sätze des Arbeitsmarktökonomen David Autor in Erinnerung geblieben, die einen positiven Blick auf die KI-Zukunft erlauben: „Im günstigen Szenario versetzt KI mehr Menschen in die Lage, anspruchsvollere, expertennahe Tätigkeiten auszuüben.“ Und: „KI handelt nicht aus sich selbst heraus. Sie arbeitet für uns – und wir müssen entscheiden, was wir von ihr wollen.“

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

1. KI ist nur eines der Themen, mit denen sich Chefs in Deutschland heute beschäftigen müssen. Dann gibt es da noch die wirtschaftliche Lage, die Stagnation, die nicht enden will. Und die Erkenntnis, dass das exportorientierte deutsche Wirtschaftsmodell so nicht mehr funktioniert. Wie kann man da als Topmanager gelassen bleiben? Julia Beil, Andreas Kröner, Tanja Kewes und Catiana Krapp haben CEOs und andere Führungspersönlichkeiten besucht und nach ihren Antworten gefragt.

Glücklicher Chef: Strategien zur Stressbewältigung. Foto: Lennart Gäbel

2. Das Raunen vor dem Platzen einer KI-Blase hält seit Monaten an, doch bis zum Jahresende war noch kein Platzen zu vernehmen. Und so stellte mein Kollege Ulf Sommer bei seinem traditionellen Ranking der Top-100-Firmen zum Jahresende fest: US-Tech-Konzerne sind so stark wie nie. In Zahlen: Alphabet, Amazon, Apple, Broadcom, Meta, Microsoft und Nvidia kommen auf einen Börsenwert von 18,3 Billionen Dollar. Mehr, als die 7500 europäischen Konzerne zusammen.

3. Jochen Hanebeck, Vorstandsvorsitzender bei Infineon, hat eine sehr klare Meinung zum Thema Überbewertung von Tech-Unternehmen: „Wer an eine KI-Blase glaubt, verschläft einen Trend“, sagte er in einem lesenswerten Interview mit meinem Kollegen Joachim Hofer. Hanebeck erzählte Details zur neuen Fabrik in Dresden und – ungewöhnlich genug – lobte die sächsische Landespolitik über alle Maßen: „Es ist vorbildlich, was da im Zusammenspiel aller Teilnehmer des Ökosystems passiert.“

4. Die Aktie des dänischen Unternehmens Novo Nordisk galt dank des Booms um Abnehmspritzen einmal als eine der wertvollsten Europas, dann folgten schwierige Monate mit einem harten Markt und sinkenden Kursen. Nun aber gibt es wieder Hoffnung – dank einer neuen Abnehmpille, für die das Unternehmen kurz vor Weihnachten die US-Zulassung bekam. Allerdings droht aus den USA harte Konkurrenz, wie Helena Smolak berichtet.

Abnehmspritze versus Abnehmpille: Wer macht das Rennen im Milliardenmarkt? Foto: IMAGO/Sipa USA, Reuters, Getty [M] Handelsblatt

5. Es hat eine gewisse Tradition, dass das Handelsblatt Research Institut (HRI) bei seinen Konjunkturprognosen etwas pessimistischer in die Zukunft blickt als andere Wirtschaftsforschungsinstitute. So auch diesmal: Das HRI rechnet für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent und 2027 mit 0,9 Prozent.

Andere Institute sind etwas zuversichtlicher. „Anders als die beiden vorherigen Regierungen hat die amtierende Große Koalition den Ernst der Lage offenbar erkannt“, sagt Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup. Allerdings fehle ihr Mut und Kraft, die notwendigen Reformen anzugehen. Vielleicht entwickelt sich diese Kraft ja im neuen Jahr.

6. Die unten stehende Grafik zeigt die Hoffnung für Bitcoin-Fans. Zwar hat sich die größte und älteste Digitalwährung bislang nicht aus ihrem Kurstief befreien können – trotz einer kryptofreundlichen Politik von US-Präsident Donald Trump; zwar haben viele Analysten ihre Kursziele für 2026 nach unten korrigiert; dennoch beurteilen sie positiv, dass die Kursschwankungen geringer geworden sind.

7. Der Reformdruck auf die Bundesregierung ist bekanntermaßen groß, konkret zeigt sich das, wenn man sich die Zahlen ansieht. Zum Beispiel die Subventionen, mit denen der Staat einzelnen Unternehmen oder ganzen Branchen unter die Arme greift: Sie sind mittlerweile auf ein Rekordniveau gestiegen – und Finanzminister Lars Klingbeil weiß, dass ihr Abbau zu seinen wichtigsten Reformaufgaben gehört. Welche Finanzhilfen und Steuervergünstigungen in Zukunft wegfallen könnten, hat Martin Greive recherchiert.

8. Normalerweise versuchen wir als Journalisten, unsere persönliche Meinung, Ansicht oder gar Betroffenheit aus unserer Berichterstattung herauszuhalten, es mag uns nicht jedes Mal zu hundert Prozent gelingen.

Julian Olk hat es diesmal erst gar nicht versucht, im Gegenteil. Sein Essay über die junge Generation und ihren Eindruck, von der Politik im Stich gelassen zu werden, hat er – 29 Jahre alt – als „Hilferuf eines Betroffenen“ geschrieben. Lesen Sie hier seine wohlformulierte Empörung.

Vergessene Jugend: Es braucht einen neuen Generationenvertrag, schreibt Julian Olk. Foto: Imago, Picture Alliance [M]

9. Wie riskant ist es, in chinesische Aktien zu investieren? Sehr, wenn man sich nicht gut vorbereitet. Dann aber sei es möglich, am Aufschwung einzelner Branchen teilzuhaben, schreibt China-Korrespondent Martin Benninghoff. Um welche Branchen es sich handelt, lesen Sie in seinem Report.

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Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr.

Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihr Martin Knobbe

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